Donnersbergkreis Zwischen Reglern und Boxen
«BIEDESHEIM.» „Arschloch!“, schreit Alexander Blech und springt zwischen den großen Boxen hin und her, dass der Anhänger mit seiner Musikanlage und die daran befestigten Lichterketten ordentlich wackeln. Es ist Party angesagt beim Hundeverein Lautersheim, und der 43-Jährige wurde als Discjockey engagiert. Der eben gebrüllte Kraftausdruck ist aus dem Refrain des Neunziger-Jahre-Hits „Schrei nach Liebe“ der Punkrockband Die Ärzte.
Blech singt die Lieder immer mit, die er auflegt. Er ist voll in seinem Element. Das Ganze habe sich nach dem 18. Geburtstag aus einem Hobby zu einer Leidenschaft und einem Nebenjob entwickelt, erklärt der DJ, der rund 3000 Alben sein Eigen nennt. „Begonnen habe ich mit Beschallungen von Festen meiner Freunde und Bekannten, zunächst mit einer kleineren Anlage.“ Er war bei „Kult geht steil“, einem Kulturschuppen in Gundersweiler aktiv, mit Reggae und Dance Hall in Kaiserslautern, hat zwischen 2008 und 2011 monatliche Jamaika Sound Nights veranstaltet. 26 bis 30 Auftritte hat Blech inzwischen pro Jahr. „Ich hoffe, ihr habt viel Spaß heute Abend“, spricht er übers Mikrofon die Tanzenden vor seinem Wagen an, aus dem er Nebelschwaden in die Nacht schießt. Der DJ präsentiert einen abwechslungsreichen Mix an Rockmusik, Status Quo ist zu hören, dann die norwegische Gruppe TNT. Das Lied „Hey, hier kommt Alex“ von den Toten Hosen kündigt Blech als seinen Lieblingssong an. Die Stücke sind mit Effekten aufgepeppt, die Übergänge sind fließend, auch zwischen verschiedenen Musikstilen. „Früher hat man das mit zwei Plattenspielern und einem Mischpult gemacht, heute nimmt man einen DJ-Controller“, erläutert der gebürtige Grünstadter, der in Biedesheim lebt. Auf dem mit zahlreichen Reglern bestückten Gerät sind zwei große Scheiben, die in beide Richtungen gedreht werden können wie Plattenteller und dadurch die Musik digitaltechnisch vor- oder zurückspulen. Blech stehen darüber hinaus aber viele Möglichkeiten offen, die Lieder zu verfremden. Er kann beispielsweise samplen, also Klangstücke miteinander kombinieren, mehrere Spuren übereinanderlegen, den Sound durch Hall, Flanger, Echo und anderes verändern oder die Tonhöhe variieren (pitchen). Die vier Lautsprecher seiner Profianlage, die allein rund 12.000 Euro kosten, haben jeweils 2000 Watt. „In der Regel brauche ich maximal die Hälfte, aber so kann ich ausreichend Druck erzeugen“, erklärt Blech, denn er findet: Musik sollte zwar nicht zu laut sein, aber in den Magen gehen. Vor jedem Auftritt mache er zuvor einen Soundcheck. Der 43-Jährige deutet auf seinen angeschlossenen Laptop: Vier Terabyte Musik sind auf den Festplatten. „Ich habe mir viele Ordner erstellt, auch immer mit Plan B, etwa für ein Rockfest, einen Dinnerabend, eine Kerwe, eine Disco-Fox-Runde und eine Beachparty.“ Da das Zusammenstellen solcher Playlists viel Zeit kostet, hat er stets ein Backup. Blech schneidet bei Bedarf auch Medleys zusammen, zum Beispiel für einen zehnminütigen Hochzeitstanz. „Ich kann auch Klassisches bieten.“ Eigentlich macht der gelernte Koch, der Teilzeit als Gruppenleiter im Mehrgenerationenhof Obersülzen/Grünstadt arbeitet, den DJ für jeden Musikstil – außer für Techno. „Dieses rein Elektronische, das stresst mich“, erläutert er. Stundenlang Rockmusik zu präsentieren, mache ihm dagegen nichts aus. Und wenn nur noch Senioren da sind, dann spielt er auch mal Schlager bis zum Morgengrauen ohne Ermüdungserscheinungen. „Wenn die Lieder ankommen, macht es mir einen Riesenspaß.“ Bei der Auswahl der passenden Stücke für das jeweilige Publikum verlasse er sich auf sein Bauchgefühl, erzählt Blech, der auch Videos von Veranstaltungen dreht. Er erinnert sich an einen Abend, für den ihm von den Auftraggebern ein Datenträger mit italienischer Volksmusik in die Hand gedrückt worden war. „Doch damit konnte ich die Deutschen auf der Feier nicht ansprechen, hab’ dann Latino- und Salsa-Songs ausgepackt, Romina Power und Eros Ramazzotti, richtige Gute-Laune-Lieder aus den Neunzigern – und schon war die Tanzfläche voll.“ Blech sagt, dass es ihm meist nach wenigen Stücken gelinge, den Geschmack der Besucher zu treffen. Für nächstes Jahr habe er bereits Reservierungen in seinem Kalender stehen. Das Schöne an seinem Nebenjob sei, dass er anderen Menschen Freude bereite, immer wieder tolle Leute kennenlerne „und oft in den Genuss von leckeren Buffets komme“, so Blech, der auch ehrenamtlich die Tontechnik für das Erdklotztheater Lautersheim übernommen hat.