LUDWIGSHAFEN / FRANKENTHAL RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinsames Gewerbeflächen-Management: Kommunen reagieren verhalten

Die IHK erhofft sich von ihren Ideen, dass Unternehmen leichter den für sie passenden Standort innerhalb der Region finden.
Die IHK erhofft sich von ihren Ideen, dass Unternehmen leichter den für sie passenden Standort innerhalb der Region finden.

Mehr Gemeinsamkeit, weniger Eigeninteresse – das ist der Appell, den die Industrie- und Handelskammern mit ihrer Initiative „Zukunftskorridor A6-Nord“ an die Kommunen in Sachen Gewerbeflächen richten. Dass nun ein Ruck durch die Städte im Kern der Metropolregion Rhein-Neckar geht, erscheint jedoch eher unwahrscheinlich.

Die Argumente und Motivlagen unterscheiden sich, aber im Grunde sind sich die Verantwortlichen in Mannheim, Ludwigshafen und Frankenthal einig: Das von den Industrie- und Handelskammern (IHK) der Metropolregion in der Studie „Zukunftskorridor A6-Nord“ angeregte gemeinsame Management für Gewerbeflächen – interkommunal und länderübergreifend – betrachten sie mit gemischten Gefühlen. Frankenthals Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) bewertet es so: „wünschenswert und vorstellbar, aber sicher auch sehr aufwendig und zeitintensiv“.

Die Ludwigshafener Stadtverwaltung spricht zwar auf RHEINPFALZ-Anfrage von einem „interessanten Ansatz“, hält diesen aber dennoch für „nicht geeignet“: Ein Konzept, wie es den IHK-Vertretern vorschwebe, gerate schon deshalb schnell an seine Grenzen, weil die Kommunen in dem von der hessischen Bergstraße bis in die Vorderpfalz reichenden Untersuchungsgebiet der Studie kaum unter einen Hut zu bringen seien. „Die Anforderungen, die dabei die Stadt Ludwigshafen für die gewerbliche Entwicklung erfüllen muss, unterscheiden sich aufgrund der besonderen Situation deutlich von den Bedingungen in den anderen Kommunen.“

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Kommunale Planungshoheit

Die Stellungnahme der größten Stadt im Rhein-Neckar-Raum lässt vermuten, dass die Planer dort die Denkanstöße der Wirtschaftsvertreter für sich als nicht sehr praxisnah einstufen: Mannheim sei von der Studie nur an der äußersten nördlichen Peripherie erfasst, wo regionale Grünzüge und Landschaftsschutzgebiete dominierten. Und: Entgegen der Annahme in der IHK-Studie ist laut Verwaltung eine Konversion der Coleman-Kaserne bei Sandhofen „auf absehbare Zeit nicht realistisch“. Allein deswegen seien Überlegungen für ein interkommunales Gewerbegebiet mit Lampertheim „rein theoretischer Natur“.

Nun könnte es sein, dass die Verwaltungen und mit ihnen auch die jeweiligen kommunalpolitischen Akteure in Städten und Gemeinden gar keine Lust auf Kooperation haben, weil sie etwa auf die Gewerbesteuereinnahmen schauen. Ist das so? „Selbstverständlich haben die Kommunen ein Eigeninteresse an Ansiedlungsvorhaben“, heißt es aus Mannheim. Auch Frankenthal hält nicht hinterm Berg: „Neben der Zusammenarbeit sehen wir aber auch eine gewisse Konkurrenz innerhalb der Städte als durchaus positiv für Entwicklungen an“, hält OB Hebich fest. Der Verwaltungschef der 50.000-Einwohnerstadt beruft sich auf die kommunale Planungshoheit, „die sich Städte und Gemeinden in ihrer Ansiedlungspolitik vorbehalten sollten“. Was die dortigen Gremien entschieden, sei „politisch legitimiert“ und Ergebnis demokratischer Willensbildung.

Gesundes Eigeninteresse

Auch in der Nachbarstadt Ludwigshafen findet man nichts an gesundem Eigeninteresse: Weil jede Stadt, ob groß oder klein, und jedes Dorf eine andere Rolle und Funktion spiele, läge dieses „in der Natur der Sache“. Alle Akteure bewegten sich dabei aber durchaus in einem gemeinsamen Rahmen. Der vom Verband Region Rhein-Neckar gesteuerte Einheitliche Regionalplan gebe einen „interkommunal abgestimmten Handlungsraum“ vor, in dem sich die einzelnen Kommunen bei ihrer gewerblichen Entwicklung bewegen könnten.

Während sich die IHK von ihren Ideen erhofft, dass Unternehmen leichter den für sie passenden Standort innerhalb der Region finden, befürchtet Frankenthal genau das Gegenteil: Die Stadt erreichten viele kleine Anfragen mit hoher Dynamik. Würden diese Interessenten erst an eine übergeordnete Instanz weitergereicht, könnte das für das jeweilige Projekt schwierig sein. In der Konsequenz könnte das nach Ansicht von Oberbürgermeister Hebich bedeuten, „dass kleine Gemeinden abgehängt und Oberzentren gestärkt werden“.

Gemeinsames Marketing

Nicht zuletzt denken die Vertreter von nach eigenen Angaben mehr als 150.000 Unternehmen auch ans Verkaufen. Das Fazit der von Wissenschaftlern der Technischen Universität Kaiserslautern verfassten Studie in dieser Hinsicht: Die einzelnen Akteure könnten von gemeinsamem Marketing ihrer Gewerbeflächen profitieren. Frankenthal äußert sich skeptisch: „Das Marketing ist eigentlich nicht das Problem, die Verfügbarkeit ist es eher. Der Bedarf für Flächen ist immens und die Verfügbarkeit gering.“

Das gut dreimal so große Ludwigshafen sieht den Marketing-Aspekt von der für diesen Zweck gegründeten Metropolregion Rhein-Neckar GmbH gut abgedeckt. Deren Ziel sei im Prinzip deckungsgleich mit den Wünschen der Kammern: die „Sichtbarkeit der Metropolregion in Konkurrenz zu anderen Wirtschaftsräumen“ zu erhöhen. Das passiere, so die Stadt in ihrer Stellungnahme, beispielsweise bei Messeauftritten. Die Mannheimer Verantwortlichen nennen in diesem Zusammenhang die gemeinsame Präsentation bei großen Immobilienmessen wie Expo Real oder Mipim mit Gemeinschaftsständen und den Immobilienmarktbericht unter dem Dach der Metropolregion.

Bestehende Netzwerke

Unterm Strich lautet die Botschaft der drei Städte: Man muss das Rad nicht neu erfinden. „Es gibt mit dem Verband Region Rhein-Neckar als Träger der Regionalplanung sowie dem Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim gut funktionierende Organe der interkommunalen Zusammenarbeit“, betont Mannheim. Dort würden geplante Flächenausweisungen besprochen. Die Frankenthaler Bilanz: „Wir fühlen uns mit der Netzwerkarbeit über die Metropolregion oder Plattformen wie Raumplus, die Potenzialflächen länderübergreifend für Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz darstellt, gut vernetzt. “

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