Frankenthal
Digitale Patientenakte: „Der Vorteil: Jeder Arzt kann sie einsehen“
Frau Kneiß, könnten Sie kurz erläutern, was man unter der elektronischen Patientenakte versteht und wer sie nutzen kann?
Die ePA ist ein digitaler Ordner, in dem unsere Gesundheitsdaten hinterlegt werden. Jeder Versicherte kann die ePA nutzen.
Als Digitalbotschafterin leisten Sie Aufklärungsarbeit zu dieser Anwendung. Was war Ihr Anlass, sich gerade für dieses Thema zu engagieren?
Ich bin seit drei Jahren Digitalbotschafterin in der Stadtbücherei. Dort habe ich die Leute gefragt, wie sie zur ePA stehen. Der Großteil hat sie erst einmal abgelehnt, weil sie nicht wussten, wo die Daten hinkommen, und sie alles zu umständlich fanden. Da habe ich mir gedacht: Okay, da muss ich ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten. Gerade für Senioren macht so eine App Sinn, weil alle Daten darin gespeichert sind, zum Beispiel, wenn man zum Arzt geht. Und als dann für uns Digitalbotschafter diese Zusatzqualifizierung angeboten wurde, habe ich die natürlich mitgemacht.
Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorteile der ePA – sowohl für Patienten als auch für Ärzte beziehungsweise andere medizinische Einrichtungen?
Also, die ePA hat schon viele Vorteile. Vor allem, weil jeder Arzt darauf zugreifen kann – zum Beispiel, wenn man als neuer Patient kommt oder ins Krankenhaus muss. Alle Erkrankungen, Medikamente und Allergien sind in der ePA hinterlegt. Deshalb macht es schon Sinn, sie zu nutzen. Das sind im Grunde die Hauptvorteile.
Welche Sorgen oder Zweifel hören Sie bei den Besuchern Ihrer Vorträge am häufigsten?
Also, das ist dann meistens nur der Datenschutz, der belastet die Leute am meisten, weil sie nicht wissen, wo ihre Daten sind oder ob jemand darauf zugreifen kann. Nachdem dann wieder öffentlich war, dass Hacker darauf zugegriffen haben, war das Problem noch mal etwas größer. Und viele haben halt auch Probleme mit der Bedienung der App.
Wie würden Sie auf die Aussage reagieren: „Ich will meine Daten nicht irgendwo digital gespeichert haben“?
Die Daten werden innerhalb der EU sicher in einem bestimmten Rechenzentrum gespeichert, das über die Telematikinfrastruktur läuft. Es ist ein sicheres, in sich geschlossenes Netzwerk, da kann eigentlich so gut wie gar nichts passieren. Klar, im Notfall kann irgendwann mal jemand Zugriff haben, aber im Grunde ist das Netz relativ sicher.
Welche technischen Hürden oder Barrieren beobachten Sie bei der Nutzung?
Viele Senioren haben kein Smartphone, keinen Laptop und keinen Internetzugang zu Hause. Das ist eigentlich die größte Hürde, weil man die App halt dafür braucht. Alternativ gibt es seit Neuestem bei den Krankenkassen Ombudsstellen, da kann man die Daten einsehen, aber verwalten kann man sie dort nicht.
Wenn jemand sich entschließt, die ePA zu nutzen: Wie läuft der Schritt-für-Schritt-Prozess ab?
Also, die App herunterzuladen ist an sich kein Problem. Problematisch ist das Anmeldeverfahren: Man braucht die Krankenversichertenkarte und den PIN-Zugangscode. Das Identifizierungsverfahren ist schwierig, und ich glaube, das ist eigentlich die größte Hürde. Vor allem, wenn der Personalausweis nicht onlinefähig ist. Da brauchen die Leute Unterstützung.
Worauf sollten Nutzer besonders achten?
Der Nutzer kann alles hochladen, also auch seine älteren Dateien, weil die Daten ja erst seit dem 1. Oktober von den Ärzten eingestellt werden. Was früher in der Krankengeschichte war, muss der Patient selbst hochladen. Er kann die Daten dann auch in der App verwalten oder löschen, Zugriffe erteilen oder wieder sperren. Vertretungspersonen kann er auch darüber einrichten.
Sie bieten Ihre Vorträge beispielsweise in der Stadtbücherei in Frankenthal an. Können Interessierte ohne Anmeldung kommen und ist es kostenlos?
Die Vorträge sind kostenlos. Beim letzten Vortrag waren so viele Leute da, dass es manchmal sinnvoll ist, sich kurz anzumelden.
Welche zusätzlichen Funktionen oder Erweiterungen für die ePA wären wünschenswert?
In Zukunft kommen noch Bonushefte dazu, die Impfpässe werden nach und nach in der App eingepflegt, und auch die Allergien werden nach und nach ergänzt. In naher Zukunft sollen dann noch die Vitaldaten aus Smartwatches oder auch Daten von Gesundheitsapps, zum Beispiel Schrittzähler-Apps oder ähnliches, hinzukommen. Das soll schon bis nächstes Jahr umgesetzt werden.
Gibt es etwas, das wir bislang nicht angesprochen haben, dass Sie für besonders wichtig halten?
Eigentlich nicht. Das einzige Problem ist, dass die Leute vielleicht ein bisschen offener für die Digitalisierung sein sollten. Sie macht Fortschritte, und die Ärzte geben ja auch in Papierform nichts mehr raus. Das heißt, wir müssen in Zukunft auf die ePA zugreifen, und jeder muss sich ein bisschen damit beschäftigen, damit die Digitalisierung in Deutschland – gerade im Gesundheitswesen – weitergeht.
Zur Person
Monika Kneiß (76) aus Frankenthal engagiert sich als Digitalbotschafterin in der Stadtbücherei. Sie unterstützt vor allem ältere Menschen dabei, den Umgang mit digitalen Anwendungen zu erlernen und Berührungsängste gegenüber neuen Technologien abzubauen. Ihr besonderes Anliegen ist die digitale Teilhabe von Senioren – insbesondere im Gesundheitsbereich, wo sie Aufklärungsarbeit zur elektronischen Patientenakte (ePA) leistet. In Vorträgen klärt sie über Chancen, Sicherheitsaspekte und praktische Nutzungsmöglichkeiten der ePA auf
.


