Frankenthal
Die Mutter aller Karten: Frankenthal im Jahr 1837
Von Karl-Heinz Kuhn
Einige historische Karten aus den ersten Jahren der Pfalz als bayerische Rheinprovinz zeigen im Umland von Frankenthal außer den Städten, Dörfern, Verkehrswegen und Fließgewässern auch die großen Gehöfte in der freien Landschaft. In der Rheinniederung östlich des Hochgestades wurden eingetragen und benannt: der Nonnenhof (Littersheimer Hof), der Hof Petersau, der Mörscher Au-Hof, der Hemshof (nördlich der Rheinschanze), aber auch der Siebenbauernhof, die Ziegelhütten an der Mörscher Straße, der Holzhof und eine Gerberei an der Isenach (südlich des Speierer Tores), das Canalhaus und das Schleusenhaus an der Ausmündung des Frankenthaler Kanals und die Sandhofer Fahrt am westlichen Rheinufer.
Ab den 1830er-Jahren ließ dann das Königreich Bayern von Offizieren des Generalstabs die erste topographisch exakte Vermessung der Pfalz durchführen. Das Sectionsblatt 26 „Frankenthal“ war die Grundlage aller späteren Kartendarstellungen der Umgebung von Frankenthal. Die Vermessung und kartografische Darstellung (Maßstab 1:25.000) war so genau, dass sogar die Einzelobjekte im Außenbereich – die auch benannt wurden – als kleine rote Punkte zu identifizieren sind.
Ziegelhütte und Sauerbrunnen
Auf der Frankenthaler Terrasse, am Bachlauf der Isenach, sind vor der von Wällen umgebenen Stadt die Gebäude im Reichertsgarten zu erkennen, die Gerberei Braunsberg, das Wärterhaus auf dem Holzhof und das Speyerer Tor, im Norden der Stadt das Wormser Tor, den neuen christlichen und den jüdischen Friedhof, die „Restauration Adamslust“ und die kleine Jakobskapelle.
Am Hochgestade ist südlich von Studernheim eine Ziegelhütte eingezeichnet, nördlich von Studernheim – am Mühlberg – ein Sauerbrunnen und nördlich der Stadt, auf der Nordseite der Mörscher Straße, die Sandkaut (heute Standort der Schiller-Schule) und zwei Ziegelhütten, einmal östlich der Sandkaut am Bildstock (Kreuzung des Pilgerpfades über die Mörscher Straße) und dann am Standort des späteren städtischen Schlachthauses.
Dokument des Beginns des technisch-industriellen Zeitalters
Im Auenbereich ist südlich der Kühweidstücker nahe am alten Kiesweg ein Haus, genannt Kaiserhütte verortet. Am Kanalhafen stehen das Zollhaus und ein Kran, nördlich des Hafenbeckens das Schießhaus und südlich der „Adamslust“ ist der Fuchsgraben, der später das Abwasser des Schlachthauses und der ersten städtischen Kläranlage aufnehmen wird, zu sehen. In der Mörschwörth, nördlich des Frankenthaler Kanals, war beim zweiten Rondell („Hohe Schließ“, Düker des Altrheingrabens) eine weitere Ziegelei, und am dritten Rondell („Schwarze Brücke“) das Fischerloch (oder Bleichloch) kartiert. Nördlich von Mörsch ist an der Mündung des Oggersheimer Altrheins in den Roxheimer Altrhein die „Hochbrück“ verzeichnet. Am Rhein wird nördlich des Trappenlochs und des Kreuzdeiches die Gewanne „Petersau“ vermerkt.
Der Sectionsplan 26 „Frankenthal“ dokumentiert auch den Beginn des technisch-industriellen Zeitalters. Der „Friesenheimer Durchstich“ im Zuge der „Rheinkorrektion“ ist zunächst erst als schmaler, geradliniger „Leitkanal“ dargestellt, denn der Rhein sollte sich zwischen den neuen Hauptdämmen durch seine Strömung sein Bett in voller Breite selbst schaffen. Auch die 1853 fertiggestellte Trasse der Bahnlinie Worms-Rheinschanze ist in dieser frühen topografischen Karte schon eingezeichnet. Im Wallfeld westlich der historischen Bebauung der Stadt Frankenthal wurde der Bahnhof vermerkt.
Die Grüneinfärbung der Wiesenflächen in den Auen zeichnet wunderbar die früheren Stromverläufe des Rheins nach, und durch Querschraffur ist auch das Hochgestade ablesbar. Die Wiesen und Gärten innerhalb des Festungsrings wurden blau eingefärbt und verdeutlichen so den Übergang der Frankenthaler Terrasse zur Rheinaue auch innerhalb der Stadt.


