Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Landtagswahl 2021: Demokratie daheim

15 Briefwahlbezirke hatte die Stadtverwaltung für die Landtagswahl gebildet. Ausgezählt wurden sie alle im Congress-Forum.
15 Briefwahlbezirke hatte die Stadtverwaltung für die Landtagswahl gebildet. Ausgezählt wurden sie alle im Congress-Forum.

Baldauf deutlich vor Haller, CDU knapp vor SPD – also alles wie (fast) immer bei Landtagswahlen in Frankenthal? Nicht ganz. Es gibt eine große Verliererin und einen großen Gewinner. Und einen sehr deutlichen Corona-Effekt.

Wie hat die Corona-Pandemie die Wahl in Frankenthal beeinflusst?
Schwer zu sagen. Welche Themen im Zusammenhang mit dem Virus die Wahlentscheidung mancher Frankenthaler beeinflusst haben könnten, darüber kann man trefflich spekulieren. Fakt ist: Corona hat zum einen den Anteil der Briefwähler mit rund 56 Prozent an den abgegebenen und gültigen Stimmen auf einen neuen Rekordwert getrieben. Und zum anderen dürfte die Furcht vor einer Infektion viele letztlich davon abgehalten haben, überhaupt den Weg ins Wahllokal anzutreten. Die Wahlbeteiligung liegt in der Stadt bei rund 60 Prozent – gegenüber 2016 ein Rückgang um gute sechs Punkte.

Lohnt angesichts dessen ein genauer Blick auf die einzelnen Stimmbezirke der Stadt?
Eigentlich nicht. Denn: Schaut man sich die einzelnen Resultate an, wird klar, dass beispielsweise im Vorort Flomersheim mit seinen beiden Stimmbezirken in der Grundschule noch nicht einmal ein Viertel der Wahlberechtigten überhaupt direkt vor Ort gewählt hat. Anders als beispielsweise in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, wo Briefwahlstimmen vor dem Auszählen den einzelnen Ortsgemeinden zugeordnet werden, passiert das in der Stadt nicht. Die Stimmen der Briefwähler werden hier als Ergebnisse eigener Bezirke veröffentlicht, die mit dem Zuschnitt der Ortsbezirke nichts zu tun haben.

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Ein Schluss ist trotzdem möglich: Vor allem die CDU-Wähler haben von der Abstimmung per Post Gebrauch gemacht. Elf ihrer 15 stärksten Stimmbezirke sind reine Briefwahlbezirke. Bei der SPD trifft das immerhin noch auf acht Bezirke zu. Zum Vergleich: Die AfD hat bei den Briefwählern ihre schwächsten Werte eingefahren. Im Umkehrschluss: Vor allem die Christdemokraten haben es nicht geschafft, ihre Leute am Wahltag selbst noch zu mobilisieren. Fast zwei Drittel ihrer Unterstützer hatten da sozusagen schon von zu Hause aus gewählt.

Wer ist denn nun der große Gewinner der Landtagswahl in Frankenthal?
Also, betrachtet man vollkommen isoliert das Rennen ums Direktmandat, dann war das wie schon 2016 in der Stadt eine glasklare Angelegenheit: CDU-Mann Christian Baldauf hat satte 40,5 Prozent aller Erststimmen eingesammelt und seinen stärksten Konkurrenten Martin Haller (SPD, Lambsheim) um 13,3 Punkte distanziert. Damit hat der Frankenthaler erneut das direkte Ticket in den Mainzer Landtag gelöst. Aber: Baldauf hat – obwohl auch Spitzenkandidat der Landes CDU – absolut rund 900 Stimmen weniger abgeräumt, sein direkter Gegenspieler sogar rund 1200.

Die, gemessen an seinen Möglichkeiten im Wahlkampf, aber wirklich herausragende Leistung hat ein ganz anderer abgeliefert: Tobias Reuter von den Freien Wählern, der ohne Apparat im Rücken 6,3 Prozent der Erststimmen holte, dabei aber sicher auch vom Landestrend zugunsten seiner noch jungen Partei profitiert hat. Apropos Trend: Ihr Landesergebnis (9,3 Prozent) haben die Grünen in Frankenthal mit glatt 8,0 Prozent zwar nicht erreicht – aber immerhin den mit 3,7 Punkten zweithöchsten Zuwachs an Zweitstimmen geschafft.

Wen hat’s am härtesten getroffen?
Keine Frage, die AfD. Bei den Zweitstimmen liegt die 2016 zum ersten Mal in den rheinland-pfälzischen Landtag eingezogene Partei mit 11,9 Prozent in Frankenthal zwar immer noch ordentlich überm Landesschnitt (8,3 Prozent). Das bedeutet aber auch: Die AfD hat im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren 6,6 Punkte eingebüßt. Hat sie damit als Protestpartei gegen das politische Establishment in der Stadt ausgedient? Ein vorsichtiger Blick auf die nicht sonderlich belastbaren Ergebnisse in den Stimmbezirken mahnt: Im Frankenthaler Süden – Pilgerpfad und Zuckerfabrikviertel – erreicht die AfD weiterhin eine Zustimmung deutlich über 20 Prozent. Unterm Strich bleibt: Auch Direktkandidat Stefan Scheil verliert im Vergleich zu 2016 fast sechs Prozentpunkte.

Gibt’s noch einen Verlierer?
Ja, ziemlich unzufrieden mit seinem Abschneiden dürfte auch der Linke David Schwarzendahl sein. Der ist nicht nur Kreisvorsitzender und Fraktionschef seiner Partei, sondern seit geraumer Zeit auch auf Landesebene unterwegs: seit 2016 im Landesvorstand und bei dieser Wahl auch als Spitzenkandidat. Trotz seiner kommunalpolitischen Arbeit in Frankenthal hat Schwarzendahl aber nur 2,5 Prozent der Erststimmen abräumen können.

Wie stark spiegelt das Wahlergebnis die kommunalpolitischen Kräfteverhältnisse wider?
Schwer zu vergleichen. Aber so ungefähr haut es – mit Ausnahme der AfD – bei den Landesstimmen doch hin für die stärksten Drei im Rat: CDU vor SPD und Grünen.

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