Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Von Mäandern, Terrassen und alten Flussarmen: Die Region rund um Frankenthal

Die Umgebung von Frankenthal ist auch durch Wasser geprägt: Hier die Mündung des Rehbachs in den Rhein.
Die Umgebung von Frankenthal ist auch durch Wasser geprägt: Hier die Mündung des Rehbachs in den Rhein.

Was die Entstehung der Frankenthaler Terrasse mit Holzstapeln vor der Stadt zu tun hat? Das ist eine mäandernde Geschichte quer durch die Pfalz.

Bei der Entstehung des zentraleuropäischen Faltengebirges kam es auf der Nordseite der Alpen zu einem tiefen Grabenbruch. Durch die Ablagerung mächtiger Schichten von Sedimentgesteinen im Graben zwischen den Randgebirgen Vogesen (Zaberner Senke) sowie Pfälzerwald im Westen und Schwarzwald sowie Odenwald im Osten entstand ein mehr als 300 Kilometer langes und bis zu 35 Kilometer breites und nur sanft nach Norden abfallendes Band, ein Tiefland, in dem der von Ost nach West fließende Hochrhein ab Basel sich mit vielen Schlingen nach Norden bis Mainz als Oberrhein sein Bett suchte.

Der stärkste Zufluss zum Oberrhein, der Neckar, der bei Heidelberg aus dem Odenwald austritt und bei Mannheim in den Rhein mündet, ist der bestimmende Faktor für die geomorphologische Gestaltung des Rhein-Neckar-Raums im nördlichen Abschnitt des Oberrheingrabens. Ursprünglich nahe am Gebirgsrand des Odenwaldes bis über Darmstadt hinaus nach Norden ziehend, wurde der Neckar durch Absetzen seiner mitgeschleppten Schutt- und Schottermassen zur Bildung zahlreicher Arme und eines breiten Mündungsdreiecks zwischen Altrip, der Friesenheimer Schlinge und Mannheim-Seckenheim gezwungen. Das Neckar-Delta wiederum zwang den Hauptstrom des Rheins bei Altrip – wo er sehr nah an sein östliches Hochufer herangekommen war („alta ripa“) – nach Westen bis zu dem vom pfälzischen Haardtgebirge kommenden Rehbach.

Schotterfläche auf einer Schneckensand-Basis

Während rechtsrheinisch zwischen dem Randgebirge und dem Hochufer der Rheinaue große Flächen von Dünensand entstanden, bildete sich linksrheinisch zwischen Speyer und Worms durch den Druck des Neckars eine sichelförmige, nahezu ebene Schotterfläche auf einer Schneckensand-Basis, die sogenannte Frankenthaler Terrasse. Während der für den südlichen Abschnitt des Vorderpfälzer Tieflandes typische Wechsel von Riedelrücken und Schwemmkegel der Bachauen bis zur Rheinniederung reicht, schiebt sich nördlich des Rehbachs diese Frankenthaler Terrasse zwischen die Hügelzone und die Rheinaue.

Die Rinne eines ehemaligen Rheinarmes, die mit einer markanten Geländestufe, einem zweiten Hochufer, die Riedelzone im Osten begrenzt, trennt diese von der Frankenthaler Terrasse.

Die vom Gebirgsrand kommenden Bäche (Marlach von Deidesheim, Stechgraben von Forst, Schwabenbach von Wachenheim) werden nach dem Passieren der Geländestufe nach Norden zur Isenach und zum Eckbach umgelenkt. Das schmale Bachbett der Isenach, vom Brandgraben östlich von Lambsheim, zwischen Eppstein/Flomersheim hindurch, bis zur Abbiegung nach Norden an der „Speierer Landstraße“ südlich der Stadt, stellt die einzige natürliche Querrinne durch die Frankenthaler Terrasse dar.

Dort ein Stück Floßbach, da ein bisschen Rehbach, hier ein paar Meter Woogbach: Wo heute Enten schwimmen, wurde früher Holz getr
Dort ein Stück Floßbach, da ein bisschen Rehbach, hier ein paar Meter Woogbach: Wo heute Enten schwimmen, wurde früher Holz getriftet.

Wasser ist nicht nur ein Lebenselixier, sondern war vor der Industrialisierung neben der Muskelkraft von Mensch und Tier auch ein wichtiges Transportmittel für den Bau- und Werkstoff Holz. Das auch für die Wärmeerzeugung so notwendige Holz wurde aus den kurpfälzischen Wäldern beziehungsweise Staatswäldern im Zentrum des Pfälzerwaldes auf dem Speyerbach über Neustadt zur Bischofsstadt Speyer und ab der „Winzinger Scheid“ auf dem Rehbach zur Mündung am Rhein östlich von Rheingönheim geflößt beziehungsweise geschwemmt oder getriftet.

Ein Floßkanal vom Rehbach bis zur Isenach

1740/42 ließ der pfälzische Kurfürst Carl Philipp dann ab dem Kohlhof (Rehhütte) – in der beschriebenen Rinne des alten Hochrheins – einen Floßkanal vom Rehbach bis zur Isenach östlich von Lambsheim anlegen. An der Querung der Chaussee von dem kleinen kurpfälzischen Städtchen Oggersheim zur Saline von Dürkheim (genannt „Philippshall“) wurde ein Holzstapelplatz angelegt, aus dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts sich der Ort Maxdorf entwickelte. Nach dem Anschluss des Floßbachs (oder Triftsbach) an die so verstärkte Isenach – die dann oft selbst Floßbach (oder auch Speyerbach) genannt wird – wurde das Bau- und Brennholz für Frankenthal zu dem Holzhof vor dem Speyerer Tor geflößt. Dieser Stapelplatz mit einer Fläche von zirka 230 mal 100 Metern reichte auf der Ostseite der Mahlastraße vom Zöllerring bis zur Frankenstraße.

Mit dem Bau der Ludwigsbahn von Ludwigshafen zum saarländischen Bexbach löste die Kohle das Holz als Brennstoff ab. Das leistungsfähigere Transportmittel Eisenbahn brachte die Flößerei zum Erliegen. Die Trasse der Lokalbahn zum Frankenthaler Kanalhafen zerteilte den Holzhof; das nördliche Drittel wurde in großzügig geschnittene Villengrundstücke aufgeteilt, auf der südlichen Teilfläche entstand der Jahnplatz mit der imposanten Jahnsporthalle und der geschlossenen Wohnbebauung Jahnplatz – Mahlastraße – Frankenstraße.

Die Serie

Ein Rosengarten in Frankenthal? Hat’s da tatsächlich betörend geduftet? Und was hat es mit der Kaiserhütte und dem Reichert-Garten auf sich? Auf den Spuren solcher „Lost Places“ ist Heimatforscher Karl-Heinz Kuhn. Der frühere Stadtplaner ist ein lebendes Lexikon Frankenthaler Naturgeschichte.

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