Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Fundstück wird zum Medienstar: Das Geheimnis um Lissy

Eine Farbfotografie von Lissy wurde im Postkartenformat als Einladung zur Präsentation des Pferdeskeletts im Juni 2002 erstellt.
Eine Farbfotografie von Lissy wurde im Postkartenformat als Einladung zur Präsentation des Pferdeskeletts im Juni 2002 erstellt.

Wohl um das Jahr 800 lebte ein Pferd, das nach seiner Entdeckung im Jahr 2000 Lissy genannt wurde. Das Pferd ist Motiv einer farbigen Ansichtskarte.

Um die Geschichte Lissys zu verstehen, muss man sich gedanklich weit in die Vergangenheit zurückversetzen, ins 8. oder 9. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war Frankenthal noch eine kleine Siedlung, die an einem Seitenarm des Rheins lag. Der Ort wird in einer Urkunde des Klosters Lorscher als „Franconodal“ erwähnt.

Lissy, ein Pferd aus dem Jahr 800, stammt ursprünglich aus der Gegend um Koblenz. Es wurde vermutlich als Nutztier – sei es für den Lastentransport oder als Nahrungsmittel – nach Franconodal gebracht. Eines Tages ist das Tier jedoch im Rhein ertrunken und wurde von Sandschichten bedeckt. Das Pferd hat Jahrhunderte bis heute in recht guter Verfassung überstanden.

Im sandigen Grab

Nach den Überschwemmungen des Jahres 886 verlagerte sich das Rheinbett, was die Lebensverhältnisse in der Region erheblich veränderte. Die günstige Lage der Siedlung Franconodal am geschützten Hochufer des Flusses verschlechterte sich. Der Rhein war nun rund vier Kilometer entfernt, was den Fischfang erheblich erschwerte. Die östlich gelegenen Flächen unterhalb des Terrassenrandes waren durch Altrheingewässer, Sümpfe und Auenwälder nur eingeschränkt nutzbar. Die Menschen zogen sich weitgehend aus dem Raum zurück – nur Lissy blieb in ihrem sandigen Grab zurück.

Erst rund 1200 Jahre später tauchte das Pferd wieder auf. Im Dezember 2000 entdeckte Herbert Leidig bei Ausschachtungsarbeiten im Keller seines Hauses in der Neugasse das gut erhaltene Skelett des Tieres. Der Fund sorgte schnell für Aufsehen, sowohl in den Medien als auch in der Frankenthaler Bevölkerung. Mehr als 1000 Menschen besuchten Lissy – ein Name, der dem Pferd nach der Entdeckung gegeben wurde – direkt an ihrem Fundort.

Bald wurde das betagte Pferd vom Mainzer Amt für Denkmalpflege sachgerecht geborgen, untersucht und präpariert. Das rund 300 Kilo schwere Exponat bekam nach Ende aller Untersuchungen seinen neuen Aufenthaltsort im Kellergeschoss des Erkenbertmuseums. Am 5. Juni 2002 wurde Lissy der Öffentlichkeit als neues Schaustück den Frankenthalern präsentiert.

Wieder in Ruhephase

Mittlerweile ist Lissy jedoch zwangsläufig wieder in eine Ruhephase zurückgekehrt. Im Museumskeller befindet sich das Skelett derzeit in Quarantäne, fernab jeglichen Publikums. Erst nach der – zeitlich noch ungewissen – Wiedereröffnung des sanierten und neu gestalteten Museums wird das „Museums-Pferd“ wieder für Besucher zugänglich sein.

Die Serie

Der Blick in die Vergangenheit lässt Erinnerungen wach werden, wirft zuweilen Fragen auf und weckt das Bedürfnis nach mehr Information. Bebilderte Postkarten, sogenannte Ansichtskarten, übermitteln da sehr reizvolle Eindrücke, sind historische oder kunsthistorische Quellen – oder einfach nur nostalgische Erinnerungsobjekte.

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