FRANKENTHAL RHEINPFALZ Plus Artikel Exco wächst mit Medizintechnik

Von Exco entwickelt: Dieses Nadeladapter ist das Herzstück einer Anlage, die für die Prüfung elektronischer Baugruppen in Medizi
Von Exco entwickelt: Dieses Nadeladapter ist das Herzstück einer Anlage, die für die Prüfung elektronischer Baugruppen in Medizingeräten eingesetzt wird. Über die Nadeln wird der Kontakt hergestellt. Ein computergesteuertes System erfasst darüber die Messwerte und sagt, ob die Qualität stimmt.

Die Exco-Gruppe, weltweit aktiver technischer Dienstleister mit Sitz in Frankenthal, sieht sich auf gutem Weg. Der Schwerpunkt Medizintechnik sei „krisenfest“, sagte im Gespräch mit der RHEINPFALZ Gesellschafter Thomas Wolf. Für 2020 könne man einen etwas höheren Umsatz erwarten als 2019.

In den zurückliegenden Monaten waren sie wegen der Corona-Krise häufiger in den Nachrichten zu sehen: Beatmungsgeräte des führenden deutschen Herstellers Drägerwerk AG. Der Medizintechnik-Spezialist aus Lübeck ist ein Kunde, mit dem Exco aus Frankenthal seit Jahren zusammenarbeitet. „Wir prüfen dort pneumatische Ventile“, erklärt Thomas Wolf. Der Diplomingenieur ist im Unternehmen als Prokurist für Marketing, Kommunikation und Verkauf zuständig. Und die Nachfrage bei Dräger und zwei weiteren Kunden in der Region dort sei so groß, dass man derzeit überlege, eine neue Niederlassung Nord zu gründen, sagt der 49-Jährige.

In der Medizintechnik ist die 1994 gegründete Exco GmbH seit Jahren mit Beratung und technischen Dienstleistungen besonders stark aktiv – einer Branche mit überdurchschnittlichen Zuwachsraten, die sich auch 2020 nach Einschätzung des Unternehmens als „robust und krisenfest“ erweist. Stolz ist man darauf, auch einen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Corona-Krise leisten zu können. Weltweit aktive, marktführende Unternehmen aus den Bereichen Beatmungstechnik, Intensivmedizin und Diagnostik gehörten ebenso zu den Kunden wie junge Firmen, „die zurzeit an Corona-Schnelltests arbeiten“, erklärt Barbara Oppermann, im Unternehmen zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.

Viel Beratungsgeschäft

Als besonders interessanten Standort nennt Thomas Wolf Jena in Thüringen. Da gebe es einerseits die großen Player Carl Zeiss und Jenoptic, andererseits aber – zum Teil durch Ausgründungen daraus hervorgegangen – auch viele interessante kleine und mittelständische Unternehmen, darunter „rund 300 Medizintechnik-Firmen, zum Teil Start-Ups“. Mit diesen „machen wir viel Beratungsgeschäft“, berichtet Wolf. Dass das Land dafür Fördermittel gebe, sei ein positiver Faktor.

Etwa 80 Mitarbeiter beschäftigt die Exco GmbH in ihrer Zentrale in der Adam-Opel-Straße, rund 20 sind es in der Tochtergesellschaft Exco PCC, etwa 250 in der Gruppe mit acht Niederlassungen in Deutschland und der Schweiz. Ein Stichwort habe im Vorjahr intern ganz oben auf der Agenda gestanden, berichten Wolf und Oppermann: Digitalisierung. Technische Ausstattung und Software habe man auf den neuesten Stand gebracht, die Voraussetzungen für Videokonferenzen geschaffen, auf das „papierlose Büro“ umgestellt. Zudem habe man sich organisatorisch neu aufgestellt, sodass Kunden bei großen Projekten nun einen festen Ansprechpartner hätten. Wesentliches Ziel bei all dem: „weniger Reibungsverluste“.

Schnelle Reaktion

Von Corona war damals noch nicht die Rede. Nun aber, angesichts der Pandemie mit all ihren schwierigen Begleiterscheinungen, seien die erzielten Fortschritte umso wichtiger. „Das hat uns extrem geholfen“, sagt Wolf. „Mobiles Arbeiten“ gehöre für die meisten Beschäftigten mittlerweile zum Alltag; das komme auch den Bedürfnissen der Kunden entgegen. Als der sogenannte Lockdown gekommen sei, habe man die Arbeit „innerhalb von zwei oder drei Stunden“ auf dieses Modell umstellen können, berichtet Oppermann. Mittlerweile habe man angefangen, „die Leute wieder zurückzuholen“; für viele gebe es nun einen Mix aus Präsenztagen im Büro und mobiler Arbeit.

Chemische Industrie und Automobilzulieferer sind weitere Branchen, in denen Exco aktiv ist. Speziell um die Bereiche Pharma und Biotech kümmert sich die seit 2018 aktive Tochtergesellschaft Exco PCC. Von der Prozesskontrolle in der Fertigung bis zu Planung und Projektmanagement beim Bau neuer Anlagen reicht hier das Leistungsspektrum. Der Auftragseingang sei „außergewöhnlich gut“, erklärt das Unternehmen mit Blick auf diesen Bereich. Daher sei auch der Aufbau neuer Standorte in Biberach (2020) und Penzberg (2021) geplant. Die Gründung neuer Standorte sei meistens mit konkreten Projekten verbunden, erläutert Thomas Wolf, und man versuche dann, das Fachpersonal möglichst in der jeweiligen Region zu finden. „Die Identifikation mit dem Standort ist dann stärker.“

Rund 20 offene Stellen

Geeignetes Personal zu finden – damit tut sich Exco nicht leicht. „Um die 20 Stellen“ seien zurzeit offen, sagt Wolf auf Nachfrage. Und nicht für jede Aufgabe könne man einen Hochschulabsolventen einsetzen, der erst wenige praktische Erfahrungen habe. In einem typischen Projektteam mit drei bis fünf Leuten beispielsweise sei maximal ein Neuling sinnvoll. „Erfahrene Leute zu finden, ist schwieriger“, weiß der Exco-Gesellschafter. „Aber die große Bandbreite der Projekte im Hightech-Umfeld bei uns reizt den einen oder anderen dann doch.“

Die Schweizer Firmentochter Exco Consulting GmbH steht im aktuellen Lagebild nicht so günstig da wie die anderen Teile der Unternehmensgruppe. „Erhebliche Auftragsrückgänge“ habe es hier gegeben: Ein hoher Anteil von Kunden sei mit der Herstellung von medizinischen Implantaten befasst, und in dieser Branche sei der Absatz eingebrochen – auch deshalb, weil die Branche wegen strengerer EU-Richtlinien in einem Umstellungsprozess sei.

Alles in allem sehen die Verantwortlichen aber Grund zur Zuversicht. Schaue man sich das Feld der Konkurrenten an, „dann sind wir einer der Größten in Deutschland und ganz vorne dabei“, sagt Thomas Wolf zur Stellung des Unternehmens im Markt. Neue Geschäfte kämen in Branchen, in denen sich viele Entscheider persönlich kennen, oft über Empfehlungen zustande. „Wir leben von guter Reputation.“

„Wachsen dezentral“

Im Juni hat Exco den Verkauf einer für ein neues Büro- und Laborgebäude bereitgehaltenen Erweiterungsfläche an der Adam-Opel-Straße 22 an das Unternehmen Variopark bekannt gegeben. Der Bensheimer Investor will dort 2021 auf 10.550 Quadratmetern einen „modularen Gewerbepark“ errichten. Gemeint sind damit Büro- und Werkstatträume, die angemietet werden können. „Wir wachsen sehr stark dezentral“, begründet Thomas Wolf das Abrücken von der früheren Erweiterungsplanung. Mit der jetzt getroffenen Entscheidung bleibe man flexibel; bei Bedarf könne man immer noch Räume in dem Variopark-Objekt anmieten.

Den Umsatz der Gruppe beziffert Exco für 2019 auf 20,96 Millionen Euro; das lag etwas unter dem Wert von 2018 (21,6 Millionen Euro). Zum Ertrag sagt Wolf nur so viel: 2018 habe man einen positiven Abschluss erzielt, 2019 sei das Ergebnis etwas „geschrumpft“ – das habe auch mit der Lage vor der Umstrukturierung zu tun. 2020 werde „besser als 2019 – trotz Corona“. Wolf: „Ich denke, dass wir die kommenden Jahre positiv abschneiden werden.“

Bei Exco unter anderem für den Verkauf zuständig: Gesellschafter Thomas Wolf.
Bei Exco unter anderem für den Verkauf zuständig: Gesellschafter Thomas Wolf.
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