Frankenthal / Ludwigshafen
IHK wünscht sich „gutes Management des Mangels“
Einen kompletten Stopp für alle vorgesehenen Änderungen im Regionalplan der Metropolregion Rhein-Neckar und damit keine gemeinsame Steuerung der künftigen Nutzung von Flächen für Wohnen und Gewerbe in Vorderpfalz, Nordbaden und Südhessen? Als er diesen Antrag der Grünen zum Planungsausschuss im Verband Region Rhein-Neckar gelesen hatte, war Jürgen Vogel erstmal von den Socken.
Eine Zustimmung der Gremien wäre gleichbedeutend damit, dass die mehr als zehn Jahre alte Planungsgrundlage nicht aktualisiert würde. „Das wäre ein massiver Rückschlag und für die Unternehmen hier nicht gut“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz mit Sitz in Ludwigshafen. Vogel kann sich in dieser Hinsicht entspannen: Der Antrag ist am vergangenen Freitag im Ausschuss auf breite Ablehnung gestoßen.
„Knoten durchschlagen“
Dass auf die im Februar vorgestellte Studie „Zukunftskorridor A6-Nord“, die so ziemlich genau das Gegenteil des genannten Antrags fordert, auch Kritik von den Kommunen und auch von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz gekommen ist, sieht Vogel sportlich: „Wir freuen uns, wenn diskutiert wird.“ Er nimmt für sich und seine Mitstreiter in den Kammern Mannheim, Mainz und Darmstadt in Anspruch, auf ein für den Wirtschaftsstandort großes Problem hingewiesen zu haben: die Knappheit von Flächen für die Entwicklung und Neuansiedlung von Betrieben. Es gehe ihm, betont der IHK-Mann, nicht um „Blaming und Shaming“ – also um gegenseitige Vorwürfe. Er sagt: „Wir möchten ein gutes Management des Mangels.“
Und dass die Städte, Kreise und Gemeinden der Region davon noch ziemlich weit entfernt sind, macht Vogel an einem Ergebnis der Studie klar: Nur vier dafür befragten 19 Kommunen, zu denen auch Frankenthal, Ludwigshafen und Orte im nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis zählten, hätten die Bereitschaft erklärt, neue Gewerbegebiete auszuweisen. Allerdings hätten 13 von ihnen den Wunsch, neue Firmen bei sich anzusiedeln. Hier könne interkommunale oder sogar regionale Kooperation helfen, „den Knoten zu durchschlagen“, findet Vogel.
„Von Globalisierung gelebt“
Wichtig ist ihm als Vertreter der Wirtschaft in erster Linie, dass nicht berechtigte Interessen der einzelnen Akteure gegeneinander ausgespielt würden: Insofern widerspricht Jürgen Vogel der Behauptung, Gewerbeentwicklung gehe vor allen Dingen auf Kosten der Landwirtschaft, der nach wie vor knapp die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands zur Verfügung stehe. Und obwohl der Grünen-Antrag im Verbandsausschuss durchgefallen ist, appelliert Vogel an die Kommunen: „Wir müssen vertieft darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, so weiterzumachen wie in den vergangenen 40 Jahren.“
Die verkehrsgünstige Lage an Wasser, Schiene und Straße und der Umstand, dass drei Bundesländer dort zusammenstoßen sei der Grund gewesen, den Bereich A6-Nord genauer zu untersuchen, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer. Er stehe insofern auch beispielhaft dafür, dass die Region insgesamt von „Globalisierung gut gelebt“ habe: die Unternehmen natürlich, die Menschen mit ihrem Wohlstand aber auch die Kommunen über Einkommen- und Gewerbesteuer. Sein Fazit: „Ohne Wirtschaft wäre es hier relativ finster.“