Frankenthaler Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Hausarztmangel: Zwei Praxisaufgaben verschärfen die Lage

Wer einen Hausarzt hat, der noch nicht ans Aufgeben denkt, kann sich glücklich schätzen. Im Frankenthaler Umland schließen schon
Wer einen Hausarzt hat, der noch nicht ans Aufgeben denkt, kann sich glücklich schätzen. Im Frankenthaler Umland schließen schon wieder zwei Praxen, und die restlichen können wohl nicht alle Patienten aufnehmen.

In Heßheim wird die einzige Hausarztpraxis geschlossen, und auch aus Dirmstein zieht sich ein Allgemeinmediziner zurück. Die Menschen in der Region sind besorgt.

Wie vor den Kopf geschlagen waren Bürger und Kommunalpolitiker Anfang vergangener Woche, als eine schlechte Nachricht die Runde machte: In Heßheim wird die Hausarztpraxis von Sabine Allbach-Scheid und Joachim Scheid am 14. März schließen. Ihre Patienten müssen ihre weitere ärztliche Betreuung selbst organisieren, so heißt es auf einem Zettel, der am Eingang der Praxis in der Hauptstraße angebracht ist.

Die Betriebsaufgabe ohne dass ein Nachfolger in Sicht ist, kommt für alle Außenstehenden offenbar unerwartet. Ein RHEINPFALZ-Leser berichtet, er habe am Freitag noch ahnungslos die Praxis nach einem Termin dort verlassen und wenige Tage später von dem Zettel am Eingang erfahren. Er hat sich sofort gekümmert und ist froh, dass ein anderer Arzt ihn aufgenommen hat. Die Heßheimer Praxisbetreiber bezeichnen die Gründe für die Schließung gegenüber der RHEINPFALZ als persönlich, wollen keine näheren Auskünfte geben. „Die Zukunft des Praxisstandorts ist zur Zeit nicht abschließend geklärt“, scheibt Joachim Scheid. Der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz liegen zu dem Fall keine Informationen vor. Es stehe jedem Vertragsarzt frei, die Kassenzulassung ohne Gründe niederzulegen, heißt es auf Anfrage.

Korn: „Herber Verlust“

Nicht nur im Dorf und in der Facebookgruppe „VG Lambsheim-Heßheim“ hat die unerwartete Praxisschließung für Unruhe gesorgt, auch die Kommunalpolitik wurde von der Nachricht kalt erwischt. Von einem „herben Verlust für Heßheim“ spricht Ortsbürgermeister Holger Korn (SPD), der sich umgehend mit Verbandsgemeindebürgermeister Michael Reith (SPD) beraten hat. Die CDU-Fraktion im Heßheimer Gemeinderat beantragte am Wochenende bei der Verwaltung, mit dem Ärztepaar und der KV in Kontakt zu treten, „um zu erfahren, wie wir als Gemeinde helfen können“.

Am Freitag hat Michael Reith den Frankenthaler Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) kontaktiert und ihn gebeten, zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung hier im ländlichen Raum über die Einrichtung eines allgemeinmedizinischen Versorgungszentrums in der Stadtklinik nachzudenken. In Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) arbeiten mehrere ambulant tätige Ärzte unter einem Dach zusammen. In Monsheim zum Beispiel betreibt die Verbandsgemeinde ein kommunales MVZ unter anderem mit hausärztlichen Leistungen.

Praxis Chu schließt im Mai

Am Dienstagabend schließlich informierte Reith, dass er einen Grundsatzbeschluss vorbereitet habe: Die zuständigen VG-Gremien sollen ihm grünes Licht fürs Ausloten dieser Möglichkeit geben, am kommenden Montag wolle er das Monsheimer MVZ besichtigen. Im Raum steht, so liest man es aus dem Beschlussvorschlag heraus, dass das Zentrum in der Heßheimer Praxis eingerichtet werden könnte. Die VG wäre dann Arbeitgeber von Medizinern und Fachangestellten.

Selbst wenn hier ein Stein ins Rollen kommen sollte, nützt das den verunsicherten Scheid-Patienten im Moment nichts. Nach Informationen der RHEINPFALZ tun die Allgemeinmediziner in den umliegenden Orten ihr Möglichstes, um Patienten – teils trotz bestehenden Aufnahmestopps – bei sich aufzunehmen. „Jeder versucht, ein bisschen was abzufangen“, heißt es aus einem ärztlichen Betrieb, der nicht genannt werden will. „Seit dem 3. Februar werden wir mit Anfragen bombardiert, sei es telefonisch, per E-Mail oder indem die Leute vorbeikommen.“

Doch das Kümmern der Kollegen reicht wahrscheinlich nicht aus, auch weil die Heßheimer Praxis recht groß ist. Hinzu kommt: Das Praxissterben ist auch andernorts im Gange. Dirmstein etwa hat zwei hausärztliche Niederlassungen, von denen eine, die Allgemeinarztpraxis Chu, am 1. Mai schließt. Thong Quoc Chu begründet das so: Dirmstein sei die nicht sonderlich gut frequentierte Nebenbetriebsstelle seiner Hauptpraxis in Wattenheim, so Chu, und dort werde er vermutlich Patienten von zwei Hettenleidelheimer Praxen aufnehmen, die bald geschlossen würden. Die Dirmsteiner Klientel kann ihm zufolge nach Wattenheim wechseln, sofern ihr das nicht zu weit entfernt ist. Ein Physiotherapeut werde die Räume in der Dirmsteiner Marktstraße übernehmen.

KV sieht Politik in der Pflicht

Die Kassenärztlichen Vereinigung verweist Menschen auf der Suche nach einem Arzt generell an den Patientenservice mit der Telefonnummer 116117, der einen Überblick habe über Praxen in der Nähe, auch gefiltert nach Fachrichtungen. „Darüber hinaus unterstützt der Patientenservice 116117 telefonisch bei der Suche nach festen Haus- und Kinderarztpraxen“, teilt die KV-Pressestelle mit. Aus der Statistik der KV zur vertragsärztlichen Versorgung (Stand 31. Dezember 2024) geht hervor, dass in Frankenthal, Bobenheim-Roxheim und der VG Lambsheim-Heßheim 42,5 Hausarztsitze vergeben sind sowie 26 in Grünstadt und der VG Leiningerland.

Die KV sieht beim Stichwort Ärztemangel die Politik in der Pflicht und nennt als hinderliche Strukturen unter anderem Bedarfsplanung, Budgetierung, Bürokratie und fehlende Medizinstudienplätze. In Rheinland-Pfalz seien bereits über 370 Haus- und Facharztsitze unbesetzt. „Eine flächendeckende medizinische Versorgung wird zukünftig nur durch die Konzentration von Einrichtungen, längere Wege für Patientinnen und Patienten, den Ausbau der Delegation an nichtärztliche Fachkräfte, gezielte Telemedizin-Nutzung und flexible sowie temporäre Modelle möglich sein“, heißt es auf Anfrage. Die KV selbst versuche, dem Problem durch umfangreiche Beratung der Ärzte entgegenzuwirken, zum Beispiel mit Blick auf die Abgabe und Übernahme von Praxen.

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