Donnersbergkreis „Wollen ermutigen, individuelle Stärken zu entdecken“

91-97057801.jpg

„Die größte Stärke von Frauen ist mit Sicherheit ihre Beziehungsfähigkeit, verbunden mit einem hohen Maß an Empathie. Das ermöglicht ihnen, positiv Einfluss zu nehmen – sei es im familiären, beruflichen, religiösen oder gesellschaftlichen Kontext.“ Das sagt erste Vorsitzende Andrea Juhler zum Thema des vierten Frauentages, den der Arbeitskreis für Frauen im Evangelischen Gemeinschaftsverband Pfalz am 6. Mai im Festhaus Winnweiler organisiert. Unter dem Motto „Starke Frauen braucht das Land“ werden rund 200 Besucherinnen aus der ganzen Pfalz erwartet. Rainer Knoll hat mit der 53-Jährigen über Hintergründe, Intention und Programm der Veranstaltung gesprochen.

Frau Juhler, der Tag im Festhaus steht unter dem Motto „Starke Frauen braucht das Land“. Mal ehrlich, wird die Veranstaltung von einem Fitness-Studio gesponsert? Und wie viele Kilos muss man – besser gesagt Frau – stemmen, um teilnehmen zu dürfen?

Gute Idee (lacht). Nein, ein Fitness-Studio gehört nicht zu den Sponsoren, obwohl diese mit Sicherheit eine enorme Wachstumsrate haben. Aber damit würde ein Klischee bedient: dass Frauen fit, gesund und attraktiv sein müssen. Und das liegt mit Sicherheit nicht in der Absicht dieses Tages. Provokant gefragt: Gibt es heutzutage so viele schwache Frauen, dass man sie durch ein solches Programm zum Starksein ermutigen muss? Die Frage ist doch vielmehr: Was sind „schwache Frauen“ und was zeichnet „starke Frauen“ aus? In unserer Gesellschaft wird der Wert eines Menschen häufig über Leistung und Erfolg definiert. Auch das Selbstwertgefühl von Frauen wird davon bestimmt, was sie leisten und wie sie sich attraktiv darstellen. Daran gemessen gibt es mit Sicherheit Frauen, die in die Rubrik „schwach“ eingeordnet werden. Durch meine Vortragstätigkeit komme ich mit vielen Frauen zusammen, die an den gesellschaftlichen Normen scheitern. Sie leiden darunter, dass sie nicht in das gängige Frauenbild passen. Ihnen wird die Anerkennung verweigert. Manche sind von Krankheit gekennzeichnet und erleben sich dadurch häufig als schwach. Mit dem „Tag für Frauen“ wollen wir Frauen ermutigen, ihre individuellen Stärken zu entdecken. Sie sollen erfahren, dass sie wertgeschätzt und geliebt sind, unabhängig von ihrer Leistung, ihrem Erfolg und dem Mainstream. Als Christinnen erfahren wir diese Stärke durch eine Beziehung zu Gott. In der Bibel sagt er, dass er den Menschen um seiner selbst achtet, anerkennt und liebt, ohne Vorleistung. Bei der Besetzung von Führungspositionen in großen Unternehmen sind Frauen immer noch unterrepräsentiert – obwohl sie oft sicher nicht minder qualifiziert als Männer sind. Sind Frauen gar nicht schwächer, tragen aber ihre Stärken nicht so offensiv nach außen wie Männer? Ich möchte hier den Blick auf die biblische Schöpfungsgeschichte und eine längst vergessene Sichtweise vom Ursprung des Menschseins lenken. Demnach sind Männer und Frauen in ihrem Wesen unterschiedlich. Während der Mann im biblischen Bericht aus der Materie geschaffen wird, wurde die Frau aus einem Teil des Mannes gebildet. Nach meiner Deutung ist der Mann daher in seinem Wesen eher sachorientiert (Materie), die aus der Person genommene Frau eher personenorientiert. Das wirkt sich auch auf ihr Verhalten aus. Inwiefern? Eine Frau, das belegen auch zahlreiche Studien, ist in ihrem Führungsstil eher partnerschaftlich und kommunikativ. Auch sagt man Frauen nach, dass sie besser zuhören können und verständnisvoller reagieren als ihre männlichen Kollegen, sie haben ein hohes Maß an Empathie. Männer sind eher bereit, ihre Position durchzusetzen. Ihre Entscheidungen treffen sie oft „einsam“ und sind weniger teamfähig. Auch hier stellt sich die Frage: Was ist stark und was schwach? Ein Aufhänger des Frauentages im Festhaus ist ja das 500. Reformationsjubiläum und „die starke Frau an Luthers Seite“. Hat es also starke Frauen schon zu allen Zeiten gegeben – und haben sich viele andere somit nur zu lange dem über Jahrhunderte gültigen traditionellen Rollenbild gefügt? Zum Glück war die Frau schon immer stark. Einige von ihnen haben in ihrer Zeit, unter den für sie möglichen Umständen vieles bewegt, von dem wir bis heute profitieren. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass jede Generation andere Fragestellungen und Aufgaben hat, denen sie sich stellen muss. Es kann nicht nur darum gehen, traditionelle Rollenbilder aufzubrechen – die Herausforderung liegt darin, dass Frauen ihre Stärken entdecken und sie leben. Das kann für die eine Frau eine Führungsposition in einem Konzern sein und für die andere der Platz in der Familie. Eine andere Frau engagiert sich für Menschen, eine weitere kümmert sich um alte Menschen oder unterstützt eine alleinerziehende Mutter. Zu bewerten, für welche Rolle die jeweilige Frau sich entscheidet, steht mir nicht zu. Teil des Programms ist auch ein Kammermusical, das in der Zeit der Reformation spielt. Inwieweit sind auch dort starke Frauen ein Thema? Miriam Küllmer-Vogt ist eine brillante Sängerin und Schauspielerin. Sie wird die starke Frau an der Seite des Reformators darstellen. Mit Witz und Leidenschaft bringt sie das Leben der Katharina von Bora, der späteren „Lutherin“, auf die Bühne und nimmt das Publikum in die aufregende Zeit des Umbruchs hinein, von der sie als Nonne im Besonderen betroffen war. Übrigens nannte Luther seine Frau „Herr Käthe“! Sie war offensichtlich in seinen Augen eine „starke Frau“. Was erhoffen Sie sich vom „Tag der Frauen“ – was kann hier ein einziger Tag überhaupt bewirken? Wir sehen nicht die Masse von Frauen, sondern jede einzelne Frau. Ein Satz aus dem Vortrag, eine Geste der Wertschätzung und der Anerkennung, ein Gespräch, das Mut macht oder eine andere Perspektive eröffnet – all das kann im Leben einer Frau mehr bewegen als Appelle oder Frauenquoten in Führungsetagen, die an der Lebenswirklichkeit der meisten Frauen vorbeigehen. Dürfen eigentlich auch Männer zu der Veranstaltung ins Festhaus kommen? Und falls ja: Wie stark (oder schwach) sollen sie sein? Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber wir haben ein starkes Team von Männern, die an diesem Tag die Küche fest im Griff haben werden. Auch wird das Technikteam von Männern unterstützt, das Musikteam „Doppelpunkt“ aus Kirchheimbolanden wird von zwei Männern begleitet. Unter anderem bieten Männer mittelalterliche Tänze zum Mitmachen in der Mittagspause an. Auch wenn es sich um einen „Tag für Frauen“ handelt, haben wir uns entschlossen, das Musical am Nachmittag für Männer zu öffnen.

x