Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Karnevalsverein setzt voll auf Frauenpower

Der Steampunk, an dem sich die Schorleschubser orientieren wollen, erinnert an das viktorianische Zeitalter in England.
Der Steampunk, an dem sich die Schorleschubser orientieren wollen, erinnert an das viktorianische Zeitalter in England.

Steampunk statt Gardeuniform, improvisierend auf der Bühne statt aufgereiht auf der Elferratstribüne und vor allem: Frauenpower statt Ranzengarde – eine neue Frankenthaler Karnevalsgesellschaft will ab der neuen Kampagne die Szene aufmischen.

Aus der Kölner Fernsehfasnacht kennt man es bereits auch in hiesigen Breitengraden: mehr Stimmung auf der Bühne, Kultbands, die mit Partyhits die Narren im Saal von den Stühlen reißen und ein Elferrat, der sich vornehm im Hintergrund hält, mit dem Präsidenten als launiger Moderator mittten im Geschehen. An dieser Choreografie will sich eine neue Formation orientieren, die sich gerade in Frankenthal gegründet hat.

Sie geht sogar noch einen Schritt weiter – nach eigenen Angaben so weit wie noch kein Fasnachtsverein in der Pfalz: Die neue Karnevalsgesellschaft Schorleschubser stellt keinen Elferrat, sondern einen reinen Elferrätinnenrat. Die Sitzungsleitung dieses Präsidiums 2.0 liegt ausschließlich in den Händen eines Frauenkomitees, angeführt von Präsidentin Beate Ladias und ihren beiden Stellvertreterinnen Peri Wagner und Ilka Wagner. Starthilfe erhalten die Novizinnen in der Startphase von dem in der Szene bekannten Männerballett des Frankenthaler Carneval Vereins (FCV).

Männerballett assistiert

Dessen Mitglied Hans Wagner macht nicht nur in dieser Truppe den Vortänzer, als Vorsitzender der im Mai gegründeten Schorleschubser nimmt er den Damen auch die Vereinsmeierei ab. Ansonsten hat der Pate nicht viel zu melden in der neuen Frauenfasnacht. Und will es auch nicht: „Karnevalistisch bleiben ich und die weiteren Balletttänzer Elferräte in ihren angestammten Vereinen“, stellt Wagner im Gespräch mit der RHEINPFALZ klar. „Die Schorleschubser ergänzen die Fasnachter-Szene in Frankenthal, dazu leisten wir gerne unseren Beitrag.“

Präsidentin Beate Ladias (Zweite von links) führt den ersten weiblichen Karnevalsverein in Frankenthal an.
Präsidentin Beate Ladias (Zweite von links) führt den ersten weiblichen Karnevalsverein in Frankenthal an.

Für die Frankenthaler Fasnachtsfrauen ist die Zusammenstellung eines reinen Frauenkomitees ein Durchbruch in einer klassischen Männerdomäne. „Abgesehen von der ohnedies niedrigen Frauenquote in den traditionellen Elferräten werden wir endlich sichtbar“, freut sich Peri Wagner. „Während die Herren etwa bei Ordensfesten oder Empfängen im vollen Ornat auflaufen, waren wir bislang eher Beiwerk, hatten noch nicht mal eine weibliche Uniform.“

Verzicht auf Narrenkappen

Als Cheftrainerin des Männerballetts war Wagner geduldet – und auch geschätzt. Aber bei Auftritten und Würdigungen war die 26-Jährige eher eine weniger schillernde Randfigur. Das soll sich mit den Schorleschubsern ändern. Deren Präsidium wird sich weder Narrenkappen aufsetzen noch ist es auf die närrische Zahl Elf fixiert. Die aktuell zehn Frauen in der Führungsriege werden sich vielmehr im Stil des Steampunk kleiden. Diese Mischung aus viktorianischem Zeitalter, Dampfmaschinen und überdimensionalen Zahnrädern erinnert an Szenerien aus Jules Verne-Romanen oder modernen Sherlock-Holmes-Verfilmungen.

Das Männerballett leistet dem jungen Verein Starthilfe.
Das Männerballett leistet dem jungen Verein Starthilfe.

„Wir werden auch nicht von der Elferratsempore aus herabblicken, sondern wollen uns ins Geschehen mischen“, kündigt Peri Wagner an. Fasnacht mit dem Publikum und nicht über die Köpfe hinweg, das schwebt dem Frauenkomitee vor. Erste Erfahrungen wollen die Karnevalistinnen in der kommenden Saison sammeln, beim Neujahrsempfang, vor allem aber am Schmutzigen Donnerstag, der seit jeher den Frauen vorbehalten ist. Da kein anderer Frankenthaler Fasnachtsverein an diesem Abend ein Angebot macht, wollen sie diese Lücke füllen.

Ein Funke Tradition soll erhalten bleiben: Das Männerballett wird auch bei den Schorleschubsern seine grazilen Auftritte haben. Allerdings auch im Steampunk, mit Weste und Fliege. Aus den neun Herren will Trainerin Peri Wagner auch weiterhin das Bestmögliche herauskitzeln. An dieser Mission hält die Modedesignerin auch mit Fernunterricht fest. Mehrere Monate im Jahr ist die 26-Jährige als Kostüm- und Makeup-Supervisorin auf dem Ferienschiff „Aida“ engagiert. Das Training des Männerballetts ruht deswegen nicht. Per Videocall tanzt sie den Frankenthaler Eleven die Figuren in ihrer Kajüte vor.

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