Motorsport RHEINPFALZ Plus Artikel Marvin Dienst fährt die 1000 Kilometer von Paul Ricard

 Beim ersten Saisonrennen im April in Monza war das Toksport-Trio im Mercedes-AMG GT3 Evo zwischenzeitlich bis auf Position fünf
Beim ersten Saisonrennen im April in Monza war das Toksport-Trio im Mercedes-AMG GT3 Evo zwischenzeitlich bis auf Position fünf vorgefahren, ...

Mit dem zweiten Lauf im Endurance Cup der GT World Challenge Europe steht für Marvin Dienst im Mercedes-AMG GT3 Evo am Wochenende gleich ein echter Langstreckenklassiker auf dem Programm: das 1000-Kilometer-Rennen auf dem Circuit Paul Ricard im südfranzösischen Le Castellet. Und da sollen für sein Team Toksport WRT endlich Punkte her.

Dienst freut sich auf das Rennen, das er zum ersten Mal bestreitet und das am Samstag um 18 Uhr gestartet wird. Sechs Stunden wird die Hatz auf dem 5,8 Kilometer langen Rundkurs dauern. Es geht also in die Nacht hinein. Auf die Fahrer – jeweils drei teilen sich ein Cockpit – kommen Doppelstints zu. „Das ist Langstreckensport pur“, sagt der Lampertheimer, der seit vielen Jahren für das Team Schütz Motorsport aus Bobenheim-Roxheim in verschiedenen Serien ins Lenkrad greift.

Weil sein Stammteam in diesem Jahr im nationalen ADAC GT Masters pausiert, ist der 24-Jährige froh, dass er beim Team Toksport WRT aus der Eifel-Gemeinde Quiddelbach ein Cockpit ergattern konnte. Statt Sprintrennen stehen für ihn 2021 Langstreckenläufe auf dem Programm, und das europaweit.

Keine einfachen Kurven

Nun also die 1000 Kilometer von Paul Ricard: Rein rechnerisch sind das mehr als 333 Kilometer pro Fahrer. Bei einer gleichmäßigen Aufteilung muss jeder Pilot 58-mal durch die 15 Kurven des Rundkurses jagen. Die einzelnen Passagen bei jedem Umlauf auf die Zehntelsekunde gleich schnell zu durchfahren und keinen Fehler zu machen, erfordere schon ein gutes Konzentrationsvermögen, sagt Marvin Dienst.

Zumal die nach einem Spirituosenhersteller benannte Strecke in Südfrankreich mit einigen Besonderheiten aufwartet. Da ist zum einen die 1,6 Kilometer lange Mistral-Gerade. „An deren Ende haben wir 275 Stundenkilometer drauf, ehe es mit 240 Sachen in den folgenden Rechtsknick geht“, verrät der Pilot. „Es ist eine schnelle und technisch anspruchsvolle Strecke. Das liegt mir.“

Weil es praktisch keine einfachen Kurven gebe, sei man als Fahrer in jeder Runde voll gefordert: „Jeder Richtungswechsel besteht aus einer Abfolge von langgezogenen schnellen Kurven und engen Kehren – einfach bremsen, einlenken und wieder Gas geben, das gibt es da nicht.“

Prägnante Auslaufzonen

Prägnant sind die insgesamt 24 Hektar großen Auslaufzonen. Ein ausgeklügeltes System von aufeinanderfolgenden Asphaltstreifen ersetzt die sonst üblichen Kiesbetten. Unter anderem durch die Beimischung von Wolfram verfügen die blau- und rotgefärbten Streifen über unterschiedlich hohe Reibwerte, um die Autos auch aus hohen Geschwindigkeiten abzubremsen, ohne dass es zu Verletzungen des Fahrers und Beschädigungen am Fahrzeug kommt.

Die Rennstrecke zählt zu den modernsten der Welt. Sie hat aber auch ihre Tücken. „Weil man nicht im Kies stecken bleiben kann, neigen einige Piloten dazu, sehr risikoreich zu fahren. Dadurch können viele Unfälle passieren, insbesondere im Dunkeln“, weiß Dienst. Auf der anderen Seite gebe es viele Überholmanöver. „Schon im Training geht man mehr ans Limit als auf anderen Strecken“, erläutert der 24-Jährige, der sich das Cockpit im etwa 550 PS starken Toksport-Mercedes mit dem Kolumbianer Oscar Tunjo und dem Franzosen Paul Petit teilt.

Der Schnellste zum Schluss

Der Lampertheimer geht davon aus, dass er als erfahrenster Pilot des Trios in der dritten und sechsten Rennstunde im Auto sitzen wird. „Wie wir uns genau aufteilen, machen wir von den Zeiten im Training und Qualifying abhängig.“ Weil in der Endphase von Langstreckenrennen immer mit Attacken und Safetycarphasen zu rechnen sei, übernehme meist der schnellste Pilot den Schlussstint.

Nach dem durchwachsenen Auftakt beim Drei-Stunden-Rennen Mitte April in Monza will sich Toksport keine weitere Nullnummer leisten. Obwohl die Truppe zwischenzeitlich auf Position fünf vorgefahren war, sprang dort am Ende nur Platz 20 heraus. Eine Durchfahrtsstrafe nach einem von den Rennkommissaren beanstandeten Überholmanöver von Tunjo und Probleme im Regen warfen das Team zurück.

Ferrari in der Favoritenrolle

Die Ambitionen sind hoch: Nach der Vizemeisterschaft im vergangenen Jahr will Toksport auch 2021 um den Titel kämpfen. „Wir müssen jetzt beweisen, dass wir das Zeug dazu haben“, betont Dienst. „Am Samstag wollen wir auf jeden Fall vorne reinfahren. Daher sollten wir uns möglichst aus allem raushalten und vor allem keine Strafe riskieren.“

Dass sie in Le Castellet um den Laufsieg kämpfen können, das erwartet Dienst jedoch nicht. Als Favoriten in dem 45 GT3-Boliden umfassenden Starterfeld sieht er vor allem die Ferrari-Teams. Der Mercedes sei wegen seiner ausgeglichenen Fahrzeugbalance zwar gut gerüstet für die anspruchsvollen Kurvenkombinationen. „Uns fehlt auf der langen Mistral-Geraden aber etwas Topspeed“, sagt Marvin Dienst. Deshalb glaubt er auch, dass die Bentleys und BMWs am Wochenende etwas reißen könnten.

Für den 24-Jährigen ist es die erste Saison in der renommierten GT World Challenge Europe. Das Championat, das bis 2019 nach dem Schweizer Uhrenhersteller und Hauptsponsor unter dem Namen Blancpain-GT-Series lief, ist in einen Sprint- und einen Endurance (Langstrecken)-Cup unterteilt. In beiden Wettbewerben setzt Diensts Team Toksport WRT Autos von Mercedes ein.

Im Netz

Die Rennaction aus Südfrankreich wird per Livestream auf der Videoplattform Youtube übertragen.

 ... hatte dann aber Pech im Regen.
... hatte dann aber Pech im Regen.
 Freut sich auf Le Castellet: Marvin Dienst.
Freut sich auf Le Castellet: Marvin Dienst.
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