Motorsport
Team Schütz konzentriert sich auf Kundensportserien
Die beiden Rennen hat Christian Schütz im Fernsehen verfolgt. Und ja, in den Fingern habe es schon gejuckt, als sich die knapp 30 Supersportwagen am Samstag nach der Einführungsrunde auf der Geraden für das erste Rennen formiert haben und die Ampel auf Grün gesprungen ist. Normalerweise hätte der Teamchef zu diesem Zeitpunkt hochkonzentriert am Kommandostand gesessen, hätte kurz die Luft angehalten und darauf gehofft, dass es sein Fahrer mit dem Auto im Startgetümmel unbeschadet durch die ersten Kurven schafft. Zu Hause auf dem Sofa sei ein Rennen natürlich viel entspannter anzuschauen, sagt Schütz und lacht.
Der rote Mercedes-AMG GT3, den die Bobenheim-Roxheimer in den vergangenen beiden Jahren im ADAC GT Masters eingesetzt haben, steht unterdessen ohne einen Kratzer in der heimischen Werkstatt. „Wir haben uns dazu entschieden, in diesem Jahr auszusetzen“, erklärt Schütz. Gleiches gelte für die Rahmenserie ADAC GT4 Germany. Schon 2020 musste der Teamchef bis wenige Tage vor dem Saisonstart bangen, ob er das erforderliche Budget für das GT Masters zusammenbekommt. Im inzwischen zweiten Jahr der Corona-Pandemie sei die Suche nach Sponsoren nicht einfacher geworden.
Schwierige Doppelbelastung
Ein weiterer Grund für die Pause: Als kleines Team sei es schwierig, das Engagement im professionellen Sport mit dem Hauptgeschäft, dem Kundensport, zu verbinden. Zumal es auch immer mal wieder Terminüberschneidungen gebe und dann zwei Teams gebildet werden müssten, um in der „Liga der Supersportwagen“ gut aufgestellt zu sein und parallel auf einer anderen Rennstrecke die eigenen Kunden zu betreuen. „Das war in den vergangenen beiden Jahren organisatorisch schon schwierig“, räumt Schütz ein. Zumal alle Autos vor den Rennen auf ihren Einsatz vorbereitet werden müssten. „Unter der Woche haben wir ja noch das normale Werkstattgeschäft.“
In diesem Jahr gilt also die volle Aufmerksamkeit den (zahlenden) Kunden. Die fahren in unterschiedlichen Klassen im Porsche Sports Cup, im Gran Turismo Cup (GTC Race) und in der Serie Goodyear 60. Dort bekommen die sogenannten Gentlemanfahrer von den Bobenheim-Roxheimern an den Rennwochenenden einen Rundumservice. Das Team kümmert sich um alles Organisatorische, transportiert die Fahrzeuge samt Ausrüstung und Ersatzteilen an die Strecke und sorgt für das Catering. „Vor Ort stellen wir die Boxencrew und erledigen alle nötigen Wartungs- und Reparaturarbeiten“, berichtet Schütz. „Außerdem coachen wir unsere Fahrer und machen mit ihnen eine Daten- und Videoanalyse.“
Perfekter Vatertag
Die Bobenheim-Roxheimer kümmern sich dabei um Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller, hauptsächlich der Marken Mercedes und Porsche. Auch der rote Mercedes-AMG GT3 aus dem GT Masters sowie der Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport und der Mercedes-AMG GT4, die im vergangenen Jahr in der Serie ADAC GT4 Germany fuhren, werden in den Kundensport-Serien eingesetzt.
Bei einem ausgiebigen Testtag am vergangenen Donnerstag auf dem Hockenheimring haben sich alle schon mal auf die neue Saison eingestellt. Chef Christian Schütz spricht von einem „perfekten Vatertag“, auch wenn sich der ein oder andere erst wieder an die Ideallinie und die Rennpace herantasten müsse. Froh ist er darüber, dass die Motorsportsaison diesmal wieder im Sommerhalbjahr über die Bühne gehen kann. 2020 begannen die Serien nach dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr erst in der zweiten Jahreshälfte und liefen bis weit in den Herbst hinein. „Da hatten wir einige Rennen bei kalter und nasser Witterung. Das war für unsere Gentlemanfahrer zum Teil schon grenzwertig.“
Mögliche Rückkehr 2022
Einer, der die Pause im GT Masters natürlich bedauert, ist Stammfahrer Marvin Dienst. „Wir hatten im vergangenen Jahr eine gute Saison mit dem Laufsieg am Sachsenring als Höhepunkt. Von den Erfahrungen hätten wir jetzt sicherlich profitieren können“, meint der Lampertheimer, der sich in diesem Jahr nicht auf der ganz großen nationalen GT3-Bühne zeigen kann. Der 24-Jährige ist froh darüber, dass er beim Team Toksport WRT (Quiddelbach) ein Cockpit im Endurance Cup der Serie GT World Challenge Europe ergattert hat, in der am letzten Mai-Wochenende auf dem Circuit Paul Ricard in Südfrankreich das nächste Rennen ansteht. Doch auch der Schütz-Truppe bleibt er verbunden, unterstützt die Gentlemanfahrer der Bobenheim-Roxheimer im Kundensport.
Sowohl Dienst als auch Christian Schütz hoffen darauf, dass die Truppe im kommenden Jahr wieder im GT Masters starten kann. Vor drei Jahren hatte das Team ja schon einmal pausiert und ist wiedergekommen. Und dann wird der Teamchef beim ersten Start in Oschersleben am Kommandostart auch wieder für einen kurzen Moment die Luft anhalten und bangen, dass sein Fahrer und Auto heil durch die ersten Kurven kommen.