Mutterstadt
Beruf Imker: Vom Schwärmen der Bienen
Die Biene summt sich durch ganze Generationen der Familie von Jonathan Gayer. Vom Uropa, der schon Bienen hielt, erbte der 30-Jährige einen Bienenkorb und im Bienenhaus in Opas Garten durfte er als Kind spielen. Dieser Opa finanzierte ihm auch seine erste Honigschleuder. Denn Jonathan Gayer wollte unbedingt Imker werden.
Die süße Verführung, also der Honig, habe ihn dazu bewogen, erzählt der gebürtige Kaiserslauterer. „Ich wollte das süße Bappzeug haben“, verrät er lachend die Motivation, die ihn schon mit 17 Jahren zum Hobby-Bienenvater werden ließ. Beginnend mit vier Bienenvölkern im eigenen Garten wuchs in Folge nicht nur deren Anzahl, sondern auch seine Faszination für die schwarz-gelben Insekten. Auch bei seinem freiwilligen sozialen Jahr, das er 2011/12 in Chile absolvierte, stand die Imkerei im Mittelpunkt.
Von der Physiotherapie zum Tierwirt
Zwar schloss er zunächst eine Ausbildung zum Physiotherapeuten ab, stellte aber bald darauf fest, dass er weder dieser Arbeit noch seinem Hobby gleichzeitig gerecht werden konnte. Daher kam der von ihm so bezeichnete „Cut“ und sein Beschluss: „Ich muss die Imkerei anders lernen, um sie wirtschaftlich führen zu können.“ Es folgte eine dreijährige Ausbildung zum Tierwirt mit Fachrichtung Bienenhaltung in Celle. „Dort habe ich meine Liebe zur Heide entdeckt“, gesteht der junge Mann. Ein Ziel sei seither neben Blüten-, Raps- Linden- und Edelkastanienhonig demnächst auch Heidehonig anbieten zu können. Dazu würden einige seiner momentan 70 Bienenvölker mit jeweils durchschnittlich 50.000 Bienen auf Reisen gehen und während der Erikablüte bis zur „Ernte“ des Honigs in der Lüneburger Heide wohnen.
Ansonsten sind die Plätze für seine Bienen mit den benötigten Trachtpflanzen, die durch ihre Blüte das Nahrungsangebot für die Tiere stellen, in der Region zwischen Mannheim, Haardtkante und Grünstadt angesiedelt, alles erreichbar innerhalb 30 Minuten Fahrzeit. Aus diesem Grund nennt der Bienenzüchter seinen goldgelben Bienensaft auch gerne den „geschmacklichen Fingerabdruck aus der Region“. Auch wenn er sich aufgrund des kalten Frühjahrs nicht die beste Zeit für den Start in die Selbstständigkeit ausgesucht habe, versucht und hofft er, davon leben zu können.
Milliarden besuchter Blüten
Unterstützung bei der Arbeit erhält er nach Bedarf von seinem Vater, den er in der Imkerei angelernt hat, sowie Freunden. Die Leidenschaft für sein Tun strahlt der Jungimker förmlich aus. So auch seine Augen, wenn er seine Wertschätzung gegenüber dem mühsam gewonnenen Naturprodukt zum Ausdruck bringt. Ein Glas Honig sei das Ergebnis von Milliarden besuchter Blüten und somit für ihn „so viel mehr wert als ein Blumenstrauß“.
Über die Arbeit als Imker hat er auch am „Tag der deutschen Imkerei“ informiert, der Anfang Juli stattfand. Rund um das Bienenkorb-Erbstück seines Uropas hatte er auf dem Hof eine kleine Ausstellung vorbereitet und Interessierte eingeladen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Und auch weiterhin möchte er sein Bienenwissen teilen. Etwa solch erstaunliche Informationen: Eine Honigbiene produziert in ihrem Leben höchstens einen gestrichenen Teelöffel Honig. Um diese winzige Menge zu produzieren, muss sie täglich mindestens 1000 Blüten anfliegen. Das Leben einer Arbeiterin in einem Bienenstaat ist nicht von allzu langer Dauer geprägt – die Sommerbiene bringt es auf etwa fünf bis sechs Wochen.
Der Imker hat wiederum besondere Arbeitszeiten. Und die nimmt Gayer gerne auf sich. „Mein Arbeitstag fängt oft erst nach 22 Uhr an“, berichtet er. Vorher brauche er an Sommertagen gar nicht zu seinen Schützlingen zu fahren, denn dann seien sie nicht zu Hause. Das müsse er auch beachten, wenn er das Volk komplett umsiedeln wolle, beispielsweise in die nächste Tracht.
In der Bestäuber-Rolle
Auch wenn eine einzelne Arbeiterin oft nur sechs Wochen und eine Königin fünf bis sechs Jahre lebe, sei ein Bienenvolk durch die Fortpflanzung eigentlich unsterblich, weiß der Bienen-Experte. Wichtig sei, es gegen die Varroamilbe zu schützen, die die Brut angreife und kaputt mache. Ganze Bienenvölker kann der Schädling in die Knie zwingen.
Neben der eigentlichen Arbeit als Imker und der Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt sich Gayer noch mit dem Zusammenspiel Biene und Landwirtschaft. Deshalb freue er sich auch so über die gute Zusammenarbeit mit dem Hof-Eigner und seinem wichtigsten „Supporter“ Bernd Treiter. Imker und Landwirt hätten klar erkannt, dass Imkerei und Landwirtschaft zusammengehören. Schließlich hängen von der Bestäubungsleistung der Bienen die Erträge wichtiger landwirtschaftlicher Kulturarten ab. Eine andere Form der Kooperation zwischen Imker und Landwirt ist ein Automat auf dem landwirtschaftlichen Anwesen. 24 Stunden am Tag können sich hier Honigliebhaber eindecken. Oder Kartoffeln und Eier erstehen.
Obwohl Jonathan Gayer immer wieder mal gestochen wird, hat kein Bienenstich ihn bislang länger geplagt, erzählt er. Lieber ist ihm trotz allem die süße Variante, der Bienenstich in Kuchenform. Für dessen Namensgebung er sogar eine Erklärung parat hat. Die Mandelschicht des cremegefüllten Kuchens werde mit Honig gemacht, zu dem ein Spritzer Zitrone hinzugefügt werde. „Das ist dann der Bienenstich“, sagt er lachend und so überzeugt, dass man ihm diese Version gerne glauben möchte.