Frankenthal
Oggersheimer Altrheinschlinge: Wie der Rhein Frankenthal geformt hat
Von Karl-Heinz Kuhn
Seit Urzeiten haben die Bäche und Flüsse im Grabenbruch der Oberrheinischen Tiefebene durch das An- und Abschwellen der Wassermassen und die ständige Änderung der Fließrichtung zwischen den Steilufern (Hochgestade) eine Talaue geformt – auch Rheinaue oder Rheinniederung genannt, durchschnittlich sieben Kilometer breit und nahezu eben.
Innerhalb dieser Auenlandschaft suchte sich der Rhein sein Bett immer wieder neu und ließ eine Vielzahl von Altrheinschlingen links und rechts des Hauptstroms liegen. Es bildete sich eine amphibische Landschaft, ein sich ständig wandelndes Mosaik von trockenen, fruchtbaren oder sandigen Erhebungen, sogar Dünen, von Fließ- und Stillgewässern, Tümpeln, Lachen oder auch Sümpfen und Mooren. Genauso vielfältig wie die Landschaft war die Flora und Fauna.
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Hochwasser verändert den Verlauf
Die frühen Bewohner dieser Gegend passten sich den Gegebenheiten an, nutzten die Produkte der Natur und lernten, die Gefahren zu meistern. Der Hauptstrom des Rheins floss zunächst durch die Oggersheimer Schlinge zwischen Edigheim und Mörsch Richtung Roxheim nach Norden. Auf einer Schneckensand-Terrasse, nahe dem westlichen Steilufer, entstand das kleine Bauern- und Fischerdorf Franconodal. Es lag bei seiner Entstehung unmittelbar am Rhein.
Nach einer großen Hochwasserkatastrophe im Jahr 886 nahm der Rhein – zusammen mit dem Neckar – seinen Lauf durch die Friesenheimer Schlinge an Sandhofen vorbei in Richtung Petersau. Die Orte Oppau und Edigheim kamen nun, wie zuvor schon Studernheim, Frankenthal und Mörsch, linksrheinisch zu liegen. Ab diesem Naturereignis liegt Frankenthal etwa viereinhalb Kilometer vom Rhein entfernt.
Die niederländischen Glaubensflüchtlinge, die sich im 16. Jahrhundert in den aufgelassenen Klöstern Groß- und Klein-Frankenthal niedergelassen hatten, befestigten die rasch wachsende neue Stadt der Händler, Handwerker und Bauern mit Wall und Graben. Der Schutzwall umschloss aber nicht nur die Siedlungsfläche auf der Terrasse, sondern auch die Rheinaue östlich (unterhalb) der „Hohen Nürnberger Straße“.
Schon die Römer haben hier gebaut
Die gesamte Feldmark der früheren Klöster erstreckte sich von der Grenze zu Flomersheim und Ormsheim im Westen bis zum Altrheingraben vor Edigheim im Osten sowie von der Isenach im Süden bis zur Grenze mit den Orten Roxheim und Mörsch im Norden. Sie schloss somit auch den Sporn des Hochgestades südlich des Muldenwegs (Mörscher Straße) mit ein, auf dem schon die Römer bauliche Anlagen errichtet hatten. Hier befanden sich ein Kalkofen, die kleine Kapelle St. Jakobus und später das Gartenlokal Zur Adamslust.
Am Hochgestade, dem ehemaligen Rheinufer und der Abbruchkante der Frankenthaler Terrasse, entstanden Stätten für die Entnahme und Verarbeitung von Bodenschätzen: Kies (Kieslöcher) und Sand (Sandkaut) sowie Ton und Lehm (Ziegelhütte, Ziegelhof, Kalkofen). Die Rheinaue nahm um 1600 etwa ein Viertel der Feldmark ein.
Die Serie
Ein Rosengarten in Frankenthal? Hat es da tatsächlich betörend geduftet? Und was hat es mit der Kaiserhütte und dem Reichert-Garten auf sich? Auf den Spuren solcher „Lost Places“ ist Heimatforscher Karl-Heinz Kuhn. Der frühere Stadtplaner ist ein lebendes Lexikon Frankenthaler Naturgeschichte und widmet sich historischen Orten im Bannkreis der Stadt Frankenthal. Den Auftakt macht die Oggersheimer Altrheinschlinge.


