Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Sportanlagen: Zu wenig Platz zum Kicken

Wer darf wann welchen Sportplatz nutzen? Diese Frage hat in jüngster Zeit zunehmend auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung beschäf
Wer darf wann welchen Sportplatz nutzen? Diese Frage hat in jüngster Zeit zunehmend auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung beschäftigt.

Die komplizierte Phase der Saison hat wieder begonnen. In der dunklen, feuchten und kalten Jahreszeit müssen die Frankenthaler Fußballer zusammenrücken, weil Flutlicht fehlt oder Naturrasenplätze nicht benutzbar sind. Und dann sind auch noch neue Teams hinzugekommen. Die Lösung: der Bau eines neuen Spielfelds. Aber wo?

Lange ist es gut gegangen: Da hatte die Stadt mit der Belegung der Plätze auf den neun Frankenthaler Freisportanlagen wenig zu tun. Die Vereine haben sich untereinander geeinigt, wenn Felder kurzfristig unbespielbar waren oder die Trainingszeiten in den kritischen Herbst- und Wintermonaten verteilt werden mussten. Es gründeten sich weitere Klubs. Die Folge: mehr Teams, weniger Kapazitäten. Als dann im Sommer vergangenen Jahres der Hartplatz im Pilgerpfad völlig am Ende war, wurde es schließlich richtig kompliziert.

Und seitdem ist die Verwaltung – genauer: ihr Fachbereich Kultur und Sport – mit Krisenmanagement beschäftigt. Mit wechselndem Erfolg: Der FC Arabia hat zwar vor allem spätabends Trainingszeiten und einen kleinen Container für die nötigsten Utensilien auf dem Studernheimer Kunstrasen bekommen, richtig glücklich ist die Truppe damit aber offenbar nicht. Stress gibt es außerdem in Mörsch, wo die Spieler von Vatanspor unter ähnlichen Voraussetzungen an Taktik und Technik feilen, aber der ASV ihnen weder Umkleiden noch Duschen im Vereinsheim zur Verfügung stellen möchte.

Nur Notlösungen

In einer für die Sitzung des Sportausschusses diese Woche zusammengestellten Übersicht zu sämtlichen Sportplätzen kommt die Verwaltung in den beiden genannten Fällen zum selben Schluss: Die in vielen Gesprächen gefundenen Arrangements sind und bleiben Notlösungen. Und sie sind außerdem das Resultat einer Frankenthaler Spezialität: Mit wenigen Ausnahmen gehören die Sportanlagen der Stadt, die dazugehörige Infrastruktur – sanitäre Anlagen und Kabinen – aber den ortsansässigen Vereinen.

Die haben in der Regel viel Geld und Arbeitsstunden in Bau und Unterhalt der Immobilien gesteckt. Entsprechend gering ist dort insofern die Bereitschaft, sie außerhalb des Spielbetriebs noch für fremde Mannschaften zu öffnen. „Das ist eine hoch emotionale Sache“, fasste Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) die Gemengelage am Dienstagabend vor dem Gremium zusammen. Verschärft werde das Problem zusätzlich in der kalten und dunklen Jahreszeit, weil nicht alle Spielfelder Flutlicht hätten und Naturrasenplätze bei Nässe und Frost wegfallen. Dann ist Zusammenrücken angesagt.

Hartplatz aufmotzen?

Was tun also? Schon im Planungs- und Umweltausschuss im September hatte die Verwaltung die Idee ins Spiel gebracht, einen neuen Sportplatz im künftigen Gebiet Am Speyerbach zu integrieren. Das Urteil der städtischen Planer: Lärmtechnisch wäre das trotz der vorgesehenen Wohnhäuser machbar. Der Stadt gehören zudem südlich der Schraderstraße einige Grundstücke. Inklusive eigener Kabinengebäude mit Klos und Waschräumen wäre die größte Platznot erst einmal behoben. Geschätzte Kosten: mindestens 1,5 Millionen Euro.

Viel Geld. Warum nicht einfach das erwähnte Sportgelände an der Friedrich-Ebert-Schule aufmotzen? „Kurzfristig machbar“, hält dazu die Vorlage der Verwaltung fest. Aber nur – wie bisher schon – als Tennenplatz. Eine Sanierung mit anderem Belag müsste nach Aussage des OB neu genehmigt werden und würde wohl an den inzwischen schärferen Lärmrichtlinien scheitern. Auch unter den bisherigen Voraussetzungen kein ganz unbekanntes Problem im Pilgerpfad: Eine Pokalbegegnung zwischen dem Pirates F.C. und dem SV Studernheim hatte das Ordnungsamt nach Beschwerden geräuschempfindlicher Anwohner im Sommer 2019 mitten im Elfmeterschießen abgebrochen.

Standort im Süden

Dass mit der Alternative Am Speyerbach dennoch ein Standort im Süden der Stadt favorisiert ist, begründet Martin Hebich unter anderem auch mit dem laufenden Entwicklungsprozess für Pilgerpfad und Jakobsplatz: Zu der dort gewählten Form der Bürgerbeteiligung und dem Ziel, dort ergänzend ein Projekt Soziale Stadt zu etablieren, „gehört ein Sportplatz einfach dazu“, sagt der Rathauschef.

Den Ausschuss hat er mit seinen Vorstellungen am Dienstag noch nicht vollkommen überzeugt: Gunther Koch (SPD) zweifelte daran, dass die Anzahl von Teams immer so hoch bleibe wie derzeit, und spricht von einer „risikobehafteten Planung“. Der Grüne Baha Gürüz wiederum schlug vor, mal in der Nachbarschaft nach Lücken im Trainingsplan zu fahnden – beispielsweise im Ludwigshafener Stadtteil Pfingstweide oder in Heßheim. Und für Angelika Gürtler (FDP) stellte sich die Frage, ob die Größe von Vereinen wie Vatanspor oder Arabia die Investition in einen Neubau rechtfertigt.

Zumindest aus Sicht des Oberbürgermeisters ist das so: Alter und Größe des Vereins spielten keine Rolle, die jüngeren Klubs hätten insofern dieselben Ansprüche auf Spiel- und Trainingsmöglichkeiten wie die anderen. Lohnen würde sich das Vorhaben Neubau schon deshalb, weil der ja nur Ersatz für den Wegfall des maroden Hartplatzes im Pilgerpfad sei. Die Chancen auf eine interkommunale Zusammenarbeit beurteilt Hebich skeptisch. Bereichsleiterin Julia Hoppe habe zumindest die Erfahrung gemacht: Wenn es um Ausweichmöglichkeiten gegangen sei, „war manchen schon der Weg nach Eppstein zu weit“.

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