Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Einzelhandel: Portal für Beratung per Video soll am Mittwoch starten

Ein Smartphone und eine stabile Internetverbindung – mehr braucht es nach Darstellung der Stadtportal-Macher nicht für den gepla
Ein Smartphone und eine stabile Internetverbindung – mehr braucht es nach Darstellung der Stadtportal-Macher nicht für den geplanten Onlineservice.

Schnell einen neuen Pullover aussuchen, anprobieren und kaufen? Derzeit schwierig. Die meisten Händler dürfen im Lockdown ihre Läden nicht öffnen. Einige setzen auf Abhol- und Lieferservice. Findige Frankenthaler möchten die Angebote in einem Portal bündeln und Kunden Termine für Internetberatung per Video vermitteln.

Die Idee klingt so einfach wie überzeugend: Wenn der Kunde nicht zum Einzelhändler ins Geschäft kommen darf, warum kommt dann nicht der Einzelhändler zum Kunden nach Hause? Natürlich nicht persönlich, sondern per Video übers Internet. Einzelne Ladeninhaber haben das schon seit einiger Zeit ausprobiert, um die wirtschaftlichen Folgen des seit Mitte Dezember verfügten Lockdowns abzumildern. Die Betreiber des Stadtportals Frankenthal wollen diese Angebote nun auf ihrer Plattform bündeln und ab Mittwoch Termine vermitteln, bei denen Händler ihre Produkte entweder nur vorstellen oder potenzielle Käufer direkt beraten können.

Vorgestellt wurde das Projekt am Montag vor einer Woche im Ältestenrat. Zwei Tage später stand es auf der Tagesordnung des Stadtrats, weil die Betreiber des Portals, zu dessen Gründern das CDU-Stadtratsmitglied Martin Svoboda zählt, zur Finanzierung des Projekts – genauer für den Kauf und die Einrichtung der Software – Geld brauchen. 3000 Euro, so der Vorschlag der Verwaltung für die Sitzung, sollen dafür aus dem städtischen Etat für Öffentlichkeitsarbeit fließen. Für die Geschäftsinhaber zähle jeder Tag und jeder Umsatz, begründete Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) den ungewöhnlich knappen Zeitplan für diese Entscheidung.

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OB: Betrag vertretbar

Der OB sprach von einer Anschubfinanzierung und einem angesichts der großen Schwierigkeiten des Einzelhandels in der Corona-Krise „vertretbaren Betrag“.

Die Verwaltung habe überlegt, ob sie ein solches Portal selbst betreibe, sich aber angesichts des Aufwands für Aufbau und Implementierung eines solchen Systems dagegen entschieden, erklärte Hebich in der Sitzung.

Während FDP-Fraktionsvorsitzender Thomas Börstler von einem „sehr guten Vorschlag“ sprach und der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Lucas Spiegel das Terminportal für mit einem Onlineshop vergleichbar hielt, gab es aus dem Rat auch zurückhaltendere Wortmeldungen. David Schwarzendahl (Linke) zeigte sich „überrascht von der Kurzfristigkeit“. Und SPD-Vertreterin Aylin Höppner stellte die Frage, ob eine solche Unterstützungsleistung für eine Firma aus dem städtischen Haushalt überhaupt zulässig sei.

Prüfung zugesagt

Genau das will OB Hebich jetzt noch prüfen lassen – „mit Bordmitteln“, wie er sagte. Das heißt: von den Juristen der Stadtverwaltung. Zum Zeitpunkt der Stadtratssitzung konnte er noch nicht sagen, ob die Finanzspritze für das Stadtportal „beihilferechtlich problematisch“ sei. Trotz dieses offenen Punkts stimmten die Fraktionen einmütig für den Zuschuss – die Sozialdemokraten allerdings unter dem Vorbehalt, dass juristische Probleme für die Stadt ausgeschlossen seien.

Unterdessen finden Anfang dieser Woche bereits Infoveranstaltungen für interessierte Einzelhändler in Form von Onlinekonferenzen statt. Die Stadtportal-Macher werben in einer Broschüre unter anderem damit, dass weder Nutzer noch Händler eine Software installieren müssten und das ganze Verfahren „geräteunabhängig“ laufe. Für Betriebe, die derzeit geschlossen bleiben müssten, und für die Kunden sei die Teilnahme kostenlos, heißt es in dem Flyer. Die Händler bräuchten ein mobiles Endgerät und eine stabile Internetverbindung in ihren Verkaufsräumen.

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