Heuchelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ärger um Schulbus: „Es kommt fast täglich zu massiven Problemen“

Erstklässler in einem Bus. Zum Schulanfang kommt es vielerorts zu Beschwerden über den Schülertransport.
Erstklässler in einem Bus. Zum Schulanfang kommt es vielerorts zu Beschwerden über den Schülertransport.

Seit Wochen klagen Eltern aus Heuchelheim über Verspätungen, Gefahren an der Haltestelle und das Verhalten einzelner Busfahrer. Was Eltern zu raten ist.

„Es kommt fast täglich zu massiven Problemen“, berichtet Stefanie Baumbauer, deren Kind die Buslinie 462 nutzt, die zwischen Frankenthal und Bobenheim-Roxheim verkehrt. Besonders betroffen sei die Fahrt um 7.43 Uhr, die zahlreiche Heuchelheimer Kinder zur Schule nach Beindersheim bringen soll. Laut ihrer Schilderung hält der Bus häufig nicht korrekt an. „Dabei kam es bereits zu Stürzen und Verletzungen“, sagt sie. Oliver Flohn, Vater einer Erstklässlerin, bestätigt die Vorfälle. „Die Busse halten oft nicht an der barrierefrei ausgebauten Haltestelle.“ Das sei gerade für die Kleinsten sehr gefährlich, meint er. Seine Tochter sei beim Einsteigen gestürzt, „glücklicherweise ohne schwere Folgen“.

Busfahrer sollen Kinder angeschrien haben

Ende September sei der Bus erst nach 8 Uhr erschienen – zu spät, um den Unterrichtsbeginn um 7.55 Uhr zu schaffen. Mehrere Eltern berichten zudem, dass Busfahrer nicht ortskundig seien, Kinder anschrien oder unfreundlich auf Nachfragen reagierten. Das Auftreten der Fahrer habe dazu geführt, „dass Kinder geweint haben oder sehr verunsichert sind“, so Flohn. Seine Forderung: „Wir wollen, dass die Fahrzeiten überprüft und angepasst werden.“

Mehrfach hat sich Daniel Guddat, Vater zweier Kinder, nach eigenen Angaben beim Busunternehmen Dürk Reisen beschwert, bislang ohne Erfolg. Der Kontakt sei ausschließlich per E-Mail erfolgt. „Wir bekommen immer nur standardisierte Antworten“, sagt er. Als Gründe seien ihm „Personalmangel und die schwierige Integration neuer Fahrer“ genannt worden.

„Jugendliche rauchen im Bus, Fahrer tut nichts“

Nach sechs Jahren Schulzeit seiner Kinder habe die Situation „einen Höhepunkt erreicht“, sagt er. „Bei Verspätung fährt der Bus zu schnell und schließt die Türen zu hastig“, berichtet Guddat. Seine neunjährige Tochter sei dabei schon einmal eingeklemmt worden. Auch sie beschreibt die Busfahrer als „aggressiv und unhöflich“. Manche Kinder seien stehen gelassen worden, weil sie ihr Ticket nicht schnell genug hätten vorzeigen können. Guddat kritisiert außerdem: „Jugendliche rauchen im Bus, aber der Fahrer unternimmt nichts.“

Der Inhaber des Busunternehmens Dürk Reisen, das die Linie 462 betreibt, sagt, man nehme die Vorwürfe ernst. Jedoch könne er auf die geschilderten Situationen ohne weiteren Kontext nicht eingehen, so Bernhard Dürk. „Wir machen insgesamt einen sehr guten Job.“ Seine Fahrer stünden unter erheblichem Druck. „Gerade in der morgendlichen Hauptverkehrszeit sind die geplanten Abfahrtszeiten oft nicht exakt einzuhalten“. Das liege an der Verkehrssituation, „nicht an unseren Mitarbeitern“. Fahrplananpassungen seien da aufgrund der engen Verflechtungen und schwerwiegenden Auswirkungen auf das gesamte Busnetz nicht möglich.

Busunternehmer: „Gehe der Sache persönlich nach“

Dürk weist auf den Personalmangel in der gesamten Branche hin. „Es ist sehr schwer, Fahrer zu finden, aber alle unsere Mitarbeiter werden eingelernt“, versichert er. Eltern bittet er um konkrete Hinweise, wenn es zu Problemen komme. „Wir können nur reagieren, wenn wir genau wissen, wann und wo etwas passiert ist.“ Ideal seien Angaben zu Abfahrtszeit, Kennzeichen und Fahrtnummer. „Dann gehe ich der Sache persönlich nach“, versichert der Unternehmer.

Was die Fahrkartenkontrolle betrifft, sagt Dürk: „Kinder müssen im Besitz einer gültigen Fahrkarte sein. Das ist die Regel.“ In Heuchelheim seien die Erwartungen allerdings „sehr hoch, oft ohne Einsicht.“ Einen Spielraum, auf Ticketkontrollen zu verzichten, gebe es nicht.

Die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises verfolgt die Situation aufmerksam. Bernd Baginski, Nahverkehrsplaner beim Kreis, erklärt: „Wir sind als Auftraggeber für den Busverkehr verantwortlich und wollen uns dieser Verantwortung nicht entziehen.“ Man stehe im Austausch mit dem Unternehmen Dürk und erwarte eine Entspannung der Lage, sobald die Baustelle am Autobahnkreuz Frankenthal voraussichtlich im Dezember beendet sei. Diese beeinträchtige derzeit die vorherige Fahrt des Busses und ist laut Dürk ein wesentlicher Grund für die Verspätungen.

Fahrkartenkontrolle als Kern der Probleme?

Baginski sieht die Ursache der aufgeheizten Stimmung unter den Eltern in den unterschiedlichen Erwartungen: „Nach den Regeln des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) dürfen Busfahrer Fahrgäste nur vorne einsteigen lassen und müssen die Fahrkarten kontrollieren“, sagt er. Viele Eltern wünschten sich jedoch eine lockerere Handhabung bei Grundschülern. „Das ist aus meiner Sicht der Kern der Konflikte zwischen Eltern, Busfahrern und Unternehmen“, so Baginski.

Wichtig sei der Kreisverwaltung, dass Eltern konkrete und nachvollziehbare Beschwerden mit genauen Zeitangaben einreichen, um Vorfälle prüfen zu können. „Wir nehmen jede Beschwerde ernst“, betont Baginski. „Ich bin die Strecke selbst schon zweimal mitgefahren und konnte die geschilderten Zustände in dieser Form nicht bestätigen.“

Die Situation sei typisch für den Beginn eines neuen Schuljahres, meint er. Baginski appelliert an Eltern und Fahrpersonal gleichermaßen, „mit Einsicht und gegenseitigem Verständnis“ zur Entspannung beizutragen. Sicherheit habe aber höchste Priorität: „Wir erwarten von allen Unternehmen regelmäßige Fahrerschulungen. In der Gesamtschau fällt die Firma Dürk im Rhein-Pfalz-Kreis bislang nicht negativ auf.“ Auch in der Kommunikation mit dem Busunternehmen hat Baginski nach eigenen Angaben stets „positive Erfahrungen“ gemacht.

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