Zellertal RHEINPFALZ Plus Artikel Zellertalbahn: Das Problem mit den Bahnübergängen

Der Messtriebwagen von Hitachi am Marnheimer Bahnhof.
Der Messtriebwagen von Hitachi am Marnheimer Bahnhof.

Die Zellertalbahn könnte bald wieder Ausflugsverkehr auf ihrer Strecke anbieten. Aber nur, wenn Kreis und Land sich auf eine Zwischenlösung für die Bahnübergänge einigen.

Die RHEINPFALZ fragt immer mal wieder nach: Wie ist der Stand der Dinge in Sachen Zellertalbahn? Denn nach mittlerweile acht Jahren Stillstand wollen die Leser wissen, wann sie die 28 Kilometer lange Strecke zwischen Monsheim und Langmeil endlich wieder nutzen können. Zwar tut sich im Hintergrund immer irgendetwas, aber wer nicht direkt an der Strecke wohnt, der bekommt nicht viel davon mit.

Auch in den vergangenen Monaten war laut Reiner Bauer, der bei der Kreisverwaltung zuständig für Standortentwicklung und Wirtschaftsförderung ist, entlang der Bahnstrecke einiges in Bewegung: „Die Arbeiten an den Brücken und Durchlässen sind jetzt abgeschlossen. Nacharbeiten, deren Erforderlichkeit sich im Rahmen der Abnahmeprüfungen ergeben haben, werden im August oder September gemacht“, so Bauer. In diesem Zusammenhang sollen dann auch gleich noch restliche Instandsetzungsarbeiten am Oberbau erledigt werden, sodass, so Bauer weiter, „im Herbst dann die finalen Schotter- und Stopfarbeiten durchgeführt werden können“.

Immer noch nicht begonnen: die Bahnübergänge

Wo es aktuell immer noch hängt, ist der Neubau der Bahnübergänge. Dieses Unterfangen ist sehr langwierig, denn vor dem eigentlichen Baubeginn muss es ein Planfeststellungsverfahren geben – das hat der Gesetzgeber so festgelegt. Ein Planfeststellungsverfahren ist ein behördliches Genehmigungsverfahren für große Infrastrukturprojekte. Zuständig ist der Landesbetrieb Mobilität in Koblenz. Dass es das Verfahren geben würde, war früh klar, aber aufgrund der Priorisierung anderer Vorhaben – etwa Projekte am Mittelrhein oder im Ahrtal – verzögerte sich der Start erheblich. Mittlerweile läuft das Verfahren zwar, ist aber bislang noch nicht abgeschlossen. Deshalb hat der Kreis inzwischen vorgeschlagen, in der Übergangszeit die Bahnübergänge anders zu sichern, um den Gesamtbetrieb nicht noch weiter zu verzögern. „Hier warten wir noch auf eine Entscheidung der Fachbehörden“, sagt Bauer.

Es ist nicht das erste Mal, dass es wegen bürokratischer Prozesse zur Verzögerung kommt. Nachdem auf der Zellertalbahn 1983 der Personenverkehr und 1998 der Güterverkehr eingestellt wurde, verkehrte ab 2001 zwischen Mai und Oktober auf dieser Strecke an Sonn- und Feiertagen ein Ausflugszug. Wegen maroder Gleise wurde der Ausflugsverkehr 2017 eingestellt. Der Kreis wollte die Strecke sanieren lassen, konnte die veranschlagten Kosten von 8,3 Millionen Euro aber nicht allein aufbringen und bat das Land um finanzielle Unterstützung. Doch die Bewilligung der Mittel ließ bis 2020 auf sich warten, weil sich der Landesrechnungshof querstellte. Die Behörde bewertete den Aufwand für den bloßen Ausflugsverkehr als zu groß, ignorierte dabei aber die feste Absicht, die Bahnstrecke mittelfristig wieder in den regulären Fahrplan einzubinden.

Brücke in Harxheim war dickster Brocken

Wie der RHEINPFALZ von mehreren Seiten zugetragen, aber nie offiziell bestätigt wurde, soll die ganze Angelegenheit lange am Veto einer einzigen Person in der Behörde gescheitert sein. Letztlich trugen mehrere Protestaktionen – unter anderem auch vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr – dazu bei, dass das Land schließlich nachgab. Im Juni 2021 begannen daraufhin die eigentlichen Arbeiten an Schienen und Schwellen. Als erstes wurden die Gleise gestopft. Weil nach einem schweren Bahnunglück in Bayern die Auflagen verschärft wurden, mussten außerplanmäßig um die 4000 Betonschwellen ersetzt werden, was für eine weitere Verzögerung sorgte. Danach ging der Kreis daran, die Brücken und Durchlässe entlang der Strecke instandzusetzen. Die Sanierung der sehr maroden Brücke in Harxheim war hier der dickste Brocken.

Mittlerweile sind diese Arbeiten abgeschlossen. Bauer wertet das als wichtigen Meilenstein: „Es hängt jetzt nur noch daran, eine Lösung für die Bahnübergänge zu finden. Dann kann der Betrieb zeitnah aufgenommen werden. Falls jedoch erst nach dem Neubau gestartet werden darf, verschiebt sich der erste Bahnverkehr weiterhin.“ Laut Bauer gibt es verschiedene Vorschläge zur Sicherung der Übergänge bis zum Neubau. In Abstimmung mit den Fachbehörden müssten diese nun diskutiert werden. Bauer zeigt sich optimistisch, vor allem dank der guten Platzierung der Zellertalbahn auf der Liste des Landes für mögliche Reaktivierungsstrecken – für diese laufen demnach bereits konkrete Planungen.

Hitachi will Strecke für Tests nutzen

Doch nicht nur von Seiten des Kreises wird die Reaktivierung der Bahnstrecke vorangetrieben. Auch der Förderverein Eistalbahn engagiert sich seit Jahren dafür. Die Mitglieder – eine Gruppe besonders engagierter Eisenbahnfreunde – organisierten jahrelang in Eigenregie den Ausflugsfahrbetrieb, bevor die Trägerschaft an den Kreis abgegeben wurde. Aktuell kontrolliert der Verein die Strecke regelmäßig mit einem eigenen Schienenfahrzeug, begleitet die Vegetationspflege durch Spezialfirmen und nimmt Sichtprüfungen vor. Zuletzt begleitete der Verein auch eine Überprüfung in Hinblick auf die digitale Bahnfunkversorgung: Ein Triebwagen des Unternehmens Hitachi befuhr die Strecke, um Messungen vorzunehmen. Dabei wurde auch die Streckenkonfiguration dokumentiert, da Hitachi darüber nachdenkt, hier künftig Komponenten des European Train Control Systems (ETCS) zu testen. Dies ist der neue europäische Standard für die funkbasierte Sicherung von Zugfahrten, mit dem herkömmliche Signale abgelöst werden sollen.

Hitachi liefert Komponenten für Gleise und Fahrzeuge, die umfassend erprobt werden müssen. Wie der Förderverein mitteilt, ist die Zellertalbahn dank ihrer Flexibilität und der einfachen Strukturen besonders attraktiv als Testfeld. Im Ausflugsbetrieb wäre eine Nutzung auch unter der Woche möglich, was die Strecke ebenso für andere Unternehmen im Bereich ETCS-Entwicklung interessant machen könnte. Erste Tests verliefen laut dem Vereinsvorsitzendem Berkay Salman bereits vielversprechend und seien ein wertvoller Beitrag für die künftige Nutzung der Strecke.

Dringend nötig als Entlastungsstrecke

Salman betont, dass die Zellertalbahn als direkte Verbindung zwischen Worms und Kaiserslautern, aber auch als Umleitungs- und Entlastungsstrecke dringend benötigt wird. „Alle bisherigen Maßnahmen waren sinnvoll und zielführend. Nun gilt es, gemeinsam den Betrieb zu ermöglichen und diesen dann auch sicher, zukunftsorientiert und stabil anzubieten. Der Förderverein Eistalbahn wird dieses Ziel weiter aktiv unterstützen“, so Salman.

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