Donnersbergkreis Zur Sache: Auf Irrwegen – einmal Deutschland und zurück

Nicht jeder, der den mühsamen und gefährlichen Weg nach Europa auf sich nimmt, findet hier sein Glück. „Viele dieser Menschen sind nie aus ihrem Dorf herausgekommen, sie unterschätzen das, was auf sie zukommt und sie können sich nicht vorstellen, wie es ist, in einem völlig fremden Land, ohne ihre Familie“, weiß Jamill Sabbagh. So erging es auch zwei der Männer, die bis vor wenigen Wochen in Albisheim untergebracht waren. Sie hatten für ihre Reise viel Geld bezahlt. Einer der Männer, so erzählt Sabbagh, hatte seine Frau und zwei Kinder in Syrien zurückgelassen. Das Geld hätte nicht gereicht für die ganze Familie. Hinzu kam, dass seine Frau die lange Reise zu Land und zu See nicht überstanden hätte. Der andere ließ seine Frau und vier Kinder im Flüchtlingslager in Jordanien zurück. Nach ihrer Ankunft in Deutschland kam die Ernüchterung. Die Männer begriffen, dass es dauern würde, die Familien nachzuholen. Sie vermissten ihre Frauen und Kinder, hatten das Gefühl, sie im Stich gelassen zu haben. Sie wollten wieder zurück. Doch als sie das Ausländeramt in der Kreisverwaltung über die Rückkehrabsicht informierten, wurde klar, dass das alles gar nicht so einfach sein würde. Beide Männer hatten keine Reisepässe mehr, sie waren bei der Einreise sichergestellt worden. Ohne Reisepässe aber darf man Deutschland nicht verlassen und in einem Drittland nicht einreisen. Der Helferkreis versorgte die Männer daraufhin mit Fahrkarten und schickte sie nach Trier in die zuständige Erstaufnahmeeinrichtung, wo der Sozialdienst sich um die Wiederbeschaffung der Reisepässe kümmerte. Nach zehn Tagen hatten die beiden Männer ihre Pässe wieder. Bei einem der beiden lief anschließend alles glatt. Er wurde nach Beirut geflogen und meldete sich drei Tage später bei den anderen syrischen Asylbewerber in Albisheim. Er war wieder zu Hause bei seiner Familie. Dem zweiten rückkehrwilligen Mann, der in Deutschland mehrfach im Krankenhaus wegen Nervenzusammenbrüchen behandelt werden musste, wurde in der Türkei die Einreise verweigert. Er musste eine Nacht am Flughafen im Transitbereich verbringen und wurde am folgenden Tag nach Frankfurt zurückgeschickt und von da aus nach Albisheim. „Am selben Abend stand Herr Elfage bei mir vor der Tür und flehte mich an, ihm bei der Rückreise zu helfen“, schildert Sabbagh. Der syrische Reisepass sei in Frankfurt beschlagnahmt worden. Zunächst mussten also wieder alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um diesen Pass wieder zu beschaffen. Wenige Tage und viele Telefonate später wurde der Syrer nach Kaiserslautern zum Bahnhof gebracht, von wo aus er wieder nach Trier fuhr, um von da aus mit seinem Pass den zweiten Heimreiseversuch, dieses Mal über den Libanon, zu starten. Falls er wieder zurückgeschickt würde, sagte er zum Abschied zu Jamill Sabbagh, würde er seine Heimreise so antreten wie er gekommen war: zu Fuß und dann per Boot über das Meer. (jgl)