Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Linienverkehr: Firma Dürk setzt auf Fahrer aus Spanien

15 der 30 Busfahrer, die Bernhard Dürk für Frankenthal braucht, möchte er in Spanien rekrutieren. Derzeit finden Testfahrten mit
15 der 30 Busfahrer, die Bernhard Dürk für Frankenthal braucht, möchte er in Spanien rekrutieren. Derzeit finden Testfahrten mit den Bewerbern statt.

Wer im Januar in einen der Busse steigt, mit denen Bernhard Dürk ab dann den Frankenthaler Linienverkehr übernimmt, dem könnte etwas spanisch vorkommen: der Fahrer. Der Chef des Unternehmens mit Sitz in Studernheim will, weil er am hiesigen Markt kaum Kräfte findet, Mitarbeiter aus Spanien ans Lenkrad setzen.

„Wir haben bundesweit einen deutlichen Mangel an Busfahrern“, weiß Dürk, der sich auch im Vorstand von Branchenverbänden engagiert. Der Hauptgrund aus seiner Sicht: die Kosten für den Erwerb des für den Personentransport notwendigen Führerscheins. In Deutschland liegen die nach seiner Darstellung mit rund 10.000 Euro mehr als doppelt so hoch wie in Österreich (4500 Euro) und zehnmal so hoch wie in Spanien (1000 Euro) – bei vergleichbarem Ausbildungsniveau.

Dürk beklagt fehlende Unterstützung

Obwohl es seinem Empfinden nach genügend Leute in der Region gebe, hat Dürk Folgendes schon mehrfach erlebt: Leute stellten sich vor, machten sogar einen Anstellungsvertrag und treten dann trotzdem ihren Dienst nicht an. Er würde sich bei der Suche nach Berufskraftfahrern auch mehr Unterstützung beispielsweise von der Arbeitsagentur wünschen. „Man könnte ja mal über das Amt Kandidaten einladen und gemeinsam den Beruf präsentieren. Da passiert zu wenig“, findet der Chef des Unternehmens, das in Studernheim sitzt und von einem Betriebshof in Ruchheim operiert.

Aus diesen Gründen hat er sich für einen anderen Weg entschieden: Über eine Agentur sucht sich Bernhard Dürk nun zumindest einen Teil der Fahrer, die er für den Linienverkehr in Frankenthal braucht, in Spanien. 60 Bewerber wird er sich - verteilt auf mehrere Termine – anschauen. „Mit jedem Einzelnen führe ich ein Gespräch und mache eine Testfahrt“, sagt der Bus- und Reiseunternehmer. Die aus seiner Sicht besten der Kandidaten sollen dann Deutschkurse bekommen und werden ab Anfang/Mitte Dezember fitgemacht für den Job in Frankenthal.

Chef hofft auf verständnisvolle Fahrgäste

Er hofft auf das Verständnis der Fahrgäste, wenn die Chauffeure aus Südeuropa am Anfang den Nahverkehrsnutzern noch nicht alle Fragen beantworten können. Dürk ist aber überzeugt: „Das wird sich schnell einspielen.“ Kurioserweise kommen viele der Bewerber von der Urlaubsinsel Mallorca, wo der Tourismus infolge der Corona-Pandemie gerade harte Zeiten durchmacht. Dürk fühlt sich ein bisschen an die 50er- und 60er-Jahre erinnert, als auch sein Vater Gastarbeiter aus Spanien in die Pfalz geholt habe.

Bezahlt werden die spanischen Busfahrer wie ihre deutschen Kollege nach Tarif, versichert Dürk. Um ihnen Unterkünfte zu besorgen, will er sein Netzwerk nutzen – beispielsweise um „fürs Erste“ Zimmer bei Landwirten zu organisieren oder Häuser, in denen die Männer dann gemeinsam wohnen können.

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