Frankenthal
OB-Wahl: Wie die Kandidaten auf die RHEINPFALZ-Umfrage reagieren
Bernd Knöppel (CDU), der mit 21 Prozent in der Gunst der Befragten an der Spitze liegt, hat sich über das Ergebnis gefreut und will im Endspurt seine ganze Kraft einbringen, um die Unentschlossenen – mehr als ein Drittel – von seiner Person und seinem Programm zu überzeugen. „Die Bürger trauen uns zu, dass wir die Stadt voranbringen können“, sagte der amtierende Bürgermeister. Über die Stimmungslage in der Bevölkerung sei er sich nicht sicher, es gebe – bezogen auf seine Kandidatur – sowohl positive als auch negative Stimmen.
Er werde den Wahlkampf in der bisherigen Form fortsetzen und könne sich der Unterstützung durch sein Team sicher sein. In den nächsten Tagen werde er noch den einen oder anderen inhaltlichen Schwerpunkt setzen, kündigte Knöppel an, ohne konkreter zu werden. Mit Blick auf seine Mitbewerber habe er sowohl von Nicolas Meyer als auch Aylin Höppner ein starkes Ergebnis erwartet.
Meyer: Motiviert mich
„Das Ergebnis der Umfrage motiviert mich“, betonte Nicolas Meyer (FWG), der mit 18 Prozent am zweitbesten abgeschnitten hat. Dies sei zwar toll, aber wie jedes Stimmungsbild mit Vorsicht zu bewerten. Ihn hätte beispielsweise das Durchschnittsalter der Befragten interessiert. Er spüre im Dialog mit den Bürgern seit Wochen große Unterstützung für seine Person, das gemeinsame Programm und den Wunsch, dem „Weiter so“ ein Ende zu setzen.
Trotzdem wisse man nie genau, ob das Gefühl die tatsächliche Stimmungslage widerspiegele. „Insofern gibt mir die Umfrage sehr viel Energie für den Endspurt“, sagte Meyer. Für die letzten Wochen gelte, das Programm bekannter zu machen und viele Gespräche zu führen, um das Vertrauen in ihn und seine Vision für Frankenthal zu gewinnen. Wer positive Veränderung und einen Wechsel wolle, müsse vor allem wählen gehen.
Höppner: Sehr aufschlussreich
Sie sei nicht enttäuscht oder demotiviert, kommentierte die SPD-Bewerberin Aylin Höppner das Umfrageergebnis, bei dem ihr 16 Prozent das OB-Amt zutrauen. Für sie seien die Zahlen sehr aufschlussreich und dienten als Grundlage, „um in mancherlei Beziehung noch das Profil zu schärfen“. Dass sie bei der Führungsstärke nur auf 35 Prozent gekommen sei, habe sie im Hinblick auf ihre berufliche Vita schon ein wenig gewundert.
Dass nur 30 Prozent glaubten, sie könne Frankenthal nach vorne bringen, habe geschmerzt, bekannte Höppner. Auch könne sie sich nicht schlüssig erklären, dass sie mit einem Bekanntheitsgrad von 67 Prozent weniger Stimmen bekommen habe als Mitbewerber Meyer, den nur 51 Prozent der Befragten kennen. „Wir müssen jetzt noch etwas mehr Gas geben“, sagte die SPD-Frau, die die Resonanz im Wahlkampf als positiv bewertete und im Schlussspurt auf die Rückendeckung führender Parteifreunde aus der Region bauen kann.
Hebich: Angenehm überrascht
„Die sieben Prozent sind nicht unbedingt schlecht“, fand Amtsinhaber Martin Hebich, der am 25. Juni als Parteiloser ins Rennen geht. In diesem Ergebnis, über das er angenehm überrascht gewesen sei, zeige sich für ihn die Unentschlossenheit der Wähler. Es gebe keine klare Meinungsführerschaft. Für die Kandidaten bleibe noch einiges an Überzeugungsarbeit zu tun.
„Bei manchen habe ich schon mit etwas höheren Werten gerechnet“, sagte Hebich. Er selbst laufe als Außenseiter und wolle nicht „herausragend aktiv“ werden. „Wenn ich gefragt werde, gebe ich Antwort, wenn ich gewählt werde, stehe ich zur Verfügung.“ Er habe auch positive Rückmeldungen zu seiner Kandidatur erhalten. Martin Hebich räumte ein, dass er ein gewisses „Grundrauschen“ und bisweilen auch die Lust verspüre, „sich ins Getümmel zu stürzen.“
Pustlauck: Positive Momentaufnahme
Grünen-Bewerber Immanuel Pustlauck sieht sein Abschneiden bei der Umfrage mit nur zwei Prozent relativ gelassen. Es handele sich um eine vom Grundsatz her positive Momentaufnahme, bei der sich freilich – ohne Kaffeesatzleserei betreiben zu wollen – die Frage stelle, wie repräsentativ das Ergebnis sei. Dass es mit seinem Bekanntheitsgrad hapere, bewerte er nicht als besonders tragisch.
„Wir leisten an unserem Infostand in der Fußgängerzone gute Arbeit, sind ansprechbar und machen weiter wie bisher.“ Dass die Mitbewerber relativ dicht zusammenlägen, wundere ihn nicht. Den Wert von Martin Hebich halte er für interessant. Pustlauck machte keinen Hehl daraus, dass Robert Habeck seinen Wahlkampf derzeit nicht gerade befeuere und die Heizungsdebatte gegen ihn laufe. Seinen Humor hat der OB-Kandidat trotzdem nicht verloren. „Ich muss ja nicht unbedingt Erster werden, Zweiter reicht auch“, meinte er.
Alle Hintergründe, Analysen und Kandidaten-Interviews finden Sie im Live-Blog zur OB-Wahl Frankenthal.
