Frankenthal
Digitalpakt: Lehrer können Tablets nur eingeschränkt nutzen
„Bei meinen Lehrern sind einige soweit, dass sie die Geräte wieder zurückgeben möchten“, berichtet Stephan Hirt, Leiter der Friedrich-Ebert-Realschule plus, im Schulträgerausschuss von genervten Kollegen. Ohne gewisse Rechte zur Administration könnten die noch nicht mal ein eigenes E-Mail-Programm installieren. „Die meisten haben sich erst sehr gefreut, dass die IPads gekommen sind. Aber jetzt entsteht gerade eine sehr schlechte Stimmung“, sagt der Rektor.
Ins selbe Horn stößt Stefan Vogel, Schulelternsprecher am Karolinen-Gymnasium: „Der Frust ist sehr groß.“ Erst hätten die Lehrer lange auf Geräte warten müssen und jetzt „bekommen sie den Schlüssel nicht überreicht“. Dass Lehrer unterschiedlicher Fachrichtungen auch unterschiedliche Bedürfnisse hinsichtlich der von ihnen eingesetzten Apps hätten, sei für ihn logisch. „Ich verstehe nicht, dass sich die Stadt da auch noch die Admin-Rechte ans Bein bindet“, sagt Vogel. Er hoffe, dass das Problem bis zum neuen Schuljahr gelöst sei.
„Nicht so gut gelaufen“
Das Thema ist der Verwaltung unangenehm. In der Sitzung am Dienstag jedenfalls bemüht sich Beigeordneter Bernd Leidig (SPD) erkennbar, die Wogen zu glätten. Mehrfach betont er, dass die Umsetzung des Digitalpakts, über den die Lehrergeräte finanziert worden sind, „an dieser Stelle nicht so gut gelaufen“ sei. Anstrengungen, „die Kuh vom Eis zu bekommen“, wie es der Schuldezernent formuliert, liefen schon. Anfang kommender Woche werde eine Videokonferenz stattfinden, an der Christian Bayer, Direktor des Karolinen-Gymnasiums, für die Frankenthaler Schulen teilnimmt.
Rebecca Arnold, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Schulen, weist allerdings darauf hin, dass sich die Stadt bei der Konfiguration der Lehrergeräte an Vorgaben aus Mainz orientiert habe: „Wir haben das so gemacht, wie es das Land vorgegeben hat.“ Und dessen Richtlinien sprächen gegen eine Praxis, bei der Lehrer mit privaten Accounts erworbene Software auf den Tablets installierten und nutzten. „Das ist datenschutzrechtlich problematisch“, sagt Arnold mit Blick auf Programme, die über Server außerhalb Europas liefen.
„Einfach zu wenig Personal“
Einen anderen Aspekt bringt Fachbereichsleiterin Monica Umstadt ins Spiel: Das für die Digitalisierung der Schulen zuständige Team sei erst vor wenigen Tagen vollständig besetzt gewesen. Insofern habe die Stadt „einfach zu wenig Personal“ zur Verfügung gehabt. Beigeordneter Leidig warnt im Ausschuss davor, kritische Punkte beim Digitalpakt zu stark zu betonen: „Da entsteht eine Schieflage in der Diskussion.“ Immerhin sei es gelungen, mit einem „Minimum an Personal“ alle Fristen innerhalb des Förderprogramms einzuhalten.
Über die bislang vier Stufen des Digitalpakts hat Frankenthal seine Schulen mit drahtlosem Internet (WLAN) ausrüsten, Endgeräte für Schüler besorgen und die Wartung der EDV-Technik auf eine neue Grundlage stellen können. Von Restmitteln – rund eine halbe Million Euro – sollen nun noch Smartboards und Server für die Schulen beschafft werden. Rein rechnerisch seien dann nur noch sieben von 333 Unterrichtsräumen ohne digital Tafel. Allerdings sind Geräte der ersten Generation offenbar schon wieder veraltet und müssen ausgetauscht werden. Darauf wies Georg Bauer, Leiter der Grundschule Eppstein-Flomersheim, hin.