Frankenthal
Digitalisierung: In den Schulen tut sich was
Vier Bälle haben Bernd Leidig und seine Leute im Fachbereich Schulen in der Luft, wenn vom Digitalpakt die Rede ist. Das vom Bund angeschobene und über die Länder organisierte Förderprogramm hat nämlich vier Teilaspekte, die jeweils für sich in der Stadtverwaltung bearbeitet werden müssen: die Installation der WLAN-Netzwerke in den Schulgebäuden, die Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit Endgeräten, der Support für die IT-Infrastruktur und die Ausstattung der Lehrer mit Tablets oder Notebooks.
Aber irgendwie hängt alles mit allem zusammen. Der Beigeordnete und Schuldezernent spricht deshalb einerseits von einer „Riesenherausforderung“ für sein Team, das immer wieder Förderrichtlinien studieren und Anträge vorbereiten und korrekt stellen muss. Andererseits betont der SPD-Mann angesichts der mehr als drei Millionen Euro, die nach Frankenthal fließen, auch die „enorme Hilfe“ für die Stadt und die Beschleunigung, die das für die Digitalisierung der Schulen bedeutet. Und Leidig ist sich voll bewusst: Wenn im Mai kommenden Jahres Digitalpakt I bis IV endet, dann ist die Aufgabe nicht erledigt.
Personal gesucht – und gebraucht
Was nichts anderes bedeutet, als dass sich die Stadt Frankenthal personell und auch organisatorisch entsprechend aufstellen muss: Zusätzlich zu Eddy Wert, der seit einem Jahr das Thema Digitalisierung an Schulen beackert, wird es Bernd Leidig zufolge zwei weitere Stellen geben. Der Beigeordnete stellt sicherheitshalber klar: Diese Mitarbeiter könnten keine Support-Aufgaben leisten, sondern würden direkt bei der Schulverwaltung gebraucht. Fachbereichsleiterin Monica Umstadt bestätigt das mit einem energischen Nicken.
An einen der vier Unterpunkte des Digitalpakts können Leidig und Umstadt nach dem Sommer – wenn alles nach Plan läuft – schon mal einen Haken setzen: die Versorgung der Schulen mit drahtlosem Internet. Nach den Ferien soll in 18 der 19 Frankenthaler Schulen die Infrastruktur eingerichtet sein. Gedulden muss sich noch die Neumayerschule – dort ist der Austausch der maroden Elektroinstallation wichtiger. Erledigt werden die Arbeiten in den Schulgebäuden von The Cloud Networks Germany, einem auf Wifi-Lösungen spezialisierten Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Heinsberg. Kostenpunkt für die WLAN-Komplettausstattung inklusive Einrichtung und Betreuung im Verlauf der ersten drei Jahre nach Einbau: rund 2,7 Millionen Euro.
Großeinkauf als Geduldsspiel
Was mit der guten halben Million passiert, die aus dem Topf des Digitalpakts I noch übrig sein wird, das ist Bernd Leidig zufolge noch offen. Möglich sei beispielsweise die Anschaffung digitaler Tafeln, sogenannter Smartboards. Einen Großeinkauf hat die Stadt im Herbst und Winter schon hinter sich gebracht: den von 1150 Tablets und Notebooks. Beschäftigt habe das die Verwaltung fast ein halbes Jahr von September 2020 bis März 2021. Insofern trifft es der vom Land für diese Initiative gewählte Name „Sofortausstattungsprogramm“ auch nicht so ganz. Nach der Bestellung war erst einmal Warten angesagt. „Die Händler hatten schlicht keine Ware“, erinnert sich Eddy Wert.
Der dritte Punkt auf der Digitalpakt-Agenda ist einer, der schon in verschiedenen städtischen Gremien als gleichermaßen wichtig und kritisch angesprochen wurde: der Support. Dieses Thema werde mit der besseren Ausstattung der Schulen komplexer und bedeutender als bisher, sagt Beigeordneter Leidig. Wohl auch deshalb hat Mainz entschieden, dass die bisher rund zehn Euro pro Jahr und Schüler nicht mehr den Schulen, sondern den Kommunen als Schulträger zufließen.
Wunschziel: Kooperation mit Nachbarkommunen
Für die Betreuung von Nutzern und Geräten gibt es, wie der Beigeordnete im RHEINPFALZ-Gespräch erklärt, mehrere Optionen: Wunschziel wäre eine interkommunale Zusammenarbeit mit benachbarten Städten und Kreisen oder auf Ebene der Metropolregion. „Das ist aber auf die Schnelle nicht möglich“, sagt Bernd Leidig. Den Support selbst zu stemmen, komme wegen des dafür notwendigen Personals nicht infrage. Also hat sich Frankenthal für den pragmatischen Weg entschieden, kauft Leistungen für den Rest dieses Jahres auf dem freien Markt bei einem externen Dienstleister ein und bereitet parallel die europaweite Ausschreibung vor.
Trotzdem wolle man bei dem Thema sozusagen auf Sicht fahren und nach einem Jahr noch mal analysieren, erklärt Fachbereichsleiterin Umstadt: Wie groß ist der Bedarf tatsächlich? Welche Leistungen werden am stärksten gefragt? Bei einem allerdings sind sich die Verwaltungsleute ziemlich sicher: Die vom Land zu erwartenden etwa 180.000 Euro reichen wohl nicht. „Wir schätzen, dass wir ungefähr denselben Betrag noch einmal aus unserem Haushalt drauflegen müssen“, sagt Umstadt.
Letzter Punkt: Geräte für die Lehrer
Der letzte Punkt auf der Digitalpakt-Liste sind die Endgeräte für die etwa 1000 Lehrkräfte der Frankenthaler Schulen. Für diesen zweiten Großeinkauf rechnet man im Rathaus mehr oder weniger täglich mit den Richtlinien. Ähnlich wie beim Sofortausstattungsprogramm für die Schüler könnte er ablaufen. Eddy Wert schränkt ein: Bei den Kindern und Jugendlichen wurden letztlich nur zwei Gerätetypen beschafft. Weil bei den Pädagogen die individuellen Bedürfnisse an Leistung und Möglichkeiten stark variierten, „wird es wohl komplexer“.
Die Komplexität des gesamten Projekts Digitalpakt ist auch der Grund, warum die Verwaltung auf engen Dialog mit allen beteiligten Akteuren setzt und eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen hat, in der die Schulen genauso vertreten sind wie Fachleute aus den Stadtratsfraktionen. Nach Überzeugung Leidigs lässt sich nämlich nur so die zweite Riesenherausforderung meistern: alle Wünsche zu sammeln und doch zu einer gemeinsamen Systematik zu finden. Nach zwei Treffen der Gruppe ist der Schuldezernent von deren Arbeit beeindruckt und überzeugt: „Das ist sehr fruchtbar.“