Donnersbergkreis Zugvögel: Der Pirol kommt früh und aus Südosten

„War das eben ein Pirol?“, fragte sich vor rund zwei Wochen der erstaunte Spaziergänger im Wald bei Gundersweiler. Kurz darauf ertönte das melodische „Düdlio, Düdlio“ ein zweites und drittes Mal. Kein Zweifel – wenige Meter entfernt hüpfte der Vogel mit dem goldgelben Körper und den schwarzen Flügeln in den Zweigen eines Baumes herum. Er war gut zu erkennen, denn der Baum war noch kahl. Ein Pirol am 15. April! So früh war er nach den Aufzeichnungen des Winnweilerer Nabu-Vogelkundlers Adolf Stauffer noch nie aus dem Winterquartier an den Donnersberg zurückgekehrt – nach seinen langjährigen Erfahrungen ist dies normalerweise erst ab Anfang Mai der Fall. Warum war der Vogel aber so zeitig dran? Wahrscheinlich hatten günstige Rückenwinde seine Heimreise im wahrsten Wortsinn so beflügelt, dass er diesen Rekord aufstellen konnte. Fast 6000 Kilometer anstrengenden Nachtflug hatte er in den Wochen zuvor hinter sich gebracht. Wie viele andere Zugvögel war er gerne in der Dunkelheit unterwegs – das schützt ihn vor Feinden und vor der Hitze des Tages. „Unser“ Pirol hatte sich allerdings für eine andere Zugstrecke als die übrigen heimischen Singvögel entschieden: Aus seinem Winterdomizil in Kenia hatte er die Route über Ägypten, Zypern, Griechenland und den Balkan gewählt. Nach Deutschland kam er also aus Südosten statt aus Südwesten zurück. In der Heimat besetzt der Vogel schnell wieder sein angestammtes Revier an Waldrändern, in Parks und Obstgärten. Rund um den Donnersberg bewohnt er mit Vorliebe von Pappeln gesäumte Bachränder an Alsenz, Pfrimm und kleineren Nebenbächen. In unserem Kreis kommt er recht häufig vor, wie eine Zählung der Nabu-Kreisgruppe im Jahr 2016 ergab: 68 „Sänger“ wurden damals re-gistiert. Der Volksmund hat dem Pirol den schönen Namen „Goldamsel“ gegeben. In Norddeutschland kommt er dagegen als „Junker Bülow“ daher.