Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Jugend forscht: Mikroplastik auf dem Honigbrot

Finden sich unterm Mikroskop Chemieprodukte in der Honigwabe? Sarah Bader und Philipp Memmer vom Karolinen-Gymnasium haben das w
Finden sich unterm Mikroskop Chemieprodukte in der Honigwabe? Sarah Bader und Philipp Memmer vom Karolinen-Gymnasium haben das wissenschaftlich untersucht.

Philipp Memmer und Sarah Bader vom Karolinen-Gymnasium in Frankenthal haben es im Landeswettbewerb „Jugend forscht“ vergangene Woche auf den zweiten Platz geschafft. Ihr Thema: Mikroplastik im Bienenstock. Ihr Gefühl nach der Siegerehrung: Glück und Erschöpfung.

Die zwei Elftklässler haben einen Marathon hinter sich, der genau genommen im Juni vergangenen Jahres begann. Damals fiel die Entscheidung, am Wettbewerb teilzunehmen. Doch mit welchem Forschungsprojekt? „Wir entdeckten eine dänische Studie aus dem Jahre 2021, laut der Bienen mit ihren Härchen Mikroplastik sammeln“, berichtet Sarah Bader. Wie sich das auf die Honigproduktion auswirkt, wollten die beiden Nachwuchswissenschaftler herausbekommen. Dazu mussten sie zunächst selber zu Hobbyimkern werden.

Imker Jonathan Gayer aus Mutterstadt nahm die Teenager unter seine Fittiche. Bei der Honigernte durften Bader und Memmer Hand anlegen: Insgesamt fünf Kilogramm Rapshonig schleuderten sie in der Zentrifuge. Dann wurde es spannend: Das flüssige Gold wurde gesiebt – die Siebreste waren die Proben, mit denen in den nächsten Monaten geforscht werden sollte. Sie enthielten mit dem bloßen Auge erkennbare Pflanzen- und Insektenteile. Doch für den Nachweis von Mikroplastik mussten Chemie und Mikroskop her.

Blaue Faser erkennbar

Wie bei den meisten Forschungsprojekten lief nicht alles nach Wunsch. „Eine Hürde war, dass die Proben zum Mikroskopieren zu klumpig waren“, erinnert sich Memmer. Durch Experimentieren fand das Team heraus, dass Terpentin-Balsam das Wachs aus dem Honig zieht, sodass sich das Material unter der Objektivlinse untersuchen ließ. Tatsächlich entdeckten die Beiden verschiedene Fasern in den Proben. Eine Faser war blau – das reichte der Jury vom Regionalwettbewerb als „begründeter Verdacht“ auf das Vorhandensein von Mikroplastik. Sie belohnte die Tüftler Anfang Februar mit Platz eins im Fach Geo- und Raumwissenschaften. Für einen Tag ging es nach Mainz in die Gutenberg-Universität, wo die Sieger ihr Projekt präsentierten.

Der erste Platz bedeutete die Fahrkarte zum Landeswettbewerb – und damit ging der Marathon weiter. Vier Wochen lang kämpften Bader und Memmer so manchen Nachmittag im Labor des Gymnasiums, um vom Verdacht zum Beweis zu gelangen. Von drei Universitäten und dem Chemiekonzern BASF ließen sich die Oberschüler beraten, bis sie schließlich auf die Chemikalie Nilrot stießen. Mit dem stark fluoreszierender Laser-Farbstoff ließen sich bei Schwarzlicht unter dem Mikroskop Fasern von Pflanzen deutlich von künstlichen Fasern unterscheiden.

In Stadtnähe mehr Plastik im Bienenstock

Entscheidet der Standort von Bienenstöcken über die Menge an Kunststoff? Diese Frage können die Forscher mit einem Ja beantworten: Sie analysierten zusätzlich Proben aus Oggersheim, Oppau und von einem Feld bei Wachenheim. Ergebnis: Je näher die Bienen an Industrie und Verkehr leben, umso mehr Mikroplastik tragen sie in die Kästen. Ob die Kunststoffteilchen dann letztlich auch im Honigglas landen – für diesen Nachweis sind die Messinstrumente des Gymnasiums nicht fein genug.

Die letzte Etappe war nun die dreitägige Teilnahme am Landeswettbewerb in Ludwigshafen, von dem die Frankenthaler Schüler am vergangenen Donnerstag mit dem zweiten Platz in der Sparte Geo- und Raumwissenschaften heimkehrten. „Im Vergleich zum Regionalwettbewerb war hier alles eine Nummer größer“, meint Memmer. Als Patenunternehmen hatte die BASF die Teilnehmer zu Werksrundfahrt, Laborbesuchen und Kursen eingeladen, dazu gab es Projektpräsentationen und Pressegespräche. Bader und Memmer haben viel gelernt und sich mit Nachwuchswissenschaftlern aus dem ganzen Bundesland vernetzt, sagen sie. Ihr nächstes Projekt? Ein gutes Abitur, dem ein naturwissenschaftliches Studium folgen soll.

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