Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Besucher in Klinik: Stadtrat lehnt Lockerung ab

Zutritt zum Krankenhaus nur in Ausnahmen – das ist die aktuelle Regelung in der Stadtklinik, über die mit Aushängen informiert w
Zutritt zum Krankenhaus nur in Ausnahmen – das ist die aktuelle Regelung in der Stadtklinik, über die mit Aushängen informiert wird.

Ist der wegen zunehmender Infektionszahlen seit Ende November gültige Besucherstopp in der Stadtklinik zu streng, in manchen Fällen sogar „unmenschlich“? Die SPD-Stadtratsfraktion hat unter anderem deshalb eine gegenüber der bisherigen Regelung gelockerte Praxis vorgeschlagen. Die Reaktionen darauf sind heftig.

Die Idee der Sozialdemokraten: Nach dem Vorbild des Hetzelstifts in Neustadt soll auf Basis der 2G-plus-Regelung eine neue Besuchsregelung entwickelt werden. Geimpfte und Genesene könnten, sofern sie ein negatives Schnelltest-Ergebnis vorweisen, für eine Stunde zu einem in der Stadtklinik behandelten Patienten. Im Blick hat die Fraktion nach Darstellung von Gisela Werle-Schneider beispielsweise an Demenz erkrankte Senioren, für die eine Trennung von Angehörigen „unmenschlich“ sei. Eine transparente Regelung helfe, den Eindruck zu vermeiden, dass nicht alle gleich behandelt würden, sagt sie mit Verweis auf eigene Erfahrungen.

Als die technischen Probleme in der als Videokonferenz organisierten Sitzung des Stadtrats am Mittwochabend gelöst sind, lässt Matthias Münch wenig Zweifel daran, was er von dem Antrag der SPD hält: nichts. Die in der Stadtklinik praktizierte Regelung, die Ausnahmen bei Sterbenden, Intensivpatienten und Menschen „in besonders schwierigen Lebenslagen“ ausdrücklich vorsehe, sei seines Wissens nach Standard in den Krankenhäusern der Region, betont der Ärztliche Direktor.

Münch: Nur eine Beschwerde

Eine Lockerung ist Münch zufolge wegen der hoch ansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus undenkbar. In dieser „schwierigen Situation“, die bereits zu einem wohl auf Besucher zurückgehenden Ausbruch in der gerontopsychiatrischen Station geführt habe, sei etwas anderes als der Besucherstopp den Mitarbeitern „kaum zu vermitteln“. Es würden in Absprache mit behandelnden Ärzten aber unbürokratische und individuelle Lösungen gefunden. Münch: „Das bedarf einer genauen Risikoabwägung.“

Nach seinem Empfinden gelinge das gut. Bis auf eine Beschwerde – offenbar der Fall, den Werle-Schneider angesprochen hatte – habe er nichts gehört, erklärt Matthias Münch. Immerhin seien im Dezember und Januar 100 Besuche bei etwa 800 Patienten in diesem Zeitraum ermöglicht worden. Insofern wundere ihn, „dass das so hochemotional vorgetragen wird“, sagt der Chefarzt. Sobald es die pandemische Lage zulasse, werde der Besucherstopp aufgehoben: „Derzeit ist das aber nicht zu verantworten.“

Hebich: Mitarbeiter empört

Unterstützung bekommt der Psychiatrie-Chefarzt von Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU). Die Frankenthaler Regelung sei „weitgehend deckungsgleich“ mit denen in der Region. Der OB zitiert unter anderem aus Veröffentlichungen des Klinikums Worms, des Diakonissen-Krankenhauses in Speyer und des Guten Hirten in Ludwigshafen. Das Reduzieren der Besuche auf eine gewisse Anzahl von Ausnahmen geschehe „nicht aus Inhumanität, sondern aus Sorge“ um Patienten und Mitarbeiter. In deren Kreis gebe es Empörung über die im Antrag getroffenen Aussagen, so Hebich.

Auch die anderen Fraktionen kritisieren die SPD: Die Verantwortlichen in der Stadtklinik machten sich „viele Gedanken, welche Maßnahmen notwendig sind“, sagt Michael Baumann. Die gewählten Formulierungen seien „schlichtweg eine Unverschämtheit“. Fürs Beibehalten der bisherigen Linie plädiert Jesko Piana (FWG) nach dem Auftritt von Chefarzt Münch: „Wir sind Politiker, die davon so gut wie keine Ahnung haben.“ Auf die Expertise der Ärzte verweisen auch Thomas Börstler (FDP) und Hartmut Trapp (AfD).

SPD zieht Antrag zurück

Auf die richtigen Entscheidungen und das Fingerspitzengefühl der Mediziner setzen David Schwarzendahl (Linke) und Gerhard Bruder (Grüne/Offene Liste). Bruder, selbst Arzt, spricht von einem Spagat zwischen dem Schutz der Mitarbeiter und Patienten und dem Bedürfnis schwerstkranker Menschen nach Nähe durch Angehörige.

SPD-Fraktionssprecherin Aylin Höppner zieht den Antrag am Ende zurück und relativiert die darin getroffenen Aussagen, „was das Unmenschliche angeht“. Die derzeitige Lage mit Infektionszahlen in Rekordhöhe sei insgesamt „unmenschlich“ und „kaum erträglich“. Mit Blick aufs Krankenhaus„sehen wir die Notwendigkeiten ein“.

Über den SPD-Antrag zur Besucherregelung verwundert: Matthias Münch, Ärztlicher Direktor des Frankenthaler Krankenhauses.
Über den SPD-Antrag zur Besucherregelung verwundert: Matthias Münch, Ärztlicher Direktor des Frankenthaler Krankenhauses.
x