Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Karolinen-Gymnasium beleuchtet seelische Folgen der Pandemie

Die Belastung durch die Corona-Pandemie kann sich auch in Schlaflosigkeit äußern.
Die Belastung durch die Corona-Pandemie kann sich auch in Schlaflosigkeit äußern.

Monatelanger Fernunterricht, keine Treffen mit Freunden, familiäre Probleme: Wie kann Schule Kindern und Jugendlichen bei der Bewältigung der Belastung durch die Corona-Pandemie helfen? Anregungen dafür hat sich das Karolinen-Gymnasium vergangene Woche bei Experten geholt. Und dabei konkrete Ideen entwickelt.

„Wie geht es den Schülern?“, diese Frage beschäftige sein Kollegium, sagt Christian Bayer, Leiter des Karolinen-Gymnasiums (KG). Erste Rückmeldungen nach einer Woche Präsenzunterricht seien nicht in allen Fällen ermutigend. Um die Praxiserfahrungen wissenschaftlich zu untermauern, hat die Schule Kinderarzt Rüdiger Adam, der selbst Kinder auf dem KG hat, und seinen Kollegen Michael Eichinger vom Universitätsklinikum in Mannheim zu Vortrag und Diskussion eingeladen.

Angst, Traurigkeit und Schlafprobleme hätten in der Pandemie bei Jugendlichen zugenommen, zitierte Eichinger in der Lehrerfortbildung Studien zur seelischen Gesundheit in der Corona-Pandemie. Das Risiko für Missbrauch steige in Krisenzeiten. Besonders betroffen seien von den Folgen der Pandemie sogenannte „vulnerable Gruppen“, also Heranwachsende aus stark belasteten Familien. „Kindergesundheit ist Familiengesundheit“, so Eichinger. Ungleichheiten auch im Bildungsbereich könnten die Folge sein. Hier gelte es, genau Hinzuhören und Hinzuschauen. Man müsse abwägen zwischen dem Infektionsschutz und der Vermeidung von „Kollateralschäden“ für Seele und Körper der Kinder.

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Großer Redebedarf

Der Redebedarf der Schüler über ihre Erfahrungen im Lockdown sei groß, sagt Karin Reißer-Mahla, stellvertretende Schulleiterin und Mittelstufenleiterin am Karolinen-Gymnasium. Der Fokus liege dabei auf persönlichen Belastungen, weniger auf schulischen Problemen. „Diese Situation macht was mit den Kindern“, sagt auch Schulleiter Bayer. Manche wirkten trauriger, andere sagten offen: „Ich habe genug.“ Es falle den Schülern zunehmend schwerer, sich auf Videokonferenzen einzulassen. Jüngeren fehle nach der langen Zeit die persönliche Unterstützung und das soziale Miteinander im Präsenzunterricht.

Gerade in den älteren Jahrgängen sei die Betrachtung der Situation differenzierter. Es tue gut, nach dem eigenen Rhythmus arbeiten und sich die Zeit selbst einteilen zu können, zitiert Reißer-Mahla Mittel- und Oberstufenschüler. Sie würden die Chancen der Digitalisierung sehen und könnten sich über Onlineplattformen gut austauschen. „Aber es gibt auch Schüler, die offen sagen, ,ich bekomme das nicht hin, mich alleine zu organisieren’.“

Raum für Austausch

Ziel der Fortbildung sei es gewesen, sich darauf vorzubereiten, wie die Kinder zurück in den Präsenzunterricht kommen. „Ich kann keine Vokabeln abhören, wenn der Kopf nicht frei ist“, sagt Reißer-Mahla. Es sei deshalb wichtig, in den ersten Stunden darüber zu reden, was die Schüler beschäftigt. Eine Gruppe aus Lehrern, Schülern und Schulsozialarbeitern wolle sich nach Ostern damit befassen, wie man Raum für den Austausch schaffen könne. Dazu sei bereits am Abend der Fortbildung eine Ideenbörse auf Moodle eingerichtet worden. Klar sei aber auch: „Wir können nicht therapeutisch arbeiten.“

Bei der Betrachtung der Pandemie-Folgen solle man sich nicht nur auf die Belastung konzentrieren, so der Rat von Kinder- und Jugendarzt Eichinger. Um die Schüler zu stärken, solle der Blick auch auf das gerichtet werden, was gut läuft und was dem Einzelnen gut tut. Häufig sei das beispielsweise eine Tagesstruktur, wie sie die Schule auch im Fernunterricht versucht habe anzubieten. Auch Direktor Bayer hat die Rückmeldung bekommen, dass die Schule in manchen Familien „ein Anker der Stabilität“ sei. Es sei deshalb wichtig, in Videokonferenzen nicht nur Mathe zu pauken, sondern auch mal ein persönliches Wort an die Kinder zu richten. Die düstere Prognose, dass wegen Corona eine verlorene Generation heranwachse, teilt er nicht. „Das ist Quatsch. Wir schaffen das.“

„Wie kommen unsere Schüler zurück in den Unterricht?“ Diese Frage beschäftigt das Kollegium am Karolinen-Gymnasium.
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