Frankenthal
Fachmann: Vermeintlicher Wolf wohl eher streunender Hund
Die Begegnungen zwischen Mensch und Tier, die in Frankenthal und Umgebung in den vergangenen Tagen stattgefunden haben und die zum Teil mit Fotos und Videos dokumentiert worden sind, fallen für Michael Back nach rein wissenschaftlichen Maßstäben in die Kategorie „C3“. Der bei den Landesforsten für das Großkarnivoren-Monitoring in Rheinland-Pfalz zuständige Experte versteht unter diesem Begriff aus dem Katalog der sogenannten Scalp-Kriterien, die beim Überwachen von Wölfen, Luchsen und Bären angewandt werden, einen unbestätigten Hinweis. Das bedeutet: Hundertprozentig ausschließen, dass es sich bei dem gesichteten Tier um einen Wolf gehandelt hat, das kann Back nicht. Aber er kann es ebenso wenig bestätigen.
Merkmale „wolfsuntypisch“
Vielmehr deutet für den Fachmann einiges darauf hin, dass der an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet und im Umland beobachtete Vierbeiner ein streunender Hund ist. Michael Back hat zudem nach eigener Darstellung mehrfach Hinweise auf ein konkretes Tier bekommen: einen Tschechoslowakischen Wolfshund, der vor einigen Jahren im Kreis Bad Dürkheim als vermisst gemeldet wurde. Dessen früherer Halter äußert sich gegenüber der RHEINPFALZ skeptisch: Die ihm bekannten Bilder aus dem aktuellen Fall zeigten „keine Ähnlichkeit“ mit seinem Hund. Es dürfte sich seiner Annahme nach um einen anderen ausgebüxten Wolfshund handeln, der aus der Entfernung oder bei schwierigen Lichtverhältnissen mit seinem wilden Verwandten, dem Wolf, verwechselt werden könnte.
Michael Back jedenfalls hat für den Abgleich mit dem Foto- und Videomaterial, das ihm vorliegt, noch weitere Kriterien genutzt und darin einige Merkmale und Verhaltensweisen entdeckt, die er als „wolfsuntypisch“ bezeichnet. Ihm fehlten unter anderem das eher „hoppelnde“ Bewegungsbild des Wildtiers und der charakteristische helle Sattelfleck im Rückenfell. Hinzu kommen weitere Äußerlichkeiten wie die abfallende Rückenlinie.
Viele Hinweise eingegangen
Nicht zu einem Wolf passt nach Backs Einschätzung auch, wie sich das Tier verhalten habe, als es im Heßheimer Viertel auf Menschen getroffen sei. Die Fotos zeigten, dass der Vierbeiner eine geduckte Haltung eingenommen habe, ehe er sich trollte. Ähnliches sei in dem übers Internet verbreiteten Video erkennbar. „Das würde ein Wolf niemals machen“, sagt der Fachmann. Weitere Erkenntnisse erhofft er sich noch von einem tagsüber in der Nähe von Eppstein aufgenommenen Film, der ihm angekündigt worden sei. Überhaupt kann sich Michael Back nach dem ersten RHEINPFALZ-Bericht kaum vor Hinweisen retten: „Es geht richtig ab.“
Einer derjenigen, die dem rätselhaften Streuner persönlich begegnet sind, ist Raziel Mayer. Er und seine Frau Sandra beschreiben das Aufeinandertreffen als „aufregend und spannend“. Zunächst hätten sie gedacht, das Wesen, das nachts gegen halb eins auf ihr Auto zulief, sei ein Hund. Aus der Nähe sei die Ähnlichkeit mit einem Wolf dann allerdings größer gewesen. Mayers Eindruck von ihm: „Er war scheu und wollte uns einfach nur aus dem Weg gehen. Von Aggression war zu keiner Zeit etwas zu merken.“
Gesehen hatten sie das Tier zunächst auf dem Westring, dann sei es ins Wohngebiet gerannt. „Wir fuhren um den Block, um zu sehen, ob wir ihn noch mal finden.“ Und dann habe er an der Rosenstraße gestanden. Sie hätten vor ihm angehalten, seine Frau sei ausgestiegen und er habe seine Tür geöffnet. Auf Rufe habe er nicht reagiert, sagt Mayer. Er habe seine Tür dann fast geschlossen, „um ihm nicht das Gefühl zu geben, dass wir ihn bedrängen“. Das Ende der Episode: Der vermeintliche Wolf lief „friedlich und zügig“ vorbei und verschwand in den dunklen Seitenstraßen.