Frankenthal Frankenthaler "Pilgerpfad": Zunehmende Entfremdung

Zentrum des Gebiets Pilgerpfad: der Jakobsplatz. „Das Leben findet woanders statt“, sagt Ralf Zeeb. Auch an Markttagen sei hier
Zentrum des Gebiets Pilgerpfad: der Jakobsplatz. »Das Leben findet woanders statt«, sagt Ralf Zeeb. Auch an Markttagen sei hier nicht mehr viel los.

"Ureinwohner" des in den 60-er Jahren erschlossenen Wohngebiets sterben aus - Immer weniger Pflege des Miteinanders

Im Pilgerpfad herrscht eine zunehmende Entfremdung. Das sagen die protestantische Gemeinde im Ökumenischen Gemeindezentrum (ÖGZ) Pilgerpfad und der Gemeindepädagogische Dienst (GPD) des Dekanats Frankenthal. Mit einem gemeinsamen Projekt will man jetzt auf Spurensuche im Stadtteil gehen. Weil in den 1960er-Jahren die Wohnungsnot aufgrund der Einwanderung von vielen Gastarbeitern groß war, wurde das Baugebiet Pilgerpfad angeschoben. Aus einst Fremden wurde eine Gemeinschaft. Heute sei wieder eine gegenteilige Entwicklung zu verspüren, meint Ralf Zeeb, Gemeindediakon im Pilgerpfad und GPD-Mitarbeiter. Dass diese Aktion mit dem 50-jährigen Bestehen des Stadtteils zusammenfällt, ist laut Zeeb Zufall. „Die ,Ureinwohner’ des Pilgerpfads sterben aus“, sagt Ralf Zeeb im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Er meint damit jene Bewohner des Stadtteils, die Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre hier sesshaft wurden. Viele von ihnen hätten noch selbst gebaut und deshalb einen ganz anderen Bezug zur Umgebung. Die subjektive Wahrnehmung von Zeeb: Die Bewohner des Pilgerpfads, die schon sehr lange hier leben, kennen sich noch, pflegen ein Miteinander. Allerdings bröckele es an vielen Stellen. Ausdruck dieser Erosion sei unter anderem der einst gut bestückte Wochenmarkt: „Heute steht auf dem Jakobsplatz nur noch der Eierstand.“ Der halte allerdings jetzt schon seit einiger Zeit hartnäckig durch. Die Arbeitsgemeinschaft Süd habe sich vor einigen Wochen aufgelöst, zählt Zeeb weiter auf. Ein Stadtteilfest sei früher über drei Tage gefeiert worden. Heute gehe es gerade noch so an einem Tag, ergänzt Gemeindemitglied und Projektmitarbeiter Erich Sauer. Jatzfest, Weihnachtsmarkt – Zeeb und Steuer kommen beim Nachdenken auf weitere Ereignisse, die im Laufe der Zeit „eingeschlafen“ sind. Es bestehe einfach nicht mehr viel Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil, meinen die Projektinitiatoren. Zeeb sieht den Pilgerpfad fast nur noch als Schlafstätte. Das Leben finde woanders statt. Leider müsse das Jugendcafé aus seinem bisherigen Domizil weichen, weil die Friedrich-Ebert-Schule den Platz benötige. Dabei sei im Prinzip vieles vorhanden: zwei Schulen, zwei Kindergärten, ein Einkaufsmarkt. Allerdings gebe es in den Ladengeschäften im Zentrum auch viele Leerstände. Die Innenstadt sei vom Pilgerpfad aus jedoch gut erreichbar. Die Pilgerwiese sei zwar als Hundeauslaufplatz schon irgendwie ein Platz, an dem man sich treffe. Wenig Anklang habe allerdings das sogenannte urbane Gärtnern gefunden, bei dem Bewohner ein Stück Garten auf der Wiese anlegen und pflegen können. Laut Stadtverwaltung sind rund ein Fünftel der circa 7200 Bewohner des Pilgerpfads Ausländer (Stand 2017). Die wahrgenommene Entfremdung habe nun dazu bewogen, im Pilgerpfad ein Projekt zu starten, bei dem versucht werden soll, die Menschen wieder für ihren Stadtteil zu interessieren und zusammenzuführen. Teil eins ist auf Donnerstag, 24. Mai, 19.30 Uhr, im Ökumenischen Gemeindezentrum terminiert. An diesem Abend wird Bernd Leidig, Vorsitzender des Altertumsvereins, in einem Vortrag die Besucher in die Geschichte und Entwicklung des Pilgerpfads einweihen. Bilder aus der Anfangszeit sollen in digitalisierter Form gezeigt werden. Sollte es am ersten Abend eine entsprechend große Resonanz geben, soll in einem zweiten Schritt der Brückenschlag in die Gegenwart gesucht werden, erläutert Zeeb. Dann wollen die Initiatoren des Projekts dazu aufrufen, Lieblingsplätze, aber auch die weniger schönen Punkte im Stadtteil in Bildern festzuhalten. Das Material soll dann zu einer Ausstellung zusammengefasst werden. Termin Vortrag von Bernd Leidig über die Geschichte und Entwicklung des Stadtteils am Donnerstag, 24. Mai, 19.30 Uhr, im Ökumenischen Gemeindezentrum.

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