Kirchheimbolanden Zweiter Platz im Tastschreiben dank Unterricht von der 70-jährigen Margareta Kiefer
Es klingt altmodisch, aber schnelles Tippen am Computer wird heute in vielen Berufen vorausgesetzt. Das Schreiben und Tippen hat es Margareta Kiefer schon in der Schule angetan: „Schreibmaschine und Stenografie, das waren meine Lieblingsfächer“, schwärmt die 70-Jährige. Die Umstellung auf eine Computertastatur fiel ihr da nicht schwer. Mit dem Unterrichten begann sie 1986 in Steno-Abendkursen der Kreisvolkshochschule. 2003 kam sie dann als pädagogische Mitarbeiterin an die Georg-von-Neumayer-Schule (GvN) in Kirchheimbolanden, um den Schülern flinke Finger auf der Tastatur beizubringen.
Ganz wichtig dabei ist das Zehnfingersystem. Seit 2016 unterrichtet Kiefer das „Schreiben mit allen Fingern“ für sechs Wochen in den sechsten Klassen. „Wir haben gemerkt, dass es sonst zu spät ist, weil die Schüler dann schon ein eigenes System entwickelt haben.“ Die Schüler bekommen dann im Anschluss an den Kurs eine Urkunde, die später sehr wichtig werden kann. „Wir hören von Betrieben und Arbeitgebern, dass viele Azubis oder Lehrlinge keinen Umgang mit Tastaturen lernen“, berichtet Schulleiter Jörg Oeynhausen. So eine Urkunde kann bei einer Bewerbung also durchaus einen Unterschied machen.
Im eigenen Rhythmus
Routiniert startet Nils Pillgramm aus der 9b das Programm, mit dem das „Rheinland-Pfälzische Schülerleistungsschreiben“ geprüft wird. Sobald er die Leertaste drückt, tauchen oben im Bildschirm ein paar Zeilen Text auf. Die beginnt er abzutippen, schaut dabei so wenig auf die Tastatur wie möglich, um keine Zeit zu verlieren. Wenn er ein paar Sätze geschrieben hat, springt der Text automatisch weiter. Korrekturen sind erlaubt, kosten aber Zeit. Den Umgang mit der Tastatur hat Nils beim Computerspielen gelernt, bevor ihm Margareta Kiefer in der Schule das Zehnfingersystem beigebracht hat. „Man muss sich dran gewöhnen, aber dann wird man viel schneller beim Schreiben“, berichtet er.
Nach zehn Minuten ist die Zeit um und das Ergebnis wird ausgewertet. Zum einen werden die Anschläge pro Minute gezählt, bei Nils waren das für den Wettbewerb 244. Aber auch der Fehlerquotient spielt eine entscheidende Rolle. So hat zum Beispiel der Drittplatzierte im Wettbewerb fast 20 Anschläge mehr pro Minute geschafft – dabei aber mehr Fehler gemacht. „Ich versuche meinen eigenen Rhythmus zu finden, um viele Anschläge, aber möglichst wenige Fehler zu machen“, sagt Nils. Auf den Text, den er abschreibt, achtet er dabei eigentlich gar nicht, er sieht nur Buchstaben und Wörter. Übrigens ist es auch möglich, den Wettbewerb mit einem englischen Text zu absolvieren.
Projekt Gold
Kiefer sendet dann die besten Ergebnisse nach Mainz. Nach ein paar Wochen erfahren die Schüler, ob sie gewonnen haben. Nils ist der zweite Schüler von der GvN, der „Silber“ erreicht. Auch fünf „Bronze“-Plätze wurden seit 2011 bei dem Wettbewerb erreicht. „Einen Gold-Rang strebe ich jetzt schon noch an“, sagt Kiefer lachend. Aber auch so macht ihr das Unterrichten im Tastschreiben so viel Spaß, dass sie noch lange nicht ans Aufhören denkt. „Ich brauche das einfach zweimal die Woche, das baut mich immer ein bisschen auf. Ich mache das unheimlich gerne und man lernt jedes Jahr etwas dazu, was man besser machen kann.“
Zur Sache: Wie funktioniert das Zehnfingersystem?
Um schnell auf der Tastatur zu schreiben, gilt das Zehnfingersystem als verbreitete Methode. Wichtig ist, dass die Finger in der Grundstellung liegen, in die sie immer wieder zurückkehren, erklärt Margarete Kiefer, die seit fast 20 Jahren Tastschreibkurse an der Georg-von-Neumayer-Schule gibt. Von der linken Hand liegt der kleine Finger auf dem A, der Ringfinger auf dem S, der Mittelfinger auf dem D und der Zeigefinger auf dem F. Von der rechten Hand liegt der kleine Finger auf dem Ö, der Ringfinger auf dem L, der Mittelfinger auf dem K und der Zeigefinger auf dem J. Die Daumen bedienen die Leertaste.