Frankenthal
Hoher Inzidenzwert: Rolle rückwärts droht
Am Montag haben die Geschäfte in der Frankenthaler Fußgängerzone nach fast einem Vierteljahr wieder geöffnet. Am Mittwochvormittag hat die Stadtverwaltung weitere Schritte zurück zu mehr Normalität in der Corona-Pandemie angekündigt – beispielsweise den Neustart für die Stadtbücherei und die Aufhebung strenger Besuchsregeln für die Alten- und Pflegeheime. Nur ein paar Stunden später lässt die tägliche Statistik des Landesuntersuchungsamts zum Infektionsgeschehen in Rheinland-Pfalz all das wieder fraglich erscheinen.
Vor allem Einzelfälle
Von Dienstag auf Mittwoch sind den Gesundheitsbehörden für die Stadt 25 neue Ansteckungen mit Sars-Cov-2 gemeldet worden. Die Sieben-Tages-Inzidenz, die das auf 100.000 Einwohner umgerechnete Infektionsgeschehen der vergangenen Woche abbildet, steigt in der Konsequenz von 69,7 auf 114,8 – nachdem sie sich in der vergangenen Woche bei um die 50 eingependelt hatte. Dieser plötzliche Sprung lässt sich, wie die Stadt auf RHEINPFALZ-Nachfrage erklärte, nicht auf einen Ausbruch in einer Einrichtung zurückführen. Die festgestellten Infektionen stammten aus drei Familien und seien ansonsten Einzelfälle.
Der nun erreichte Inzidenzwert ist – Stand: Mittwoch – der einzige dreistellige und damit der höchste in ganz Rheinland-Pfalz. Landesweit liegt diese Zahl derzeit bei 48. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) hat in der Stadtratssitzung am Mittwochabend deshalb die Möglichkeit ins Spiel gebracht, mit einer neuen, wahrscheinlich dann verschärften Allgemeinverfügung auf die Entwicklung zu reagieren.
Schwellenwerte entscheiden
Sollte die Frankenthaler Zahl bis zum Wochenende jenseits der 100er-Marke rangieren, dann könnten die von Bund und Ländern vergangene Woche vereinbarten und seit 8. März gültigen Öffnungen direkt wieder kassiert werden. Denn: Diese Zugeständnisse sind sowohl an die Inzidenzwerte der Stadt als auch an die des Landes geknüpft. Steigt der Wert an drei aufeinander folgenden Tagen über 100, müssen die Lockerungen zurückgenommen werden. Es gilt, wie die Verwaltung am Mittwoch in einer Pressemitteilung betonte, dann erneut der Stand von Anfang März. Dieselben Konsequenzen hat es, wenn der Landesdurchschnitt über 50 steigt und Frankenthal diesen Wert ebenfalls überschreitet.
Umgekehrt: Wenn Öffnungen zurückgenommen werden, müssen für einen neuen Anlauf auch erst wieder stabile Werte unterhalb des Schwellenwerts 50 erreicht werden. Insofern stehen die von der Verwaltung am Mittwoch in Aussicht gestellten Schritte, die zumindest in drei Bereichen eine Rückkehr zu größerer Normalität darstellen würden, unter dem Vorbehalt der weiteren Entwicklung.
Lockerungen vorgesehen
Geplant ist demzufolge, die bisherigen Einschränkungen für Besuche in den Alten- und Pflegeheimen aufzuheben: Die dafür zuständige Landesbehörde habe das für verantwortbar gehalten, weil in den Einrichtungen nur wenig neue Corona-Fälle hinzukämen und gerade bei den Bewohnern eine hohe Impfquote vorliege. Laut Landesverordnung wären dann pro Bewohner täglich zwei Besuche ohne zeitliche Beschränkung möglich – vorausgesetzt, es liegt ein negatives Schnelltestergebnis vor.
Den Ausleihbetrieb wieder starten soll schon diesen Donnerstag die Stadtbücherei zu folgenden Zeiten: Montag, 14 bis 18 Uhr; Dienstag, Donnerstag und Freitag, 10 bis 18 Uhr; Samstag, 10 bis 13 Uhr. Der Mittwoch soll von 9 bis 12 Uhr Terminen für die kontaktlose Ausleihe vorbehalten sein. Beim Besuch ist eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht, die Besucherzahl ist begrenzt. Die Rückgabe der Medien erfolgt weiterhin über die Box an der Ecke Sterngasse/Welschgasse. Alle Leihfristen wurden nach Angaben der Stadt bis einschließlich 13. März pauschal um vier Wochen nach hinten gesetzt. Ab Montag, 5. April, verschickt die Stadtbücherei wieder Mahnbriefe.
Training im Freien
Der dritte Bereich, in dem nach bisherigem Stand wieder mehr möglich sein soll, ist der Sport. Im Freien dürfen Gruppen gemeinsam trainieren: Erwachsene kontaktfrei in Kleingruppen bis zehn Personen plus Trainer, Kinder unter 14 Jahren maximal zu zwanzigst. Voraussetzung sei in beiden Fällen, dass Kontaktdaten erfasst würden. Gemeinschaftsräume, Umkleiden und Duschen dürften nicht genutzt werden, Toiletten nur einzeln. Gruppen, die parallel auf einem ausreichend großen Gelände trainieren, dürfen nicht gemischt werden.