Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel 100 Jahre Weltspartag: Was die Sparkasse zum Jubiläum spendiert

Hat als Kind sein Sparschwein zur Neustadter Sparkasse getragen: Sparkassen-Chef Andreas Ott mit Maskottchen und Jubiläumsschwei
Hat als Kind sein Sparschwein zur Neustadter Sparkasse getragen: Sparkassen-Chef Andreas Ott mit Maskottchen und Jubiläumsschwein.

Vor 100 Jahren ist an einem 30. Oktober erstmals der Weltspartag ausgerufen worden. Der Appell, einen Notgroschen zurückzulegen, ist über die Jahre zum Pilgerweg mit Sparschwein geworden. Warum der Vorstandssprecher der Sparkasse Rhein-Haardt, Andreas Ott, den Tag nach wie vor für relevant hält.

Herr Ott, haben Sie als Kind am Weltspartag auch Ihr Sparschwein zur Bank getragen und auf Zehenspitzen über den Schalter gelinst?
Ja, ich kann mich gut daran erinnern, mich mit den Eltern in Neustadt auf den Weg gemacht zu haben. Der Schmerz über das Porzellanschwein, das diesen Gang nicht überleben würde, wurde gedämpft durch die Vorfreude auf das in Aussicht gestellte Geschenk der Sparkasse.

Haben sich die jugendlichen Pilgerströme bis heute erhalten?
Oh ja, die sind ungebrochen. Und wir freuen uns auf die Resonanz an diesem „Bank-Feiertag“.

Auch wenn der Bargeldverkehr immer konsequenter abgelöst wird durch kontaktloses Bezahlen?
Ja. Wir bereiten uns in den 32 Filialen unseres Verbreitungsgebiets auf reichlich junge Besucher an diesem Tag vor. Und werden von so mancher Begleitperson bestimmt wieder erzählt bekommen, dass diese in jungen Jahren ihrerseits zur Sparkasse gepilgert ist.

Und dann werden noch ganz klassisch Türmchen gebaut aus vielen Cent- und manchen Euro-Münzen?
Es kommt auf die Filiale an. In manchen wandert der Schatz in den Einzahlautomat und wird maschinell gezählt. In kleinere Filialen entsenden wir Auszubildende, die die Münzen vor den Kinderaugen noch mit der Hand zählen werden. Dazu zählen auch die drei Niederlassungen in Frankenthal.

Der Weltspartag hat 100 Jahre nach seiner Initiierung also immer noch seine Berechtigung?
Er ist nicht nur für unsere Kunden über alle Altersgruppen hinweg ein wichtiges Datum, sondern auch für uns als Sparkasse. Das aktuelle Vermögensbarometer zeigt, dass für drei von vier Kunden das Sparen zum Zweck des Vermögensaufbaus einen hohen Stellenwert besitzt. Im Geschäftsgebiet der Sparkasse Rhein-Haardt mit den Filialen in Frankenthal, Neustadt und im Landkreis Bad Dürkheim sind aktuell rund 17.500 Fondssparpläne abgeschlossen worden. Das sind 700 mehr als zu Jahresbeginn. Auch beim bilanzwirksamen Sparen erleben wir einen Aufschwung: In den vergangenen zehn Monaten sind 8900 neue Sparkassenbriefe ausgestellt worden.

Nach Jahren des Stillstands werden ja auch endlich wieder Zinsen gezahlt, was das Sparen attraktiver macht.
Dass wir die Niedrigzinsphase verlassen haben, war sicher ein Anreiz. Seit vielen Jahren haben wir endlich wieder einen Realzins, der über der Inflation liegt. Kunden ein solch positives Anlageangebot machen zu können und sie nicht um Verständnis bitten zu müssen, dass wir keinen oder allenfalls einen bescheidenen Zinsertrag garantieren können, ist für unsere jungen Mitarbeiter ein ganz neues Gefühl.

Erleichtert das auch Ihre Positionierung im Wettbewerb mit Online- und Direktbanken?
Definitiv. Wir können nicht nur mit dem unmittelbareren Kundenservice punkten, den eine Sparkasse traditionell auszeichnet, sondern auch mit Vermögensaufbau.

Wie anstrengend ist es, in diesem Umfeld neue, junge Kunden zu gewinnen?
Am einfachsten ist es, wenn die Eltern bereits Kunden der Sparkasse waren und sie um deren Vorteile wissen. Wir sind präsent auf den gängigen Social-Media-Plattformen, bestücken eine benutzerfreundliche App, besuchen Schulen, fördern regionale Bildungsprojekte. Das hilft, um mit jungen Kunden in Kontakt zu kommen.

Kassensturz am Weltspartag.
Kassensturz am Weltspartag.

Die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Katharina Binz (Grüne) warnt zum Weltspartag vor unnötigen Kosten und hohen Provisionen bei Geldanlagen. Die Verbraucherschutzzentrale bietet ein Online-Seminar „sinnvoll sparen für Kinder“ an. Braucht es solche Warnhinweise?
Auch wir raten jedenfalls, die individuelle Situation zu betrachten: Welche Ziele und Wünsche will ich mir in welchem Zeitraum erfüllen? Soll die Anlage der Altersvorsorge dienen oder will ich auf eine größere Investition hinsparen? Eine sorgfältige Erörterung ist essenziell. Bei der Sparkasse sitzt dem Kunden dafür ein Berater aus Fleisch und Blut gegenüber.

Sie werben mit der Faustregel 50:30:20. Wofür stehen diese Zahlen?
Sie kann helfen, das monatliche Nettoeinkommen optimal aufzuteilen: 50 Prozent für Grundbedürfnisse, 30 Prozent für Freizeit und 20 Prozent zum Sparen.

Sie haben eingangs geschildert, wie sehr Sie sich seinerzeit auf das Geschenk zum Weltspartag gefreut haben. Was halten Sie zum 100. Jubiläum bereit?
Bei Anlage eines Deka-Fondssparplans erhalten Kunden zwischen 18 und 30 Jahren eine Prämie von bis zu 100 Euro. Junge Sparer unter 14 erhalten einen Kinogutschein und eine Tüte Popcorn für einen Film ihrer Wahl in Kinos in Frankenthal, Neustadt oder Grünstadt, wenn sie mindestens 30 Euro auf ihr Jugendgirokonto einzahlen. Und auf die ganz kleinen Sparer wartet ein Teddybär.

Und die Älteren gehen leer aus am Weltspartag?
Nein. Die ersten 600 Kunden, die bis 31. Oktober mehr als 10.000 Euro bei uns anlegen, erhalten ein Porzellan-Sparschwein, das wir bei der pfälzischen Künstlerin Doris Gaab-Vögeli in Auftrag gegeben haben.

Das wird dann aber nicht in einem Jahr geschlachtet.
Es wäre definitiv schade um das Kunstwerk.

Das Stichwort: Weltspartag

Der Weltspartag wird traditionell am 30. Oktober begangen, sofern dieser nicht auf ein Wochenende fällt. „Erfunden“ wurde er 1924 auf dem ersten internationalen Sparkassenkongress. Zu diesem Bankentreffen waren in der letzten Oktoberwoche 354 Delegierte aus 27 Ländern in Mailand zusammengekommen. Der Schlusstag wurde zum Weltspartag ausgerufen: „kein Tag der Ruhe, sondern der Arbeit und des Verhaltens, inspiriert vom Ideal der Sparsamkeit mit dem Ziel, seine Prinzipien durch Beispiele, Worte und bildliche Demonstrationen zu verbreiten“. In der Weimarer Republik wurde er nach der seinerzeitigen Erfahrung mit den Folgen der Hyperinflation mit dem Appell verknüpft, vorzusorgen und ein Vermögen aufzubauen. Über die Jahre ist er als Instrument weiterentwickelt worden, besonders Kinder zum Sparen zu animieren.

Zur Sache: Was die Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz Sparern rät

Auch die Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz, die in Frankenthal drei Filialen unterhält, hebt zum Jubiläum den Wert des Weltspartags hervor. „Er steht heute nicht nur für den Akt des Sparens, sondern auch für die Modernisierung und Anpassung der Sparstrategien an die Bedürfnisse der Zukunft“, erklärt Vorstand Achim Seiler. Eine pauschale Anlageempfehlung spricht auch sein Kollege Till Meßmer nicht aus. Langfristig zum Erfolg führten tendenziell ETF- oder Fondssparpläne. „Gerade in Zeiten niedriger Zinsen bieten diese die Möglichkeit, kostengünstig und breit gestreut in weltweite Märkte zu investieren und von höheren Renditechancen zu profitieren.“

Historische Spardosen der VR Bank.
Historische Spardosen der VR Bank.

Wer schneller Kasse machen möchte, dem rät Meßmer zu Tages- oder Festgeldern mit kurzen Laufzeiten. Mit bankeigenen Inhaberschuldverschreibungen biete die VR Bank ein Produkt mit hohem Sicherheitsniveau bei kurzer Laufzeit. Der Weltspartag ist für ihn alles andere als ein Auslaufmodell, „bietet er doch die ideale Plattform, um den Wert des Sparens in den Mittelpunkt zu stellen und Kunden dabei zu unterstützen, zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen“.

x