Frankenthal
Hausarztmangel: Praxis im Süden der Stadt schließt ohne Nachfolger
(aktualisiert am 12. Juni, 10.37 Uhr)Die Arztpraxis Nicole Pöhlchen im Frankenthaler Süden schließt zum 25. Juni. Aus „persönlichen Gründen“, wie die Hausärztin auf Nachfrage sagt. Bereits seit drei Jahren suche sie einen Nachfolger – vergeblich, sagt Pöhlchen. Die Ausstattung ihrer Praxisräume und die medizinischen Geräte will sie verkaufen. Patienten müssen sich einen neuen Hausarzt suchen. Das ist – nicht nur in Frankenthal – ein Riesenproblem.
Im Internet veröffentlicht unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung (KV) einen sogenannten Praxisfinder: eine Liste mit Hausärzten in der Stadt, aber auch in der Region. Unter der Hotline 116117 bietet die KV zusätzlich eine Suchhilfe an. Dort ist derzeit allerdings nur eine Praxis in Frankenthal gemeldet, die Patienten aufnimmt. Ein Blick in die Statistik zeigt das Problem: Es gibt zu wenige Ärzte, die vorhandenen Praxen sind überlastet und können oft keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Laut KV gab es im Stadtgebiet Frankenthal Ende 2024 „insgesamt 28,25 Versorgungsaufträge im Hausarztbereich, davon sind derzeit 7,25 Arztsitze frei“. Wie viele Mediziner die resultierenden 21 Versorgungsaufträge erfüllen, lasse sich nicht genau sagen. Ein Arztsitz oder Versorgungsauftrag kann unter vier Ärzten aufgeteilt werden, die dann in Teilzeit arbeiten.
Mit dem Gesundheitsstrukturgesetz 1992 kam die Bedarfsplanung und Zulassungsbeschränkung. In einem bestimmten Gebiet durften nur eine berechnete, dem Bedarf der Bürger angepasste Anzahl Mediziner einen Arztsitz erhalten und eine Praxis eröffnen. Damit hatte der jeweilige Arzt auch einen Versorgungsauftrag. Der regelt die Anzahl der wöchentlichen Sprechstundenzeiten. Das Verhältnis Ärzte zu Einwohnern, das sogenannte Soll-Versorgungsniveau, wird alle zwei Jahre aktualisiert und berücksichtigt Sterblichkeit, demografische Entwicklung und die soziale Struktur eines Gebiets. Für Frankenthal nennt die KV aktuell als ideales Verhältnis 1547 Patienten pro Arzt. Bei etwa 50.000 Einwohnern und 21 Versorgungsaufträgen sind es tatsächlich 2380 Bürger pro Arztsitz. Patienten aus dem Umland sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Zukunftsmodell MVZ
Die KV Rheinland-Pfalz sieht die derzeitige Bedarfsplanung als „überholt“ an. Auch im Bereich Ausbildung hake es. Laut KV reicht die Anzahl der Studienplätze nach dem Abbau in den 1990er Jahren nicht aus, um genügend Ärzte auszubilden. In Rheinland-Pfalz seien bereits heute über 370 Haus- und Facharztsitze unbesetzt, Tendenz steigend. Die KV fordert deshalb dringend Reformen.
Doch davon haben Patienten in der akuten Situation wenig. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, hat ohne Hausarzt ein Problem, an das Rezept zu kommen. Generell verschreiben Praxen Medikamente nur an ihre eigenen Patienten. Gesundheitliche Probleme und Risiken müssten dafür bekannt sein. Außerdem soll so verhindert werden, dass ein Rezept unrechtmäßig erschlichen wird, so die Argumentation. Ob die elektronische Patientenakte in solchen Fällen künftig hilft, ist offen.
Als ein Zukunftsmodell gelten Medizinische Versorgungszentren (MVZ). So plant etwa die Stadtklinik Frankenthal, ihr MVZ um einen Hausarztsitz zu erweitern. Der Vorteil: Die Mediziner wären bei der Klinik in Teilzeit oder Vollzeit angestellt und müssten sich nicht um Personal- und Verwaltungsfragen kümmern. Frankenthal gilt laut KV als förderfähiges Gebiet, das heißt, sie bezuschusst Praxisübernahmen oder Niederlassungen. In eine ähnliche Richtung gehen auch Überlegungen in der Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim. Nach dem Aus einer Hausarztpraxis hat die Ortsgemeinde das Gebäude gekauft. Die Praxis wird ab Herbst von einer Allgemeinmedizinerin in Eigenregie betrieben mit der Option, dass sie in ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum umgewandelt wird, bei dem die VG der Arbeitgeber wäre.