Dirmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Friedhofsprojekt: Ein Platz für Trost und Austausch

Sabine Diehl und Markus Breivogel legen am neuen Gießkannentreff auf dem Dirmsteiner Friedhof letzte Hand an.
Sabine Diehl und Markus Breivogel legen am neuen Gießkannentreff auf dem Dirmsteiner Friedhof letzte Hand an.

Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern auch für Austausch und Gemeinschaft. Dafür soll in Dirmstein der Gießkannentreff entstehen.

Ein mit Steinen eingefasstes Rund, Lavendel und Ziergras, eine in der Erde versenkte Zinkwanne als Miniteich und in der Mitte eine Schwungliege zum Entspannen für zwei Personen. So präsentiert sich ein ehrenamtliches Bürgerprojekt auf dem Dirmsteiner Friedhof. Am Montag ist es fertig geworden, mit 2000 Euro von der Lokalen Aktionsgruppe der Leader-Region Rhein-Haardt finanziert.

Den neuen Sitzplatz haben die ehemalige Dirmsteiner Beigeordnete Sabine Diehl (Wählergruppe Initiative Dirmstein), ihr Mann, der Winzer Martin Schmitt, Landschaftsgärtner Markus Breivogel, Sigrid Gruß sowie Grit und Klaus Reifer geschaffen. Nötig waren gut 50 Arbeitsstunden und etwas Büroarbeit für die Dokumentation sowie den Antrag auf das Geld aus dem Leader-Förderprogramm der EU.

Austausch in schöner Atmosphäre

Trotz des Projektnamens Gießkannentreff hat der neue Platz hinter der Friedhofskapelle mit Gießkannen wenig zu tun. „Spontane Gespräche auf einem Friedhof entstehen häufig an den Wasserstellen beim Befüllen von Gießkannen“, erklärt Diehl. Dieser Austausch könne auch in schöner Atmosphäre an anderer Stelle stattfinden. Dazu gehört unter anderem eine Liegebank im Kinderweinberg.

Diehl und ihre Familie wissen, wie sich heftige Trauer anfühlt, wie schwer manche Tage sein können und wie viel Kraft es oft kostet, um bloß zu funktionieren und den Alltag zu bewältigen. Die Bank soll jedoch kein Ort sein, an dem ausschließlich über Trauer gesprochen wird. Sie dürfe auch ein Ort für Ruhe, Gedanken und Begegnungen sein, sagt die Dirmsteinerin. Gesprochen werden könne dort auch über das Leben, nicht nur über den Verlust.

Mancher Besucher skeptisch

Wichtig war den sechs Initiatoren, dass vom Fördergeld möglichst regionale Firmen profitieren. Die Pflanzen kamen beispielsweise von Blumen Koch in Dirmstein, die Bank von der Firma Bender aus Mertesheim. „Besonders berührt hat mich, dass zwei Mitarbeiter diese Friedhofsbank und die Ruhebank im Weinberg kostenlos in ihrer Freizeit aufgebaut haben, weil sie beide Projekte so gut fanden“, berichtet Diehl. Doch manche Besucher hätten in der Bauphase auch skeptisch geschaut. Eine Bank zum Liegen auf einem Friedhof erscheine wohl einigen nicht so passend.

Aus der Frage, was eigentlich mit den Grabsteinen aufgelöster Grabstätten geschieht, entstand im Laufe des Projekts eine weitere Idee. „Warum etwas entfernen, das noch Geschichten erzählen kann?“, sagt Diehl. Grabsteine erzählten vom Leben, seien Zeugnisse der Dorfgeschichte. In einem Blumenbeet sollen einige von ihnen erhalten bleiben.

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