Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Stadt spricht Machtwort bei Trainingszeiten

Wo der Ball rollt, das hat die Verwaltung zumindest bis Saisonende nun festgelegt. Richtlinien zur Belegung der Plätze in Franke
Wo der Ball rollt, das hat die Verwaltung zumindest bis Saisonende nun festgelegt. Richtlinien zur Belegung der Plätze in Frankenthal sollen die politischen Gremien beschließen.

Es brodelt in Frankenthals Fußballvereinen: Die Verteilung der Trainingszeiten auf den neun Freisportanlagen im Stadtgebiet und in den Vororten ist – nicht zum ersten Mal – alles andere als einfach. Eine Sitzung der Klubvertreter mit der Verwaltung am Dienstagabend brachte keine für alle Beteiligten akzeptable Lösung. Jetzt hat die Stadt ein Machtwort gesprochen.

In der Sitzung des Sportausschusses vergangene Woche endete die Analyse von Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) mit der Feststellung: Früher war alles besser. Die Verwaltung habe sich in die Planung der Trainingszeiten nicht eingemischt, nicht einmischen müssen, weil die Vereine diese Aufgabe im Wesentlichen unter sich gelöst hätten. Inzwischen ist das Ganze komplexer: Einige Klubs haben starken Zulauf in der Jugend, manchen fehlt Personal bei den Aktiven und wieder andere müssen ohne eigenes Gelände und Vereinsheim zurechtkommen. Es gleicht der Quadratur des Kreises. Allen Wünschen gerecht zu werden, erscheint unmöglich.

Das Kernproblem nennt OB Hebich im Ausschuss einen „Geburtsfehler“: Mit wenigen Ausnahmen gehören die Sportanlagen der Stadt, die dazugehörige Infrastruktur – sanitäre Anlagen und Kabinen – jedoch den ortsansässigen Vereinen. Die haben in der Regel viel Geld und Arbeitsstunden in Bau und Unterhalt der Immobilien gesteckt. Sie außerhalb des Spielbetriebs für fremde Mannschaften zu öffnen, kommt für die meisten nicht in Frage. Die Hoffnung, dass sich dieses Problem in diesem Jahr nach der Auflösung des Pirates F.C. mit einem Verein weniger leichter lösen ließe, hat sich indes nicht erfüllt – im Endeffekt hat die Verwaltung ein Machtwort gesprochen, sprechen müssen, weil die Fronten zwischen den Akteuren verhärtet sind. Das war nach Aussage von Teilnehmern der Sitzung mit Stadt und Vereinen auch am Dienstagabend deutlich spürbar: „Es wurde ordentlich geholzt.“

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Gerücht sorgt für Ärger

Beispiel Studernheim: Der dortige SV übt sich seit einigen Jahren in Koexistenz mit dem FC Arabia – mehr schlecht als recht, was beispielsweise die Nutzung der Umkleidekabinen oder das kurzfristige Ansetzen von Freundschaftsspielen unter der Woche angeht. Für Aufregung sorgt zuletzt das Gerücht, auf dem mit Flutlicht ausgestatteten Kunstrasen des Vororts trainiere seit Neuestem mit Blau-Weiß Oppau ein Team aus der Nachbarstadt Ludwigshafen.

SV-Vorstand Stefan Hannappel stellt klar: Weil seine Erste Ende vergangenen Jahres auf 14 Mann geschrumpft war, schon zwei Partien abgesagt hatte und bei einer dritten Absage der Zwangsabstieg drohe, habe sich der Studernheimer Klub zur Kooperation mit Oppau entschieden. Die sieht seiner Darstellung nach so aus: Alle Spieler sind bis Ende der laufenden Runde in beiden Vereinen Mitglied. Das sei vertraglich geregelt. Während der Saison könne keine Spielgemeinschaft gegründet werden.

Vatanspor darf umziehen

Beispiel Mörsch: Seit inzwischen drei Jahren teilen sich der örtliche ASV und Vatanspor Frankenthal Trainingszeiten und Spielfeld auf dem Gelände am Dorfrand. Ursprünglich sollte diese Konstruktion nur eine Übergangslösung sein. Zum Problem hat sich aus Sicht von Vatanspor-Chef Ferhat Ellek vor allem entwickelt, dass Aktive (Mörsch) und Jugendteams (PIH-Platz Benderstraße) ihre Übungseinheiten an unterschiedlichen Orten absolvieren müssen. Für Zusammenhalt und Vorbildfunktion innerhalb des wachsenden Vereins nicht gerade ideal, findet Ellek.

Die Stadt hat sich angesichts der Interessenlage entschieden zu tun, was sie eigentlich nicht wollte: eine Vorgabe machen, wie es weitergehen soll. Basis seien, wie die Verwaltung auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärt, Gespräche mit den derzeit besonders vom Platzmangel betroffenen Klubs. Geplant ist demnach Folgendes: Die Aktiven von Vatanspor ziehen als Nachfolger von Pirates F.C. auf den PIH-Kunstrasen, haben dort abends zweimal drei Stunden wöchentlich zur Verfügung und damit „die Möglichkeit einer Verbesserung der Gesamtsituation des Vereins“, findet die Stadt. Allerdings muss die Vatanspor-AH weiter in Mörsch kicken, weil der PIH-Platz aufgrund seines Zustands, Stichwort Klumpenbildung, keine intensivere Nutzung erlaubt.

Kompromiss in Studernheim

Damit räumt die Verwaltung den Interessen von Vatanspor Vorrang gegenüber einer Idee ein, die FC Arabia und DJK Schwarz-Weiß für das PIH-Gelände entwickelt hatten. Die Klubs wollten generell enger zusammenarbeiten und ihre AH-Teams fusionieren. Arabia wäre dafür aus Studernheim an die Benderstraße umgezogen. Die Bereitschaft zu eigenständigen Lösungen lobt die Stadt zwar, will aber Vatanspor nicht benachteiligen.

Für die Situation in Studernheim schlagen die Verantwortlichen einen zeitlich befristeten Kompromiss vor: Bis Rundenende übernimmt das Arabia-Team die Trainingszeiten der SV-Aktiven – zweimal pro Woche zwei Stunden. Die Truppe aus Oppauer und Studernheimer Akteuren muss, wie SV-Chef Hannappel auf Nachfrage erklärt, vorerst wohl oder übel auf dem Blau-Weiß-Gelände ihre Einheiten absolvieren – auf einem Hartplatz.

Gelten sollen die neuen Regelungen ab kommender Woche und zunächst bis zur neuen Spielzeit, ein entsprechendes Schreiben gehe am Freitag an die Vereine, sagt Oberbürgermeister Hebich. Ihm ist bei seinem Vorschlag wichtig: „Es wird niemandem etwas weggenommen.“ Er sieht aber auch die Notwendigkeit, die Dinge künftig grundsätzlicher zu regeln. Dafür soll es Richtlinien der Stadt für die Vergabe der Trainingszeiten geben, die den jeweils ortsansässigen Vereinen gegenüber neu gegründeten Klubs Priorität einräumen.

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