Frankenthal
Frankenthaler Altera Senioren-Domizil: Land lockert Auflagen weiter
Der im Frühjahr für das Altera Senioren-Domizil verhängte Aufnahmestopp ist vorerst aufgehoben. Das hat das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung auf RHEINPFALZ-Anfrage mitgeteilt. Ab Oktober hat die Behörde dem Pflegeheim bis zu fünf Neuzugänge pro Woche erlaubt. Ein Grund für die weitere Lockerung der Auflagen: die veränderte Personalpolitik.
Ende Juli hatte das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung grünes Licht dafür gegeben, dass in zwei der drei Wohnbereiche des Altera Senioren-Domizils wieder wöchentlich neue Bewohner einziehen dürfen (wir berichteten). Nun hat die Landesbehörde den Aufnahmestopp, der wegen erheblicher Mängel in der Pflege und großer Probleme beim Personal verhängt wurde, vorerst aufgehoben: Ab 1. Oktober sind dem Pflegeheim an der Schraderstraße wieder Neuzugänge in allen Wohnbereichen erlaubt – in Summe bis zu fünf pro Woche.
Weiter streng im Blick
Die Entscheidung, dem Haus nach einem turbulenten halben Jahr mehr Neuaufnahmen zu erlauben, sei nach einer erneuten Prüfung im September gefallen, teilte die Landesbehörde auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Geknüpft ist die Lockerung der Auflagen für Altera allerdings an die Forderung, in dem dritten, wieder freigegebenen Wohnbereich „sehr maßvoll vorzugehen“, wie eine Sprecherin des Landesamts es formuliert. Dem habe der seit Mitte Juni amtierende Geschäftsführer Hans-Georg Pompe zugestimmt. Ob es bei dieser Regelung bleibt, hänge „von den Ergebnissen weiterer Prüfungen ab“. Mit anderen Worten: Das Landesamt hat Altera weiter streng im Blick. Dieses Prinzip hat sich nach Einschätzung des Landesamts bewährt: Der „eingeschränkte Aufnahmemodus“ in zwei Wohnbereichen seit Ende Juli habe in Verbindung mit neuem Personal „die beabsichtigten Verbesserungen der Struktur- und Prozessqualität“ ermöglicht. Zwar stehen nach Angaben der Behördensprecherin noch Ergebnisse einer Regelprüfung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) im September aus. Generell sei die Einrichtung aber weiter im Aufwärtstrend: Es gebe eine neue Heimleitung; freiberufliche Mitarbeiter oder Leasingkräfte würden schrittweise durch Festangestellte ersetzt. Bei allem Lob hält das Landesamt in seiner Stellungnahme allerdings auch fest, dass es nach wie vor Bereiche bei Altera gebe, die „Bearbeitungsbedarf aufweisen“.
„Hausgemachte Probleme“ beseitigen
Den Aufwärtstrend, den das Landesamt konstatiert, führt Geschäftsführer Pompe in erster Linie auf das Beseitigen „hausgemachter Probleme“ zurück. Die Leitung der Wohnbereiche sei neu besetzt, ein Wechsel an der Spitze der Einrichtung herbeigeführt worden. Als er vor etwas mehr als einem Vierteljahr das Kommando übernommen habe, sei es „schon fünf nach zwölf“ gewesen, sagt der 60-Jährige Badener. Der Verbesserungsprozess sei freilich noch nicht am Ende: Schritt für Schritt wolle er Leasing- und Einzelverträge mit externen Mitarbeitern weiter reduzieren, das nachrückende Personal nur noch direkt anstellen. Mehr als 20 neue Leute seien seit seinem Einstieg im Juni gekommen. Pompes Analyse der Fehler der Vergangenheit: „Es wurde zuviel verwaltet.“ Er vertrete seit jeher das Prinzip einer pflegeorientierten Leitung. Die Konzentration auf dieses Kerngeschäft hätten nicht zuletzt die Bewohner, inzwischen sind es in dem 127-Betten-Haus wieder deutlich über 70, verdient. Die zahlten ja schließlich die Gehälter. Von „gefährlicher Pflege“ könne bei Altera nicht mehr die Rede sein, betont Pompe. Dem pflichtet im Gespräch mit der RHEINPFALZ auch Pflegedienstleiterin Carola Kindt bei. Es werde ein hoher Personalschlüssel in jeder Schicht gefahren. Das alles, um zu vermeiden, dass sich wiederholt, was das Altera-Pflegeheim in die Schlagzeilen gebracht hatte: der Fall einer 92-Jährigen, deren bei einem Sturz erlittene Armfraktur zunächst nicht erkannt und zu spät behandelt worden sein soll. Inzwischen seien, beteuert Hans-Georg Pompe, die Rückmeldungen von Ärzten wieder positiv.
Ziele mit Altera
Auch wenn der Geschäftsführer, der als Feuerwehrmann im Juni gekommen ist, sich auf Nachfrage nicht festlegen möchte, wie lange er in Frankenthal bleibt, Ziele hat er mit Altera: Pompe möchte neben der Sicherung der Pflegequalität auch ein Alleinstellungsmerkmal schaffen und setzt hier nach seiner eigenen Darstellung auf Musiktherapie. Dieses Konzept habe bei früheren Stationen seiner Laufbahn in der Pflegebranche – beispielsweise am Tertianum in München – gut funktioniert. Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen hofft Pompe, dass die letzten Hemmnisse bei der Belegung bald beseitigt sind: „Wir müssen raus aus diesem Korsett.“