Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Lambsheimer Bürgermeisterin: „Wir benötigen die Einnahme absolut“

Seit Sommer 2024 Ortschefin in Lambsheim: Barbara Eisenbarth-Wahl.
Seit Sommer 2024 Ortschefin in Lambsheim: Barbara Eisenbarth-Wahl.

Die Ortsbürgermeisterin von Lambsheim, Barbara Eisenbarth-Wahl (CDU), spricht im Interview mit Stefan Heimerl über einen Glücksfall für das Dorf und steigende Baupreise.

Frau Eisenbarth-Wahl, was war im ausgelaufenen Jahr Ihre größte Herausforderung als Bürgermeisterin?
Die vielleicht größte Herausforderung war es, das Projekt Im Brand II zum Abschluss zu bringen. Das war ein langer Weg, und ich bin froh über das Ergebnis. Für uns war immer wichtig, dass dort im Falle eines Verkaufs etwas entsteht, das auch für Lambsheim gut ist. Es gab viel Abstimmungsbedarf, und ständig tauchten neue Unklarheiten auf, die es zu klären galt. Es gab teils riesige Gesprächsrunden mit allen Beteiligten. Aber wir konnten alles gut auf den Weg bringen und haben sehr gut und eng mit der Verwaltung und der Bauabteilung zusammengearbeitet.

Das Projekt war vor Beginn Ihrer ersten Amtszeit im Sommer 2024 bereits lange in der Schwebe. Warum hat es ausgerechnet jetzt geklappt?
Vielleicht hat jetzt einfach alles gepasst. Wir sind drangeblieben. Da geht ein großes Lob an Sabine Josy und Birgit Füger von der Verwaltung der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim. Wir haben oft zusammengesessen und immer wieder versucht, alle Fragen nach rechts und links zu klären. Ich denke, dass mit Edeka Südwest und deren Plänen für eine neue Backfabrik der richtige Vertragspartner da war, weil dort die Langfristigkeit im Fokus steht. Auch die Gemeinderatsmitglieder waren sehr konstruktiv. Alle wussten, dass das für Lambsheim eine Chance ist. Die Ratsmitglieder waren immer gut informiert und haben das Projekt über alle Fraktionsgrenzen hinweg mitgetragen.

Startschuss der Bauarbeiten für die Produktionsstätte von Edeka ist schon bald, richtig?
Im Januar geht’s los. Was ich schon sagen kann: Der Spatenstich soll am 22. Januar stattfinden.

War 2025 für Lambsheim trotz globaler Krisen, klammer Haushalte weit und breit und der schwächelnden Wirtschaft also trotzdem ein gutes Jahr?
Ja, weil wir das Projekt Im Brand II abschließen konnten. Die Teilbaugenehmigung ist erteilt, sodass die Kaufpreisfälligkeit der ersten Rate da ist. Wir mussten einige Dinge auf die lange Bank schieben, die können wir dank des Geldes nun umsetzen. Wir erhoffen uns von der Backfabrik eine nachhaltige Entwicklung. Trotz aller Widrigkeiten, mit denen Kommunen zu kämpfen haben, empfinde ich das als Glücksfall für Lambsheim.

Das entlastet den Haushalt entsprechend?
Es wirkt sich entlastend auf den Haushalt für 2026 aus, der für 2027 sieht dann wieder schwieriger aus. Wir sind noch in den Beratungen, weil wir dieses Jahr einen Doppelhaushalt verabschieden wollen. Klar ist, 2027 gibt es viele äußere Zwänge, die wir berücksichtigen müssen. Das ist etwas weniger Erfreuliches.

Mit Blick auf 2026: Was wartet auf die Gemeinde?
Zunächst der Start der Bauphase Im Brand II. Dann haben wir schon länger einen Bauantrag für die Werkhalle des Bauhofs eingereicht, die hinten in der Ringstraße errichtet werden soll. Im Investitionsprogramm für 2026/27 ist die Halle eingeplant. Auch das neue Straßenausbauprogramm wird ein großes Thema sein. Das alte ist 2025 abgelaufen, und wir müssen eruieren, wie wir das Programm fortschreiben. Dazu gehört zu schauen, welche Straßen sanierungsbedürftig sind. Im Januar trifft sich der Bauausschuss, dann noch mal im März. Bis dahin wollen wir die Weichen für die kommenden fünf Jahre stellen. Wir sind mitten in der Diskussion, aber weil die Baupreise gestiegen sind, werden wir wohl um eine Erhöhung der Straßenausbaubeiträge nicht herumkommen. Wir müssen abwägen zwischen notwendigen Investitionen und für die Bürger zumutbaren finanziellen Belastungen.

Wird der einmalige positive Effekt durch den Verkauf an Edeka durch die Ausgaben direkt aufgefressen?
Wir benötigen die Einnahme absolut, sonst hätten wir noch ein viel größeres Problem.

Was ist Ihre größte Sorge mit Blick auf das neue Jahr?
Der kommunale Haushalt ist für uns die größte Sorge, weil wir nicht wissen, wie es mit der Verbandsgemeindeumlage weitergeht. Die Kreisumlage ist dieses Jahr noch mal stabil, aber uns wurde deutlich gemacht, dass auch die zukünftig steigen wird. Wenn das so weitergeht, werden wir langfristig nicht um Steuererhöhungen herumkommen. Ich würde mir deshalb wünschen, dass das Konnexitätsprinzip mehr greift. Dass die Kommunen also auch die Ausstattung dafür bekommen, wenn Dinge vom Land oder Bund beschlossen werden.

Und was ist Ihre größte Hoffnung?
Die Weltlage ist verrückt und schräg und schlimm genug. Was ich aber wirklich als gut und positiv wahrnehme, ist, wie man hier vor Ort zusammenlebt. Wir feiern schöne Feste in Lambsheim, ob von der Ortsgemeinde oder von Vereinen und Gruppen organisiert. Wir wollen deshalb gemeinsame, sinnstiftende Maßnahmen verstärken und in den Mittelpunkt rücken. Zeigen, dass so etwas das reale Leben ist und nicht das, was sich in sozialen Medien manchmal abspielt. Im März werden wir beispielsweise unsere Baumpflanzaktion dieses Mal mit der Ortsgemeinde Gerolsheim gemeinsam machen. Das dörfliche Zusammenleben und das Miteinander, das ist etwas sehr Positives, und da ist viel los in Lambsheim. Das freut mich und macht mich auch stolz.

Warum sollte man Ihren Neujahrsempfang auf keinen Fall verpassen?
Ich würde mir wünschen, dass die Bürgerinnen und Bürger sich über die Projekte informieren und dass man zusammen auf ein hoffentlich gutes Jahr 2026 anstößt. Dass man den dörflichen Zusammenhalt auch ein bisschen feiern kann. Es wäre schön, wenn die Leute Lust haben, sich auf neue Sachen einzulassen, vielleicht auch neue Leute kennenlernen wollen.

Termin

Neujahrsempfang der Ortsgemeinde Lambsheim am Freitag, 9. Januar, 19 Uhr, in der Mensa der Karl-Wendel-Schule. Programm unter anderem mit Schlossnarren Lambsheim, Circus Lamundis, GMV-Orchester, Ehrungen und den Sternsingern.

Der Verkauf des Gewerbegebiets Im Brand II in Lambsheim an Edeka Südwest sorgt im Haushalt der Gemeinde für mehr Spielräume.
Der Verkauf des Gewerbegebiets Im Brand II in Lambsheim an Edeka Südwest sorgt im Haushalt der Gemeinde für mehr Spielräume.
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