Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Kita-Bewerbungsdesaster: Stadt strafft Verfahren

Nicht länger als drei Wochen soll Fachpersonal für Kitas künftig auf einen Vorstellungstermin warten, kündigt Oberbürgermeister
Nicht länger als drei Wochen soll Fachpersonal für Kitas künftig auf einen Vorstellungstermin warten, kündigt Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) an.

Der Fall einer Erzieherin, die nach ihrer Bewerbung wochenlang nichts von der Stadt Frankenthal hört und schließlich abspringt, hat eingeschlagen wie eine Bombe. Umständliche und zeitraubende Abläufe sollen jetzt umgestellt werden.

Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) bleibt im Stadtrat am Mittwoch nur die Flucht nach vorne: „Ja, das Ding ist schief gelaufen“, sagt er – und schließt nicht aus, dass es weitere Fälle gibt. Warum, das wird aus seinen detaillierten Schilderungen der bisher üblichen Abläufe bei Bewerbungen deutlich. Unterlagen werden von der Personalabteilung zwar schon vor Ablauf der Einsendefrist in die Fachabteilung weitergereicht, ohne deren Rückmeldung findet aber kein Kontakt mit Interessenten statt. Vorstellungsgespräche können nicht terminiert werden, weil entweder kein geeigneter Raum frei ist – oder einer der vielen Beteiligten keine Zeit hat. „Ich wundere mich, wenn bis in untere Entgeltgruppen Bereichs- und Abteilungsleiter dabei sein müssen“, sagt Hebich. In so genannten Massenverfahren finden monatlich Vorstellungsrunden statt. Doch im konkreten Fall sorgten Urlaub und Krankheit sowie der Umstand, dass das Rathaus zwischen den Jahren geschlossen war, dafür, dass im gesamten Januar keine Bewerber eingeladen wurden.

Die Erfahrung mit ihrer Bewerbung bei der Stadt Frankenthal, über die eine hoch qualifizierte Erzieherin in der RHEINPFALZ berichtete, konterkariere sämtliche Bemühungen der vergangenen Monate, beim Personalmanagement effektiver zu sein, kritisiert Grünen-Fraktionschef Gerhard Bruder. Bei den Sitzungen einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe zur Personalgewinnung im Kita-Bereich habe Linda Berg, Leiterin der Zentralen Dienste, die auch für Personalangelegenheiten verantwortlich sind, zweimal entschuldigt gefehlt, berichtet Ute Hatzfeld-Baumann (Grüne). „Da fehlt vielleicht auch die Wertigkeit“, sagt sie.

„Riesiger Imageschaden“

Der Imageschaden durch den Vorfall sei riesig, bemerkt der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Börstler. „Es ist doch nicht zu viel verlangt, mal eine E-Mail rauszuschicken“, kommentiert er das wochenlange Fehlen jeglicher Rückmeldung. Und auch die CDU mahnt Verbesserungen, etwa den Einsatz eines modernen Online-Bewerbungsverfahrens an und fordert, ein überarbeitetes Konzept für das Bewerbermanagement vorzulegen. Der Markt habe sich radikal geändert, Interessenten könnten aus etlichen Angeboten wählen, so Daniel Kühner (CDU).

„Das muss schneller und besser werden“, räumt der OB ein. Als Reaktion auf die massive Kritik seien jetzt einige Abläufe „gestrafft“ worden. Künftig sollten nicht mehr als drei Wochen Abstand zwischen Vorstellungsterminen sein, für Februar und die Folgemonate habe man bereits jeweils zwei bis drei Daten festgelegt, weitere sollten bei Bedarf folgen, kündigt Hebich an. Grundsätzlich geeignete Bewerber würden ohne Rücksprache mit der Abteilung zugelassen, Gesprächstermine direkt vereinbart. Bei Hospitationstagen sollen Erzieherinnen die Einrichtungen besuchen können, mit Initiativbewerbern wolle man Kennenlerntermine vereinbaren. Die Homepage soll neu strukturiert, Stellenangebote, die bisher nach laufender Nummer veröffentlicht werden, sollen besser auffindbar sein. Offene Posten sollen noch offensiver beworben werden, etwa durch Anzeigen in Printmedien und auf deren Onlineportalen.

Recruitingstelle unbesetzt

Personalratssitzungen fänden bereits jetzt wöchentlich statt. „Anderslautende Auskünfte sind falsch“, sagt Hebich und reagiert damit auf eine Schilderung von Hatzfeld-Baumann, wonach ein Gespräch für eine einfache Stelle in einer Kantine nicht zügig stattfand, weil auf Sitzungspausen von Stadtrat und Personalrat im Sommer verwiesen wurde.

Der OB wirbt aber auch für Verständnis für die Verwaltung, die selbst unter Fachkräftemangel leide. Unter anderem habe man eine neu geschaffene Stelle für Recruiting im ersten Anlauf nicht besetzen können.

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