Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Hundehelden: Jacqueline Weber päppelt behinderten Welpen auf

Jacqueline Weber liebt ihr Hundequartett, das aus drei Whippets und Bulldogge Chloé besteht.
Jacqueline Weber liebt ihr Hundequartett, das aus drei Whippets und Bulldogge Chloé besteht.

Chloé hatte Glück im Unglück. Gleich nach ihrer Geburt hätte die Französische Bulldogge eingeschläfert werden sollen. Doch Tierarzthelferin Jacqueline Weber von der Frankenthaler Praxis Klaffer päppelte den behinderten Welpen auf. Weber mag die kleine Energiebombe nicht mehr missen.

Weber wohnt im Südosten Maxdorfs. Beim Besuch der RHEINPFALZ verteilt Chloé stürmisch Küsschen und schleppt immer neue Kuscheltiere an. Es ist offensichtlich, dass die anderthalbjährige hellbraune Kleine ein gutes Verhältnis zu Menschen hat. Als „distanzlos“ bezeichnet ihr Frauchen das Verhalten. Der Grund: Die Hündin wuchs in Handaufzucht auf. Normalerweise verbringen Welpen ihre ersten zehn Lebenswochen bei der Mutter. Doch Chloé konnte wegen eines speziellen Handicaps nicht an den Zitzen von Mutter Lotte saugen.

Mehrfache Behinderung

Rückblende ins Frühjahr 2021: In der Frankenthaler Tierarztpraxis Klaffer wird alles vorbereitet für Lottes Kaiserschnitt. Weber hilft den Welpen auf die Welt. Bei Chloé ist sofort klar, dass sie eine mehrfache Behinderung hat. Sie leidet an einer Kiefer-, Lippen-, Gaumen- und Rachenspalte. Als französische Bulldogge gehört sie zu den brachiozephalen Rassen. Wie bei Möpsen und Pekinesen ist ihr Kopf rund und die Schnauze kurz. Das führt bei diesen Züchtungen unter anderem zu einem erhöhten Risiko für angeborene Fehlbildungen in Mund und Rachen. Chloés Besitzer trauten es sich nicht zu, das Hundemädchen aufzuziehen. „Ich hielt 220 Gramm Leben in der Hand. Mir war klar, dass ich versuchen werde, es zu retten“, sagt die 38-jährige Tierarzthelferin.

Chloé hätte nach ihrer Geburt wegen einer mehrfachen Behinderung eingeschläfert werden sollen.
Chloé hätte nach ihrer Geburt wegen einer mehrfachen Behinderung eingeschläfert werden sollen.

Die folgenden Tage sind anstrengend. Alle zwei Stunden muss das Hundebaby per Sonde gefüttert werden. Es besteht die Gefahr, dass die Milch in die Atemwege gelangt und eine Lungenentzündung verursacht. Tierarzt Ulrich Klaffer unterstützt das Rettungsprojekt, Weber darf den Welpen während ihrer Arbeitszeiten betreuen. Für sie sind es Wochen zwischen Hoffen und Bangen. Im Alter von fünf Monaten wird Chloé dann operiert. „Nur die Lippenspalte ist geblieben, ansonsten ist sie ein ganz normaler und wirklich toller Hund“, sagt ihr Frauchen heute und betont: „Ich würde es jederzeit wieder tun.“

Kein Einzelfall

Chloé ist kein Einzelfall. In ihrem Bad hat Weber zahlreiche Patienten aus der Praxis aufgepäppelt. „Feldhasen, Katzen, Hunde – es gibt kaum eine Tierart, die nicht schon bei mir war.“ Diese Form von Ehrenamt sei bei fast allen Tierarzthelfern und niedergelassenen Veterinären selbstverständlich, ebenso wie Kooperationen mit Tierschutzvereinen. Ein großes Lob Webers geht an den Frankenthaler Tierschutzverein, der die Praxis schon oft bei Notfällen unterstützt habe.

Von dort stammt auch Hilde. Die silbergraue Britische Kurzhaarkatze war am Felinen Coronavirus (FIP) erkrankt, einer nicht auf den Menschen übertragbaren, für Katzen aber potenziell tödlichen Corona-Variante. Dank Simone Jurijiw vom TSV Frankenthal und Webers Einsatz ist die Katze wieder kerngesund und ein Mitglied in der großen Tierfamilie der Maxdorferin. Neben Hilde und Cloé gehören auch eine Schar Wachteln und Seidenhühner inklusive Hahn Tadäus dazu, die von Weber in der Brutmaschine aufgezogen wurden. Deren Eier bereichern den Speisezettel Webers. Und dann sind da noch Grey, Ronia und Quincey, die drei zierlichen Whippets, die sich prächtig mit der stämmigen Chloé vertragen. Die kleinen englischen Windhunde seien wie Chips, meint Weber. „Hat man einen, will man mehr davon.“

Quartett immer dabei

Wenn Weber zur Arbeit fährt, ist das vierbeinige Quartett immer dabei. In der Praxis haben die Hunde einen eigenen Raum. Mit ihrem Job und dem heimischen „Tiergarten“ hat sich die gebürtige Ludwigshafenerin einen Kindheitstraum erfüllt. Einen Wunsch hat Weber trotzdem noch: Dass Besitzer Hunden mit Defekten eine Chance geben. Dafür hat sie bei Instagram eine Seite eröffnet, die „gaumenspaltehund“ heißt.

Die Serie

Als Retter in Notlagen, heilsame Gesellschaft für Kranke, Spitzensportler oder als Vierbeiner, die sich mit besonderem Schicksal durchschlagen: In loser Folge stellen wir ungewöhnliche Hunde aus der Vorderpfalz und Menschen aus ihrem Umfeld vor – unsere Hundehelden.

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