Frankenthal
Buslinien in Studernheim: Wenig Raum für Kompromisse
Der Oberbürgermeister persönlich verabreichte seinen Parteifreunden die bittere Pille. Martin Hebich ließ bei der gemeinsamen Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses mit dem Ortsbeirat wenig Zweifel daran aufkommen, was er von den Ideen der Studernheimer CDU hält: wenig bis nichts. Deren Sprecher hatten unter anderem vorgeschlagen, die von Eppstein kommende Linie 466 an anderer Stelle im Stadtgebiet einzusetzen und dafür die Linie 467 wieder über die große Schleife durchs Neubaugebiet zu schicken – und nicht mehr in die Heinrich-Reffert-Straße.
Dort laufen die Anwohner Sturm gegen das zu Jahresbeginn eingeführte Nahverkehrskonzept der Stadt: Zu schmal sei die Straße für Busse und parkende Autos, zu gefährlich die Situation auf den Bürgersteigen und an der Grundschule, erklärte CDU-Mann Manuel Baqué. Und dann gibt es noch die Sorge, dass die Fahrbahn auf Dauer dem Gewicht der Omnibusse nicht gewachsen sei. Zumindest diesen Einwand will der OB „ernstnehmen und nicht abbürsten“. Insofern sei die Untersuchung der Tragfähigkeit, deren Ergebnisse zum Zeitpunkt der Sitzung vergangene Woche noch nicht vorlagen, „schon richtig“ – zumal die Ursache für eine Gas-Havarie dort in den 80er-Jahren nie abschließend geklärt worden sei.
Hebich: Halbstundentakt
Weiteren Argumenten, die von Anwohnern und CDU-Ortsbeiratsfraktion ins Feld geführt werden, aber widersprach Martin Hebich: Busse woanders in der Stadt fahren zu lassen, sei ebenso wenig möglich, wie die Linie 467 über Sonnenstraße und Oggersheimer Straße zu schicken. Der Bus verlöre Zeit, die müsse irgendwie kompensiert werden. Die aus Sicht der Christdemokraten zu wenig genutzte zweite Linie 466 werde in Zukunft von Fachmarktzentrum und Wohnquartier profitieren, die auf dem Real-Gelände geplant sind, ist der Rathauschef überzeugt. „Man muss einem komplett neuen Linienbündel auch Zeit geben, sich zu etablieren.“
Zugeständnisse hält Hebich, der an die intensiven Beratungen für das ÖPNV-Konzept erinnerte, allenfalls bei einem kritisierten Punkt für möglich: Mit dem nächsten Fahrplanwechsel sollen die beiden Linien, die innerhalb weniger Minuten hintereinander durch den Vorort fahren, zeitlich entzerrt werden. Dadurch entstehe ein echter Halbstundentakt für Studernheim.
Ober: Keine Alternativen
Gegenwind für die CDU-Ortsbeiratsfraktion gab es auch von den SPD-Kollegen. Deren Vorsitzende Aylin Höppner sprach von einem Déjà-vu: „Das haben wir alles schon besprochen. Die Argumente sind nicht neu. Ich verstehe nicht, was dieser Antrag soll.“ Auf frühere Debatten verwies auch ihr Parteifreund, Ortsvorsteher Karl Ober. Nach seiner Darstellung bestand die Gefahr, dass Studernheim komplett vom Nahverkehr abgehängt worden wäre. Er habe sich für den Halt an der Kirche eingesetzt. Die Route durch die Heinrich-Reffert-Straße sei „nicht ideal“. Alternativen sehe er aber keine, sagte Ober.
CDU-Vertreter Alexander Riede hielt fest, dass die Diskussion vor Einführung der neuen Linienführung theoretisch gewesen sei. „Jetzt sieht die Realität und ihre Auswirkungen.“ Er erlebe nahezu jeden Tag knappe und teils gefährliche Begegnungen zwischen dem Bus und anderen Verkehrsteilnehmern. Dem hielt OB Martin Hebich den ihm gegenüber geäußerten Eindruck des Linienbetreibers Dürk Reisen entgegen: dass teils absichtlich so geparkt werde, dass es zu Behinderungen komme. Sein Fazit: „Wir schauen, was wir verbessern können.“