Donnersbergkreis Zwei Wissenschaftler suchen auf dem Rothenkircher Hof nach Überresten einer Basilika
Die Koppeln auf dem Rothenkircher Hof, auf denen heute hochkarätige Dressurpferde ihren Auslauf genießen, waren früher ein besonderer Ort: Dort stand eine Basilika. Davon gehen die Wissenschaftler Michael Werling und Geophysiker Harald von der Osten aus, die dort eine geophysikalische Untersuchung vorgenommen haben.
Die Pferde lassen sich an diesem Morgen nicht von den seltsamen Geräten beeindrucken, die die Wissenschaftler auf der Wiese hinter dem Gut Rothenkircher Hof anschleppen. Zügig wird angefangen zu arbeiten: „Wir müssen jetzt beginnen, jetzt habe ich gerade Internetempfang auf dem Radar“, sagt Harald von der Osten. In seiner Hand hält er ein rundes Gerät, das an einem langen Stab über den Boden geführt werden kann. Von weitem sieht es wie eine Motorsense aus. Beim genaueren Hinschauen allerdings wird das kleine Display am Stab sichtbar. Das Gerät braucht Internetempfang, um GPS-Daten bestimmen zu können. Anschließend wird am Computer ein Raster errechnet. Dieses wird dann auf der Wiese abgemessen und mit vier Holzpfählen abgesteckt, um innerhalb dieses Quadrats akribisch nach verbliebenen Steinen des ehemaligen Klosters suchen zu können. Michael Werling ist sich sicher, fündig zu werden. Vor zirka hundert Jahren wurde bereits nach dem Kloster geforscht. Man hat einen Pfeiler gefunden, der von einer Kirche stammt. Des Weiteren besage eine Regel, dass ein Kloster meist südlich vom Refektorium ausgerichtet ist. Das Refektorium, der Speisesaal eines Klosters, ist bis heute gut erhalten. Betrachtet man sich seine Außenwand, findet man Hinweise darauf, dass weitere Gebäudekomplexe an den Saal angeschlossen waren. All das deutet darauf hin, dass die Kirche auf der heutigen Pferdekoppel gestanden hat. Werling vermutet, dass die Kirche eine Basilika gewesen ist. „Es war wohl eine dreischiffige Kirche, die aus einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen bestand“, so der Professor. Um sichergehen zu können, wird der Boden mit einem Radarschlitten abgefahren. Dazu werden Seile in das vorher ausgemessene Raster gespannt. Ihre Linien werden dann mit dem Schlitten abgefahren. Er sendet Radarwellen in den Boden. Werling hat eine Tiefe von zwei Metern eingestellt. Befinden sich im Boden Überreste des Klosters, werden diese als Störung im Erdreich reflektiert. Der an den Schlitten angeschlossene Computer erfasst diese Unebenheiten. Die Ergebnisse des Radarschlittens können später am Computer umgerechnet werden. Somit erhält man den Grundriss der Kirche. „Damit könnte man dann sogar ein Modell erstellen“, erklärt Architekt und Bauhistoriker Werling. Der Professor rechnet aber nicht damit, dass der komplette Grundriss als Steine im Boden noch erhalten ist. „Es könnte natürlich auch sein, dass alle Steine bereits aus dem Boden geholt worden sind“, so Werling. „Gestern konnten wir aufgrund des Wetters nur kurz mit dem Radarschlitten den Boden abgehen und haben bereits Störungen gefunden. Das sind gute Zeichen für die vermutete Basilika.“ Die beiden Wissenschaftler haben einen langen Weg hinter sich. Werling reiste aus Bergisch Gladbach in Nordrhein-Westfalen an. Harald von der Osten ist in Baden-Württemberg wohnhaft, arbeitet dort im Bereich der Denkmalpflege. Vom Land Baden-Württemberg haben sie auch die Geräte. „Die sind wahnsinnig teuer, auch wenn man es ihnen nicht ansieht“, erzählt Werling lachend. Neben ihrer Zeit investieren die Wissenschaftler auch Geld in dieses Projekt. Die geophysikalische Untersuchung führen sie auf eigene Kosten durch. Die Ergebnisse der Forschung will Werling im dritten Band des Pfälzischen Klosterlexikons, das Ende des Jahres erscheinen soll, veröffentlichen. „Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Publikation des Lexikons. Dafür bin ich sehr dankbar. Eine Publikation mit knapp 700 Seiten Farbdruck bringt nämlich enorme Kosten mit sich“, so Werling. Gegraben wird nach den Fundstücken aber nicht. Und warum widmet man sich dann einem so zeitaufwändigen Projekt? Werling: „Für mich ist das alles sehr spannend. Finde ich Störungen in der Erde, ist es, als wäre ich auf der Jagd gewesen und erfolgreich mit Beute nach Hause gekommen.“ Es ist eine große Leidenschaft, die er in solche Projekte steckt.