Jahresrückblick 2022
OB-Wahl: Drei Kandidaten und ein Rückzieher
Ende September geht Martin Hebich in die Offensive und sorgt für Klarheit in der Frage, ob er für eine zweite Amtszeit kandidiert. Der CDU-Oberbürgermeister – 2015 knapp gewählt und seit 2016 an der Verwaltungsspitze – hat sich „schon vor Längerem“, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagt, entschieden, zur Direktwahl Ende Juni 2023 nicht mehr antreten zu wollen.
Das Amt habe ihn täglich meist bis in die Nachtstunden gefordert – „bis an die Grenze der Belastbarkeit und darüber hinaus“, betont der 50 Jahre alte Hebich. Als Gründe für seine Entscheidung nennt der bis Ende kommenden Jahres amtierende OB auch „körperliche Alarmsignale“ und „persönliche Lebensumstände“. Er wolle sich insbesondere um den jüngeren seiner Söhne intensiver kümmern können. Sein Fazit: „Die Dauerbelastung hat Spuren hinterlassen.“
Hebich gibt sich selbstkritisch
Wie es für ihn nach dem Ausscheiden aus dem Spitzenamt weitergeht, lässt Hebich noch offen. Aber kündigt an: „Ich werde in den verbleibenden 15 Monaten meiner Amtszeit bis zum letzten Arbeitstag alles geben. Das dürfen die Bürger auch erwarten.“ Was die Chancen bei einer erneuten Kandidatur angeht, die seine Partei intern seit Längerem heiß diskutiert, gibt sich der OB selbstkritisch: Es wäre „sehr schwer gewesen“, sagt er.
Dem von der kommunalpolitischen Konkurrenz immer wieder formulierten Vorwurf, in Frankenthal habe sich während Hebichs Amtszeit wenig getan, hält er entgegen: Viel Grundlagenarbeit sei geleistet worden – Einzelhandelskonzept, Wohnraumbedarfsprognose, Gewerbeflächenentwicklung. Der Rathauschef nennt zudem die Ansiedlung von Amazon und die BASF-Projekte Zentrallager und Abfertigung Nord als Erfolge.
SPD prescht vor
Unabhängig von Hebichs Verlautbarung hat die SPD wenige Tage vorher den ersten Schritt in Sachen OB-Wahl gewagt und Aylin Höppner als ihre Kandidatin ins Spiel gebracht. Die 54-jährige Vorsitzende der Ratsfraktion wird bei einer Stadtverbandskonferenz ihrer Partei einstimmig nominiert. Die Genossen geben sich bei dieser Veranstaltung im Dathenushaus durchaus angriffslustig: Fraktionsvize Gunther Koch sagt, die SPD könne auf den Erfolgen bei jüngsten Landtags- und Bundestagswahlen aufbauen – „egal, mit welcher Notlösung die CDU antritt“.
Die Christdemokraten geben sich entspannt. Erst Ende Oktober lassen sie sich in die Karten schauen: Die Parteispitze setzt auf den 53-jährigen Bernd Knöppel als ihren OB-Kandidaten. Der Bürgermeister, 2016 gleichzeitig mit Martin Hebich in den Stadtvorstand gerückt, verkörpere Beständigkeit und Bürgernähe gleichermaßen, formuliert es CDU-Kreisvorsitzender Martin Svoboda. Am 10. November bekommt Knöppel beim Kreisparteitag im Donauschwabenhaus 80 Mal Ja – bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung. „Ideengeber, Organisator und Entscheider“, wolle er im Fall seiner Wahl sein.
Premiere für die FWG
Erstmals überhaupt in ihrer Geschichte wird die Freie Wählergruppe mit einem eigenen Bewerber bei einer OB-Wahl in Frankenthal antreten. Der Verwaltungsjurist Nicolas Meyer (42) – gebürtiger Münchner mit Pfälzer Wurzeln – traut sich das Amt zu. Er ist im Sommer 2022 als Beisitzer in den FWG-Vorstand gerückt und lebt seit vier Jahren in der Heimatstadt seiner Mutter. Die Unterstützung der als Verein organisierten Freien Wähler bekommt Meyer Mitte Oktober: Die fast 30 Mitglieder stimmen – bis auf eine Enthaltung – im Hotel Central geschlossen für ihn.
Kurz vor Jahresende kommen auch die Grünen in die Gänge: Vorstand und Ratsfraktion schlagen den Mitgliedern des Frankenthaler Kreisverbands für deren Versammlung am 13. Januar den 36 Jahre alten Elektroingenieur Immanuel Pustlauck vor.