Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Malteser-Chef Baumann: „Schnelltests kosten den Staat richtig viel Geld“

Ob der Wegfall kostenloser Testmöglichkeiten mehr Menschen von einer Corona-Schutzimpfung überzeugt, ist eine der Fragen, die de
Ob der Wegfall kostenloser Testmöglichkeiten mehr Menschen von einer Corona-Schutzimpfung überzeugt, ist eine der Fragen, die derzeit diskutiert werden.

Ab Oktober soll es – mit bestimmten Ausnahmen – keine kostenlosen Antigen-Schnelltests mehr geben. Was bedeutet das für die Betreiber der Testzentren? Die RHEINPFALZ hat bei Michael Baumann, Stadtbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes, nachgefragt. Er hofft auf einen positiven Effekt in der Pandemie-Bekämpfung.

Herr Baumann, das Ende der kostenlosen Bürgertests deutet sich an. Wie bewerten Sie diesen Schritt, den Bund und Länder beschlossen haben?
Einerseits gibt es gute Gründe für diese Entscheidung. Die kostenlosen Schnelltests sind eingeführt worden, als viele Leute auf die Bundesregierung geschimpft und Lockerungen für die unterschiedlichsten Lebensbereiche gefordert hatten. Zu diesem Zeitpunkt wirkte es so, als ob 80 Millionen Deutsche am liebsten sofort gegen das Coronavirus geimpft werden möchten. Jetzt haben wir genügend Impfstoff, und offenbar immer weniger Menschen wollen ihn haben. Insofern unterstützt es dieses Phänomen der Impfträgheit vielleicht sogar, wenn solche Tests den Probanden weiterhin nichts kosten. Da hilft es unter Umständen nichts, dass die Schwelle zur Impfung mit allen Erleichterungen drumherum so niedrig ist wie noch nie. Und es gibt einen weiteren Punkt, der für die jetzt getroffene Entscheidung spricht: Diese Schnelltests kosten den Staat ja auch richtig viel Geld.

Und andererseits?
Es gibt auch andere Themen wie beispielsweise das Rauchen, bei denen die Allgemeinheit Folgekosten trägt - obwohl das Verhalten Einzelner oder auch einer Gruppe nicht direkt die eigene Gesundheit fördert beziehungsweise die Gesundheit anderer gefährdet. Für uns als Betreiber eines Testzentrums gibt es aber noch einen weiteren Aspekt: nämlich den wirtschaftlichen. Wir konnten unser Seniorenbegegnungszentrum Villa Malta, wo wir während der Pandemie lange nicht unser gewohntes Programm anbieten konnten, aber hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigen, fürs Testen nutzen und mit den Einnahmen ein Stück weit die Vereinskasse der Malteser Frankenthal stützen.

Welche Auswirkung kann die zwischen der Kanzlerin und den Länderchefs vereinbarte Lösung für Ihr Testzentrum bedeuten?
Geklärt ist damit vor allem die Frage: Wo, wofür und für wen werden Tests noch gebraucht? Angesichts der aktuell wieder sehr hohen Sieben-Tage-Inzidenz in Frankenthal gehe ich zunächst einmal von einer deutlich steigenden Nachfrage bei den Schnelltests aus. Natürlich ist noch völlig offen, mit welchen Infektionszahlen wir es im Herbst zu tun haben werden. Es wird auch darauf ankommen, ob Bürger bereit sind, für einen Test den einen oder anderen Euro zu bezahlen. Bis dato war die Resonanz nicht nur bei uns kontinuierlich zurückgegangen, weil die Schnelltests in vielen Bereichen nicht mehr gebraucht wurden. Das ist nun anders. Möglicherweise motiviert es manchen, sich bis Oktober noch immunisieren zu lassen. Für den vollen Impfschutz würde es ja noch knapp reichen.

Die jetzt anstehenden Veränderungen sind ein guter Zeitpunkt für eine Zwischenbilanz. Was hat es denn aus Ihrer Sicht gebracht, das große Testen?
Zunächst einmal hat es ja doch Möglichkeiten für Lockerungen eröffnet, die zu dieser Zeit sehr vehement gefordert wurden. Vor diesem Hintergrund, fand ich, war der kostenlose Bürgertest richtig und zugleich ein wichtiges Signal an die Bürger. Ein anderer Punkt: Diejenigen, die ins Schnelltestzentrum kommen, haben in der Regel keine Symptome. Wer typische Anzeichen für eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus feststellt, geht ja doch eher zum Arzt. Insofern haben die Testzentren schon dazu beigetragen, Leute herauszufiltern, die ohne jede Beschwerden waren und so möglicherweise viele andere angesteckt hätten.

Vor drei Wochen haben in Rheinland-Pfalz die Sommerferien begonnen. Hat sich das – beispielsweise in Form von Reiserückkehrern oder Leuten, die das Negativzertifikat anderswo zur Einreise brauchen – in Ihrem Testzentrum bemerkbar gemacht?
Das kann ich mir kaum vorstellen. Frankenthal liegt ja nicht besonders grenznah. Ich nehme an, dass das in anderen Gebieten ein größeres Thema ist. Außerdem fragen wir die Leute ja nicht systematisch ab, warum sie zum Testen zu uns kommen. Das dürfen wir auch gar nicht.

Wie viele Abstriche sind in der August-Bebel-Straße seit dem Start im Mai genommen worden?
Insgesamt haben wir rund 2400 Abstriche für Antigen-Schnelltests und PCR-Tests gemacht – die meisten davon im Juni mit 938.

Die Tests für die genauere Analyse nach dem PCR-Verfahren sind im Juni dazugekommen.
Genau. Aber wir haben diese Tests nur für angeordnete Fälle gemacht, in denen ein positives Ergebnis beim Schnelltest vorausgegangen war. Das Angebot galt nicht für Selbstzahler oder beispielsweise für Urlaubsreisen. Interview: Jörg Schmihing

Rund 2400 Abstriche haben die Malteser genommen, berichtet Stadtbeauftragter Michael Baumann.
Rund 2400 Abstriche haben die Malteser genommen, berichtet Stadtbeauftragter Michael Baumann.
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