Frankenthal / Ludwigshafen
BASF-Logistikzentrum soll 2022 in Betrieb gehen
Zweimal einstimmig – mit diesem Votum des Frankenthaler Planungs- und Umweltausschusses und des Ortsbeirats Mörsch vom Donnerstagabend im Rücken kann die BASF nun den ersten Schritt innerhalb ihres Logistikkonzepts für das Stammwerk Ludwigshafen angehen. Nachdem die Gremien grünes Licht gegeben haben, ist die Baugenehmigung für die neue Lkw-Abfertigung im Westen der Kläranlage – immerhin eine Investition im mittleren zweistelligen Millionenbereich – nur noch eine Formalie.
Der Zeitplan der BASF für das Vorhaben ist nach Angaben von Projektleiter Theo Mittag ehrgeizig: „Das geht jetzt sehr schnell“, sagte der per Video ins Congress-Forum zugeschaltete Manager. Anfang 2022, spätestens aber Mitte des kommenden Jahres sollen täglich mehr als 1000 Lastwagen auf dem Gelände die für Gefahrstofftransporte vorgeschriebene ADR-Prüfung durchlaufen und dann zum Tor 15 am Landeshafen Nord fahren, wo sie aufs Werksgelände gelangen. Der beabsichtigte Effekt: Die frühere Lkw-Abfertigung am Tor 11 – intern „Hexenkessel“ genannt – hat ausgedient, Sattelzüge müssen sich nicht mehr durch die Stadt quälen.
Brücke zu schmal
Deutlich ist bei der Sitzung am Donnerstag aber auch eine andere Folge des Projekts geworden: Auf einem Teilabschnitt der Bundesstraße 9 zwischen dem Ludwigshafener Gewerbegebiet Nachtweide und der Petersau wird es in einer Übergangszeit mehr Verkehr geben. Der Grund: Lastwagen, die das Abfertigungszentrum an der Kläranlage verlassen, sollen nicht die direkte Route zum Tor 15 einschlagen, sondern erst nach Norden auf die B 9 fahren, an der Abfahrt Petersau wenden und dann zurück Richtung Süden rollen. Der Grund: Die Brücke über die Bundesstraße an der Anschlussstelle Mörsch ist zu schmal für möglichen Begegnungsverkehr.
Wie lange die Lösung mit der Extrarunde gebraucht wird, ist offen. Abhängig ist das in erster Linie davon, wann die BASF den zweiten Baustein ihres Logistik-Masterplans umsetzen kann: die Nordroute. Dabei handelt es sich um eine firmeneigene Straße, über die Lastwagen unter der Autobahn A 6 hindurch direkt von der Abfertigung zum Werk gelangen können. Zweifel, wonach Brummifahrer die vorgeschriebene Strecke ignorieren könnten, versuchte Projektleiter Mittag zu zerstreuen. Es gebe ein Konzept, das kommende Woche dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) vorgestellt werde und genau das verhindere. Mittag: „Wir sind organisatorisch in der Lage, das gemeinsam mit den Speditionen zu regeln.“
Einen positiven Nebeneffekt hat das millionenschwere Projekt mittelfristig auch aus Frankenthaler Perspektive: Die erwähnte schmale B-9-Brücke, die auf einer Seite einen schmalen Fußgängerweg hat, wird durch ein breiteres Bauwerk ersetzt, das dann auch Radler gefahrlos Richtung Rhein überqueren können. Nach Darstellung von Oberbürgermeister Martin Hebich hat der LBM zwei Varianten geprüft: den Bau einer reinen Fahrradbrücke als Ergänzung und die große Variante. Entschieden hat er sich für Letzteres – auch in den Augen des OB „die beste Lösung“. Hebich hatte für die Finanzierung des Brückenbaus noch eine gute Nachricht auf Lager: Die BASF will unabhängig von den Plänen für die Nordroute einen freiwilligen Beitrag zu den Kosten leisten.
Kritische Grüne
Kritische Töne zu den Plänen des Konzerns gab es am Donnerstag mit Blick auf die vorgesehene Verkehrsführung und den Umwelt- und Naturschutz vor allem von den Grünen. Ute Hatzfeld-Baumann befürchtete häufiger Rückstau und gefährliche Situationen beim Wenden an der Anschlussstelle Petersau: „Wir bekommen einen Lkw-Parkplatz auf der B 9.“ Dass 600 Bäume für das Abfertigungszentrum verschwinden müssen, sei eine „bittere Angelegenheit“, hielt Fraktionssprecher Gerhard Bruder fest. BASF-Mann Mittag sicherte zu, dass alle versprochenen Maßnahmen zur Renaturierung zur Inbetriebnahme erledigt sein werden.
Das „starke Interesse, dass die BASF leistungsfähig bleibt“, gleichzeitig aber die Belastung der Bevölkerung überschaubar bleibe, betonte CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Bindert. Sie begrüßte – ebenso wie der Mörscher Ortsvorsteher Adolf-José König (SPD) – dass nun wieder Bewegung in die jahrelang offene Brückenfrage gekommen sei.