Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Fotoprojekt in Klinik: Dank für Einsatz während der Pandemie

Zweimal Juliane Hoffmann: Nadine von der Ruhren hat die Pflegerin in ihrer Freizeit ...
Zweimal Juliane Hoffmann: Nadine von der Ruhren hat die Pflegerin in ihrer Freizeit ...

Respekt ausdrücken für diejenigen, die an vorderster Front um das Leben von Corona-Patienten kämpfen – das ist Ziel des Porträtprojekts „#stattklatschen“ der Fotografin Nadine von der Ruhren. Im Gespräch mit Jörg Schmihing berichtet die promovierte Tierärztin, was sie an den Mitarbeitern der Stadtklinik extrem beeindruckt hat.

Sie spielen mit dem Titel „#stattklatschen“ auf den Beifall an, der Beschäftigten im Gesundheitswesen zu Beginn der Pandemie vielerorts von Balkonen gespendet wurde. Was wollen Sie damit ausdrücken?
Ich fand die Aktion „Klatschen“ sehr schön und wichtig. Mir war das allerdings etwas zu anonym. Es diente wahrscheinlich eher zur Beruhigung der Bevölkerung, die sich im Lockdown zu Hause irgendwie hilflos fühlte und ihre Anteilnahme ausdrücken wollte, als dem Gesundheitspersonal. Mir fehlten Aktionen, die dem Pflegepersonal auf der Corona-Station in der Stadtklinik direkt zugutekommen, die für uns seit Beginn der Pandemie die Kohlen aus dem Feuer geholt und zu unserem Glück durchgehalten haben. Vereinzelt gab es die auch – etwa in Form von Spenden.

Sie haben Stadtklinik-Mitarbeiter in Berufskleidung und sozusagen in Zivil fotografiert. Was möchten Sie mit diesem Gegensatz zeigen?
Das dient dazu, sich ganz persönlich bei einzelnen Mitarbeitern der Stadtklinik zu bedanken, ihnen Respekt zu zollen und ihnen Aufmerksamkeit zu verschaffen, indem ich sie als „Mensch“ und nicht nur als „Gesundheitspersonal“ darstelle. Ursprünglich wollte ich sie in ihrer privaten Umgebung fotografieren, was aber zeitlich und auch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht möglich war.

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ZUR SACHE

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Ich finde, die Bilder wirken sehr spontan. Wie sind die Aufnahmen entstanden?
Genau! Sie sind in kürzester Zeit innerhalb der Arbeitszeit entstanden. Ich wollte sie bewusst in einem Moment bei der Arbeit spontan fotografieren, um die Situation so authentisch wie möglich aussehen zu lassen. Absichtlich habe ich auf großen Lichtaufbau und das Nachstellen von Arbeitsabläufen verzichtet, weil das der Realität nicht im Geringsten hätte entsprechen können. Dokumentationen und Schreckensnachrichten haben wir ja auch schon zur Genüge gesehen. Es ging wiederum nur um die Person an sich.

Wie groß war die Bereitschaft zum Mitmachen?
Das kann ich nicht so richtig beantworten, weil ich nicht weiß, wie viele sich gegen eine Teilnahme entschieden hatten. Es gab aber auch einen Mitarbeiter, der kein Statement abgeben wollte, weil er seinem Unmut nicht öffentlich Luft machen wollte.

In den Statements zu den Fotos wird deutlich, dass sich Ärzte und Pfleger mehr echte Wertschätzung wünschen. War das auch Ihr Eindruck?
Ja, ich hörte aber keine Klagen, sondern eher den Wunsch nach mehr Anerkennung. Bei jedem Einzelnen wurde deutlich, dass er oder sie seine Arbeit aus vollster Überzeugung und mit großer Motivation ausübt. In den Statements wird aber auch die persönliche Belastung während der Arbeit, durch die langen Zeiten im Intensivzimmer, und im privaten Umfeld, wie zum Beispiel die gesellschaftliche Isolation, erkennbar.

Ihr Projekt ist Teil einer Initiative, mit sich der Lions-Club bei den Klinik-Mitarbeitern bedanken möchte. Wie kam das zustande?
Mein Mann Tilmann Hezel ist Mitglied im Lions-Club. Präsident Josef Haltenberger, der Mediziner Claus Lang und weitere Mitstreiter ließen sich gleich für die Aktion begeistern und haben sie in das große Vorhaben mit Konzert und Feier für die Stadtklinik integriert. Für diese Unterstützung danke ich dem Club. Sie ist mir sehr viel wert. Interview: Jörg Schmihing

Zur Person

Nadine von der Ruhren hat Veterinärmedizin studiert. Bei einem Aufenthalt in den USA (Baton Rouge, Louisiana) entdeckte sie ihre Liebe zur Fotografie, die sie dann professionalisierte. Nach der Rückkehr nach Deutschland gründete von der Ruhren in Frankenthal die Fotowerkstatt und gab bei Kursen ihr Wissen weiter. Von der Ruhren arbeitet als Tierärztin in einer Praxis in Ludwigshafen.

... und während der Arbeit in der Stadtklinik Frankenthal fotografiert.
... und während der Arbeit in der Stadtklinik Frankenthal fotografiert.
So authentisch wie möglich sollten die Bilder sein: Nadine von der Ruhren.
So authentisch wie möglich sollten die Bilder sein: Nadine von der Ruhren.
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