Donnersbergkreis „Zuerst geblendet, dann verzaubert“

Der Schöpfer der „Cäcilienmesse“: Charles Gounod.
Der Schöpfer der »Cäcilienmesse«: Charles Gounod.

«KIRCHHEIMBOLANDEN.» Wenn am Sonntag Gounods „Cäcilienmesse“ in der Peterskirche ihre Strahlkraft und den Zauber ihrer lichten Melodien entfaltet, so ist damit zugleich eine Premiere verbunden. Denn mit dieser Einstudierung treten erstmals die Bezirkskantorei Kirchheimbolanden und die Nordwestpfälzer Kantorei gemeinsam in Erscheinung. In zweijährigem Turnus soll es nun solche Ko-Produktionen geben. Mit beteiligt an der Aufführung am Sonntag, 16 Uhr, sind das Collegium Musicale Bingen und Gesangssolisten.

Im Hintergrund der Zusammenarbeit steht die Fusion von vier Dekanaten, darunter Rockenhausen und Winnweiler, zum Großdekanat „An Alsenz und Lauter“. Martin Reitzig ist als Bezirkskantor auch für den Raum Winnweiler zuständig, in der Nordwestpfälzer Kantorei sind Sängerinnen und Sänger aus dem Raum Rockenhausen, Obermoschel, Lauterecken und darüber hinaus aktiv. „Da lag es nahe, was zusammen zu machen“, so Reitzig im Gespräch. Die Messe wurde von beiden Kantoreien zunächst getrennt einstudiert, in Kibo unter Reitzigs Leitung, bei den Nordwestpfälzern geleitet von seinem Kollegen Markus Henz. Seither habe es zwei gemeinsame Proben gegeben, die Generalprobe kommt als dritte hinzu. „Ich sehe keine Probleme“, ist Reitzig mit dem Stand zufrieden. Die Kooperation bedingt, dass die gemeinsame Produktion auch im Nachbardekanat zu hören sein wird, und zwar am Vortag der Kirchheimbolander Aufführung, am 15. Dezember um 19 Uhr in Weilerbach. Das nächste gemeinsame Projekt sei bereits verabredet: Am 3. Oktober 2020 wollen beide Kantoreien Mozarts „Requiem“ aufführen, dann unter Leitung von Henz. Reitzig freut die größere stimmliche Fülle durch das Miteinander, mindestens 50 Sängerinnen und Sänger werden beteiligt sein. „Das motiviert schon.“ Charles Gounod (1818 - 1893) hat seine „Messe solennelle en l’honeur de Sainte Cécile“ eigentlich für den Jahrestag der Heiligen Cäcilie am 22. November komponiert. Reitzig sieht das Werk durch seinen Charakter aber sehr passend für die Weihnachtszeit und hat es bereits 2001 im Rahmen eines Adventskonzertes an gleicher Stätte aufgeführt. „Das passt von der Wirkung her“, ist er überzeugt und verweist auf die vielen zarten, lyrischen Passagen, die feinen Nuancen, den Einsatz von Harfe und Orgel. „Leuchtende Strahlen entströmten der `Messe de Sainte Cécile`. Zuerst war man geblendet, dann verzaubert, dann überwältigt“, äußerte sich Gounods Komponistenkollege Camille Saint-Saëns tief beeindruckt nach der Uraufführung 1855, wie im Programmheft zu lesen ist. Gounod verstehe es, mit einfachen Mitteln wie schlichter Harmonik und einfacher Satzweise „eine überraschend grandiose Atmosphäre herzustellen. Der Chor erhält dabei zuweilen einen archaisierenden Effekt“. Gounods Ziel sei es immer, „subtile Wirkungen zu erzielen, den Ausdruck zu intensivieren und mehr Eindringlichkeit zu erreichen“, so Reitzigs weitere Erläuterungen. Die Orgelpartien der Messe wird Markus Henz spielen. Henz wird das Programm am Sonntag auch an der Orgel eröffnen mit der Fantasie G-Dur (Pièce d’Orgue) BWV 572 von Johann Sebastian Bach. Daran werden sich drei doppelchörige Werke anschließen für Bläser und Orchester, und zwar „Macht hoch die Tür“ in der Bearbeitung von Helmut Lammel, „Magnifikat“ von Jacques Berthier – ein Schöpfer vieler der beliebten Taizé-Gesänge – und „Tochter Zion freue dich“, dessen Melodie auf Händel zurückgeht, der Junktimsatz stammt von Peter Hastedt. Danach wird als Höhepunkt des Konzertes die Messe erklingen. Den Orchesterpart wird wieder das Collegium Musicale Bingen übernehmen. Die Sopran-Partie singt Antonietta Jana, die dem Kirchheimbolander Konzertpublikum aus vielen Aufführungen bestens bekannt ist und 2001 bei Reitzigs erster Einstudierung der Cäcilienmesse – eine weitere folgte 2010 – dabei war. Für den Tenor wurde der aus Schwäbisch Gmünd stammende Axel Paridon engagiert. Den Bass singt Michael Marz, hier bekannt aus mehreren Aufführungen des Weihnachtsoratoriums in den letzten Jahren. Kurz-Info —Adventskonzert der Bezirkskantorei, Sonntag, 16. Dezember, 16 Uhr, Peterskirche Kirchheimbolanden. —Programm: Charles Gounod: Cäcilienmesse; Johann Sebastian Bach: Fantasie G-Dur (Pièce d’Orgue), BWV 572; doppelchörige Werke für Bläser und Orchester. —Ausführende: Antonietta Jana (Sopran), Axel Paridon (Tenor), Michael Marz (Bass); Markus Henz (Orgel); Nordwestpfälzer Kantorei, Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler; Collegium Musicale Bingen; Gesamtleitung: Martin Reitzig.

Nach 2001 und 2010 nimmt sich die Bezirkskantorei erneut die „Cäcilienmesse“ vor, diesmal verstärkt durch die Nordwestpfälzer Ka
Nach 2001 und 2010 nimmt sich die Bezirkskantorei erneut die »Cäcilienmesse« vor, diesmal verstärkt durch die Nordwestpfälzer Kantorei.
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