Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Plötzlich Präsidentin: Liebe auf den ersten närrischen Blick

Präsidentin eines rein weiblichen Komitees: Malka Draper.
Präsidentin eines rein weiblichen Komitees: Malka Draper.

Im Frühjahr ist Malka Draper zum ersten Mal auf die „Schorleschubser“ aufmerksam geworden. Seit Sommer ist sie die Präsidentin dieser Frankenthaler Narren. Wie es gefunkt hat.

So mancher Frankenthaler Verein sucht händeringend nach Mitstreitern im Vorstand. Und wenn es darum geht, an die Spitze vorzurücken, wird die Luft noch dünner. Jüngstes Beispiel: die Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins, die vor dem Aus steht, wenn sich die Nachfolge für den im Frühjahr ausscheidenden Vorsitzenden, seinen Vize und den Wanderwart nicht bald regelt. Ganz anders sieht es da bei der Karnevalsgesellschaft (KG) Schorleschubser aus. Der jüngste unter den städtischen Fasnachtsvereinen muss keines seiner derzeit rund 30 aktiven Mitglieder beknien. Seine neue Präsidentin ist von sich aus auf den Club zugegangen und hat ihre Mitarbeit angeboten.

„Mich hat das Konzept angesprochen, das bei den Schorleschubsern ausschließlich Frauen das Regiment führen“, begründet Malka Draper ihre Initiative. Die 31-Jährige ist beim Fasnachtsumzug auf die junge, fröhliche Truppe aufmerksam geworden und hat den Vorsitzenden Hans Wagner angesprochen. Der ist zwar bekanntermaßen keine Frau, hält dem ausschließlich weiblichen Elferrat – der bei den Schorleschubsern als Frauenkomitee firmiert – aber organisatorisch den Rücken frei für die Programmgestaltung. Die Männer begnügen sich im Verein bewusst mit administrativen Aufgaben – und geben Einlagen als Männerballett.

Ladias nun Ehrenpräsidentin

Nach außen repräsentieren indes Frauen den Verein, statt in klassischen Uniformen kleiden sie sich in Steampunk-Kostüme. In der Aufbauphase stand Präsidentin Beate Ladias an deren Spitze, sie hat nun ihren Auftrag erfüllt, „mit Herzblut den Verein zu gründen und aufzubauen“, wie es Wagner bei der Verleihung der Ehrenpräsidentschaft formulierte. Im Sommer hat nun Draper das Zepter übernommen, kein halbes Jahr, nachdem sie Mitglied geworden ist.

„Es war Fasnachtsliebe auf den ersten Blick“, schwärmt die Ur-Frankenthalerin, die als Förderschullehrerin in Mannheim arbeitet. „Die Chemie hat von Anfang gestimmt.“ Über mehrere Jahre war Draper bei den Pfadfindern aktiv, „jetzt war ich auf der Suche nach einer neuen Aktivität, die mir Spaß machen würde“. Fasnachtlich ist ihre Familie nicht unbeleckt, ihr Bruder ist bei den Mörscher Wasserhinkele aktiv, wo sie seinerzeit auch in der Garde tanzte.

Jüngere übernehmen die Regie

Bei den Schorleschubsern hat die neue Präsidentin auch die familiäre Atmosphäre angesprochen. „In so einer kleinen Gemeinschaft wird nicht nur Wert auf basisdemokratische Entscheidungen gelegt, sie können auch gut gelebt werden.“ Nach und nach wachse sie an, die ersten Vereinsaktivitäten sprächen sich herum und generierten Neueintritte, freut sich die neue Präsidentin. Höchster närrischer Feiertag für die Schorleschubser wird auch in der bevorstehenden Kampagne die Weiberfasnacht sein. Den Donnerstag vor Rosenmontag wollen sie in der Frankenthaler Narrenszene wieder für sich beanspruchen, vormittags den hohen Herren im Rathaus an den Schlips gehen und abends wieder eine reine Frauenparty feiern.

Dass Ehrenpräsidentin Beate Ladias dann mit von der Partie sein wird, dürfte für sie Ehrensache sein. Bis dahin kann sie sich ebenso zurücklehnen wie der Vater der weiblichen Kompanie, Hans Wagner. Sie haben ihren Beitrag geleistet, um die Schorleschubser zum Laufen zu bringen. Jetzt übernehmen die Jungen die Regie.

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