Frankenthal Landwirtschaft im Wandel: Herausforderungen für Stefan Best aus Flomersheim
Auf den rund 100 Hektar Ackerfläche, drei Viertel davon liegen auf Flomersheim Gemarkung, werden Zwiebeln, Brotgetreide und Braugerste angebaut, sowie als wichtigstes Erzeugnis Kartoffeln. Vermarktet werden sie über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH), sprich: Das Gemüse landet in den Theken der Supermärkte. Ein Teil des Betriebs, den Stefan Best in der vierten Generation führt, wurde bis 2014 biologisch bewirtschaftet. Dieser Zweig wurde aufgegeben, da beim Beseitigen des Unkrauts immer mehr Aufwand betrieben werden musste. Sinkende Erträge und steigender Schädlingsbefall sorgten für weitere Einbußen. Hinzu kam, dass der Lebensmitteleinzelhandel nur noch Bioware von Verbandsmitgliedern, wie etwa Bioland, akzeptierte, die zu hundert Prozent Bioware anbauen.
Mehrere Gründe erschweren die Arbeit eines Landwirts, erklärt Best. Angefangen von den Endverbrauchern, die hauptsächlich auf den Preis schauten, bis zu den hohen Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels. So verlange beispielsweise jede Kette (Edeka, Lidl, Aldi etc.) eigene Lieferantenerklärungen, die versichern, dass bestimmte Wirkstoffe beim Düngen und der Schädlingsbekämpfung nicht eingesetzt werden. Nur ein Drittel der gesetzlichen Höchstwerte werde toleriert. Ein sinnvolles Management bei der Kulturpflege sei daher annähernd unmöglich. Nur 25 Prozent des Ladenverkaufspreises erhalte übrigens der Erzeuger.
Der Klimawandel macht sich bemerkbar
Die Ernteerfolge waren 2024 unterschiedlich. Zwar gab es wenig Bewässerungsaufwand, es regnete verhältnismäßig viel, dafür erforderte die Nässe mehr Arbeit, „um pilzliche Krankheitserreger, falschen Mehltau oder Kraut- und Knollenfäule zu vermeiden“, wie Best berichtet. Qualität und Menge der Kartoffelernte waren gut. Staunässe und Überschwemmung von Teilflächen, damit verbundene Pilzkrankheiten, führten zu einer enttäuschenden Erntemenge bei den Zwiebeln, sagt Stefan Best.
„Der Klimawandel ist deutlich spürbar, er bringt unter anderem neue Schadstofforganismen wie Schilfglas- oder Windenglasflügelzikaden, die den Kartoffelanbau bedrohen“, bedauert er. Zudem mutierten jedes Jahr pilzliche Krankheitserreger, die wesentlich aggressiver seien als noch vor zehn bis 15 Jahren. Viele Wirkstoffe verloren die Zulassung, wenig neue würden zugelassen. „Das ist sozusagen Bio durch die Hintertür“, betont er. Hinzu komme die steigende Bürokratie. Unverständlich sei für ihn zudem, dass die Nitratbelastung des Grundwassers vor allem der Landwirtschaft zugeschrieben werde, obwohl beispielsweise eine große Anzahl alter Abwasserrohre aus Ton Wasser abgebe, das unkontrolliert ins Grundwasser sickern könne.
Die Politiker beteuerten, dass sie hinter der Landwirtschaft stehen, doch jede neue Regel oder Gesetzgebung erschwere die Arbeit. Daher würden Berufskollegen ohne Nachfolger lieber ihren Hof aufgeben und letztlich wohl nur „industrielle“ Großbetriebe übrig bleiben, befürchtet er. Durch Importe, die selten gleiche Qualitätsstandards hätten wie in Deutschland, werde die Vermarktung der hiesigen Produkte nicht leichter. Stetig steigende Mindestlöhne für Erntehelfer ohne festen Wohnsitz in Deutschland seien für die ganze Branche ein Problem, denn dies bedeute Wettbewerbsnachteile gegenüber Importen. Überspitzt formuliert: „Wir retten auf unseren Feldern das Klima durch Blühwiesen und werden vom Ausland mit Lebensmitteln versorgt.“
In den Wintermonaten ist es für einen Landwirt ruhiger, aber Wartungs- und Pflegearbeiten an Maschinen sowie Infoveranstaltungen und Weiterbildungen stünden an. Der Familienbetrieb wird durch Saisonarbeitskräfte unterstützt. Vor allem beim Bestellen und Ernten der Kartoffeln, sowie für händische Pflegearbeiten, wie die Bekämpfung von Beikräutern. Motivierte Mitarbeiter zu finden werde schwieriger, wenn langjährige, zuverlässige altersbedingt aufhörten. Maschinelle Unterstützung ermögliche Landwirten heute etwas mehr Freizeit, die ihm für seine Frau Anna-Lena (30) und die beiden Söhne (fünf und zwei Jahre) wichtig sei.
Die Landwirtschaft begeistert Stefan Best trotz mancher Stolpersteine, „denn jede Jahreszeit hat andere Herausforderungen und ich freue mich, weiterführen zu können, was Generationen vor mir schufen, mit viel Fleiß, Schweiß und Herzblut. Die Arbeit fühlt sich einfach richtig an“, lautet sein Fazit.